Venezuela unter US-Kontrolle: Jetzt beginnt die Jagd nach billigem Öl

Das Jahr 2026 beginnt mit einem Hammerschlag: Die USA haben in einer militärischen Spezialoperation den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festgenommen und außer Landes gebracht. Hintergrund des Ganzen soll Venezuelas Rolle bei der massenhaften Lieferung von Drogen in die USA sein. Am Samstag (3. Januar) erklärte US-Präsident Donald Trump, er wollte darüber hinaus die Kontrolle über die Ölfelder in Venezuela übernehmen. Mehrere große US-Ölkonzerne sollen Milliarden US-Dollar investieren, um die „schwer beschädigte“ Öl-Infrastruktur des Landes wiederaufzubauen. Das könnte sich wiederum auf Deutschland auswirken.

Der Fall von Öl-Riese Venezuela: Sichert sich Trump den Öl-Schatz?

Ein Blick auf die Ölreserven Venezuelas zeigt, dass die USA und der US-Öl-Titan Chevron sich einen wahren Rohstoff-Schatz sichern könnten. Experten der US-amerikanischen Energieinformationsbehörde (EIA) gehen davon aus, dass dort noch rund 303 Milliarden Barrel Öl (ein Barrel fasst 159 Liter) schlummern und darauf warten, ausgebeutet zu werden. Noch 2009 hatte Venezuela selbst über drei Millionen Barrel pro Tag produziert. Angesichts dessen, dass der globale Ölmarkt täglich ein Volumen von 100 Millionen Barrel handelt, spricht die Nachrichtenagentur Reuters hier von einer marktbewegenden Menge.

Ein möglicher Vorteil dabei: Wenn neues Öl aus Venezuela auf den Markt fließt, steigt die gesamt gehandelte Menge und die erhöhte Verfügbarkeit von Öl soll den Preis drücken. In einem Umfeld, in dem sich Europa zum Beispiel (bis auf wenige Ausnahmen) gegenüber russischem Öl verweigert und auch Indien und China in 2025 zunehmend auf Abstand zu Kreml-Chef Wladimir Putins Öl-Lieferungen gegangen sind, wäre das eine willkommene Entlastung.

Allerdings gibt es dabei mehrere Probleme.

Niedergang von Venezuelas Öl-Markt

Das erste resultiert aus innerpolitischen Winkelzügen in Venezuela selbst. Sowohl die Administration unter dem früheren Präsidenten Hugo Chavez als auch die Maduro-Regierung haben verstärkt Kontrolle über den verstaatlichten Ölkonzern Petroleos de Venezuela SA (PDVSA) ausgeübt und über mehrere Jahre hinweg dafür gesorgt, dass viele erfahrene Mitarbeiter den Konzern verließen. Tausende wurden 2002 und 2003 nach Streiks entlassen. Das wiederum sorgte für einen brutalen Einbruch der heimischen Ölproduktion. Zahlen der International Energy Agency (IEA, nicht zu verwechseln mit der oben genannten EIA) zeigen, dass die Förderung von Rohöl zwischen 2000 und 2023 um 73 Prozent zurückgegangen ist.

Das Ergebnis: Im November 2025 konnte Venezuela nurmehr 860.000 Barrel pro Tag produzieren, was weniger als einem Prozent des weltweiten Ölverbrauchs entspricht.

Ein weiteres Problem, das sich aus dem Abgang versierter Mitarbeiter ergibt, ist der Niedergang der Öl-Infrastruktur Venezuelas. Hier spielen außerdem US-Sanktionen eine Rolle: Das Land hatte den wichtigen Staatskonzern PDVSA auf die Schwarze Liste gesetzt, sodass der Konzern nicht mehr wie vorher mit den USA oder mit US-amerikanischen Kontakten Handel treiben konnte. Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass das einfache Aufheben von US-Sanktionen den Öl-Output Venezuelas um mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag steigern könnte. Deutlichere Steigerungen würden jedoch massive Investments und möglicherweise viele Jahre Zeit kosten. Die Analyseagentur Wood Mackenzie geht in einem jüngeren Bericht davon aus, das besseres Management und vor allem deutliche Investments dabei helfen sollen, die Produktion in der wichtigen Orinoko-Gürtel-Region zu heben. Genau diese Dinge fehlen dem Land seit Jahren.

„Moderate“ Investitionen könnten schon innerhalb von zwei Jahren für eine Steigerung der Produktion auf zwei Millionen Barrel pro Tag sorgen. Dazu müssten aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Innerhalb von etwa zehn Jahren könnten weitere 500.000 Barrel pro Tag hinzukommen, sofern internationale Ölunternehmen über Joint Ventures mit PDVSA weitere 15 bis 20 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur pumpen.

Schweres Öl aus Venezuela

Und dann wäre da noch die Natur des venezolanischen Erdöls. Es handelt sich dabei um ein vergleichsweise schweres Öl, das aufwändiger zu verarbeiten ist. „Dieses Raffinerieproblem ist in Venezuela ein besonders großes“, zitiert die Tagesschau den Lateinamerika-Experten Günther Maihold dazu. Entsprechend hoch seien die Kosten, um Benzin und andere Produkte zu erzeugen.

Für manche US-Raffinerien ist das ein gefundenes Fressen; das so exportierte „schwerere“ Rohöl ist im direkten Vergleich mit leichteren Varianten billiger, was die Weiterverarbeitung wiederum profitabler macht. Im Oktober 2025 hat Venezuela von 780.000 pro Tag produzierten Barrels rund 100.000 in die USA versandt. Der Rest ging indirekt oder direkt nach China.

Billiges Öl in Europa wegen Trump-Schachzug?

Was uns zur letzten Frage führt: Welche Auswirkungen hat all das auf den europäischen Markt? Die Preise sind zum Wochenbeginn am 5.1. stabil. „Wir erwarten keine schnellen oder signifikanten Auswirkungen auf die Ölpreise, die sich in Deutschland niederschlagen würden“, erklärt Dr. Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) auf Anfrage von Focus Online. „Dafür ist der aktuelle Beitrag Venzuelas an der weltweiten Ölversorgung zu gering.“

Möhring geht davon aus, dass der Aufbau nennenswerter neuer Reserven in Venezuela Jahre dauern würde. „Vermutlich ist die geopolitische Komponente von größerem Gewicht für die Bewertung, wobei allerdings in der jüngeren Vergangenheit die Ölmärkte auch bei geopolitisch bedeutsamen Entwicklungen vergleichsweise robust waren, solange die Versorgung als gesichert eingestuft wird.“

Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) teilte mit, dass das Ministerium die Entwicklungen auf den Markt „genau verfolgen“ werde. Nach aktuellem Stand seien auch dem Ministerium keine Auswirkungen von Donald Trumps Schachzug gegen Venezuela bekannt.