„Gebt uns alles“: Trump fordert Venezuela heraus und plant US-Dauerpräsenz

Die frisch eingesetzte Regierung Venezuelas soll den USA „alles geben“, was das Weiße Haus für „nötig hält“. So gab es US-Präsident Donald Trump in einem aktuellen Interview an. Trump schwebt offenbar ein längeres Involvement der USA in Venezuela vor. Dabei hat er den US-Ölkonzernen einen deutlichen Auftrag erteilt: Sie sollen Milliarden von Dollars in Venezuelas Öl- und Gassektor investieren und so die schwer angeschlagene Infrastruktur wieder aufbauen.

Trump will Venezuela-Schatz verwalten

Diese Worte haben bereits Wirkung gezeigt: Nur wenige Tage nach der US-Aktion gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro teilte die Interimsregierung mit, 30 bis 50 Millionen Barrel zu Marktpreisen an die USA verkaufen zu wollen. Trump gab dazu an, den Gewinn daraus persönlich verwalten zu wollen. Auf dem Papier ist Venezuela eine der reichsten Nationen, was den Ölbesitz angeht. 

Allerdings gibt es bei dem Plan, langfristig große Mengen an Öl aus Venezuela zu ziehen, mehrere große Probleme. Ja, das Land sitzt auf einem Schatz von über 300 Milliarden Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) an Rohöl, die noch ausgebeutet werden können. Die notwendige Infrastruktur dafür ist jedoch nur bedingt vorhanden. Seit einer Hochphase im vergangenen Jahrtausend, während der Venezuela eines der stärksten Ölförderländer weltweit war, hat sich der Öl- und Gassektor einer drastischen negativen Wandlung unterzogen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Im Zentrum stehen jedoch Handlungen zweier sozialistischer Regierungen, die unter anderem für den Massen-Exodus von Arbeitskräften mit viel Know-how gesorgt haben.

 „Keine realistischen Aussichten“: Experte über Venezuela-Öl

Schon in den Wochen vor Maduros Festnahme haben sich Analysten ausgiebig mit der Frage befasst, wie schnell der Ölsektor wieder auf Kurs kommen könnte. Die Analyse- und Beratungsfirma Wood Mackenzie ging etwa im frühen Dezember noch davon aus, dass operative Verbesserungen und „moderate Investments“ in die Region des Orinoko-Gürtels schon für eine Erhöhung der venezolanischen Kapazitäten auf das Niveau der 2010er-Jahre heben könnten. Damals hatte das Land täglich rund zwei Millionen Barrel produziert. 

Gus Vasquez, leitender Experte für den gesamtamerikanischen Ölmarkt bei der Preisberichtsagentur Argus Media, sieht die Sache wesentlich weniger optimistisch. „Es gibt keine realistischen Aussichten auf eine sofortige Steigerung der Rohölproduktion Venezuelas“, sagt er in einer aktuellen Analyse. Es brauche „erhebliche“ mittel- bis langfristige Investitionen internationaler Unternehmen, um die Produktion wieder auf 1,2 Millionen Barrel pro Tag anzuheben.

„Selbst unter den besten Investitionsbedingungen würde es Jahre dauern und möglicherweise Hunderte von Milliarden kosten, um die venezolanische Ölinfrastruktur wieder auf eine Kapazität von etwa drei Millionen Barrel pro Tag zu bringen, was ihrer früheren Kapazität nahekommt“, warnt Vasquez.

Brain-Drain und Diebstahl

Die Schäden an der Infrastruktur sind vielfältig. Bei ungenutzten Pipelines kam es zu größerem Diebstahl an Bauteilen. Viele Anlagen seien seit Jahrzehnten nicht mehr gewartet worden. Hinzu kommt der bereits erwähnte Brain-Drain wichtiger Arbeitskräfte. Teilweise haben diese das Land auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen verlassen, teilweise wurden sie nach Streiks in den Zweitausenderjahren gefeuert.

Kein Wunder also, dass die Förderung von Rohöl in Venezuela deutlich zurückgegangen ist. Die International Energy Agency (IEA) spricht hier von einem Einbruch um 73 Prozent im Zeitraum 2000 bis 2023. Auswirkungen auf den Ölmarkt oder gar auf die Preise am heimischen Markt seien kurzfristig nicht zu erwarten, erklärte Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG). „Dafür ist der aktuelle Beitrag Venezuelas an der weltweiten Ölversorgung zu gering.“