- Im Video oben: Unbeleuchtet, falscher Pfeil - Video aus Todes-Bar offenbart neues fatales Detail
Nach dem Brand im Schweizer Skiort Crans-Montana mit 40 Toten und über 100 Verletzten in der Silvesternacht steht der Besitzer der Bar "Le Constellation", Jacques Moretti, weiter im Fokus der Öffentlichkeit und der Strafermittler. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vor. In Haft genommen wurden Moretti oder seine Ehefrau noch nicht.
Zwielichtige Vergangenheit: Vom Gefängnis zum Immobilien-Millionär
Die Vergangenheit und das Geschäftsgebaren der Morettis werfen immer mehr Fragen auf. Moretti saß 2008 für schwere Zuhälterei vier Monate in Frankreich hinter Gittern, acht Monate wurden ihm auf Bewährung erlassen, wie der Schweizer "Blick" unter Berufung auf französische Medien schreibt. Moretti wurde damals vorgeworfen, Mädchen in Skigebiete vermittelt zu haben.
Die Franzosen kamen im Jahr 2000 mit fast nichts in die Schweiz, dann plötzlich hatten sie sehr viel Geld. Sie stiegen schnell auf.
Neben dem durch ein Feuer zerstörten Club verfügt das Ehepaar Moretti laut dem Portal insideparadeplatz über ein beachtliches Portfolio an Einfamilienhäusern, besaß aber auch gastronomischer Betriebe. Auffällig dabei: Sowohl die Immobilien als auch die Betriebe scheinen vollständig aus Eigenmitteln finanziert zu sein, da im Grundbuch keinerlei Hypotheken verzeichnet sind, heißt es in dem Portal.
Rätselhaftes Vermögen: Millionen-Deals ohne Kredite
Den Grundstein für ihren Aufstieg im exklusiven Immobilienmarkt von Crans-Montana legten die Gastronomen laut dem "Blick"-Bericht im Jahr 2020 mit der Bar „Le Constel“. Nach einer fünfjährigen Pachtphase erwarben sie das Lokal und firmierten es in „Le Constellation“ um. Noch im selben Coronajahr erweiterten sie ihren Besitz um ein Wohnhaus mit einer Gesamtfläche von 298 Quadratmetern. Der Steuerwert belief sich dem Bericht zufolge auf 820.000 Franken.
In der Folgezeit expandierte das Paar weiter: Zunächst kauften sie einen Burgerladen im Zentrum von Crans-Montana, bevor 2023 die Herberge „Le Vieux Chalet“ in Lens hinzukam. Erst am 8. Oktober 2024 erwarben die Korsen ein weiteres Einfamilienhaus in Lens mit einer Fläche von 501 Quadratmetern. Der Steuerwert dieser Liegenschaft liegt bei 410.000 Franken. Auch für diese Objekte nahm das Ehepaar laut Bericht des "Blick" offenbar keinerlei Kredite in Anspruch.
Der Franzose Sebastian Fanti vertritt mehrere Opferanwälte nach der Brandkatastrophe. Er hat bei dem schnellen Vermögenswachstum der Morettis Fragen. "Er war zuerst nur Restaurantleiter, nicht von Anfang an Besitzer. Dann plötzlich kaufte er für über drei Millionen Franken Immobilien, ohne einen Rappen Kredit aufzunehmen", sagt er.
Behörden-Versagen in der Schweiz? Gastronomen erheben schwere Vorwürfe
Die Katastrophe in der Bar rückt auch die Ortschaft in ein sehr schlechtes Licht. Nach der Auskunft der Einheimischen war es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmes im Ort passiert. Gastronomen haben zuletzt die Gemeinde Crans-Montana gegenüber FOCUS online wegen der mangelnden Brandschutzkontrollen belastet. Ein Barbetreiber sprach davon, in zehn Jahren nur zweimal wegen des Brandschutzes kontrolliert worden zu sein. Inzwischen dürfen Gastronomen nichts mehr sagen, wie der "Spiegel" schreibt. Ihre Wut gilt demnach nicht den Betreibern der Bar "Le Constellation", die beim Umbau ihres Lokals möglicherweise Vorschriften verletzt haben, sondern den Behörden, die ihrem Auftrag nicht nachgekommen seien, eben dies zu kontrollieren und gegebenenfalls zu sanktionieren.
Hinter vorgehaltener Hand berichten Gastronomen dem Magazin von „mafiösen Strukturen“. Große Teile des Ortes befänden sich im Besitz einer kleinen Gruppe; neben Schweizern und Franzosen gehören dazu auch Eigentümer aus China. Sogar die Bergbahnen sind, anders als etwa in Graubünden, in der Hand eines US-Investors. Ein Insider berichtet dem "Spiegel": Betriebe angesehener Besitzer hätten von den Behörden „eigentlich gar nichts“ zu befürchten.
Eingeschlossen von Bergen, eile dem Wallis der Ruf voraus, es mit Gesetzen und deren Auslegung nicht genau zu nehmen. Einmischung aus der „Außerschweiz“, wie sie vor Ort genannt wird, verbittet man sich; Schlagzeilen über Korruption und Selbstjustiz würde häufig das Bild prägen, wie der Spiegel weiter schreibt.
Anders als in den meisten Kantonen liegt die Brandschutzkontrolle im Wallis nicht beim Kanton, sondern bei den Gemeinden selbst, wie FOCUS online berichtete. Cans-Montana ist ein Ort, in dem jeder jeden kennt. Auch Crans-Montana verfügt über einen eigenen Brandschutzbeauftragten, der für Kontrollen und Sicherheit zuständig ist. Die politische Verantwortung trägt zwar der Gemeinderat, doch diese Arbeit sei freiwillig und werde nur widerwillig ausgeübt.
Warnungen ignoriert: Video beweist Gefahr durch Schaumstoffdämmung
Im abgebrannten „Le Constellation“ war die gefährliche Schaumstoffdämmung offenbar bereits seit 2015 verbaut. Ein Video aus dem Jahr 2019 zeigt feiernde Gäste mit Partyfontänen, denen ein Kellner warnend zuruft: „Passt auf den Schaumstoff auf!“ Glaubt man den Schilderungen von Wirt Moretti, wurde diese Dämmung von der Gemeindeverwaltung nie beanstandet. In einem Interview mit dem Medium "24 heures" gab Moretti an, in den letzten zehn Jahren etwa dreimal kontrolliert worden zu sein – dabei sei „alles vorschriftsmäßig abgelaufen“.