Amerikaner jagen Putins Schattenflotte: Warum der Kreml jetzt um Venezuela kämpft

Anfang Januar sorgte US-Präsident Donald Trump mit der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro für Aufruhr. Als Grund hatte Washington die Verwicklung des Diktators in die massive Lieferung von Drogen genannt. Nur kurz nach dem Eingriff meldete sich Trump jedoch erneut und gab an, die Kontrolle über Venezuelas Ölfelder übernehmen zu wollen. Jetzt kristallisiert sich immer mehr heraus, dass diese Entwicklungen noch einen Akteur treffen: Russland.

USA macht Jagd auf Schattenflotte: Putin interveniert

Aktuell besondere Aufmerksamkeit erregt eine Jagd im Atlantik. Die US-Küstenwache verfolgte seit einiger Zeit ein Tankschiff, das auf dem Weg nach Venezuela war, und in Reaktion darauf schickt der Kreml angeblich ein U-Boot und anderes marines Gerät, um diesen Tanker zu schützen. Am Mittwochmittag enterten die USA das Schiff.

Konkret geht es um einen früher als Bella 1 bekannten Öltanker. Dieser soll mehrere Wochen lang versucht haben, die US-Blockade gegen sanktionierte Öltanker zu umgehen. Dem Schiff sei es nicht gelungen, in Venezuela anzulegen und neues Öl zu laden. Obwohl das Schiff leer ist, verfolgte die US-Küstenwache es und hat es in den Atlantik vertrieben.

Die sogenannte russische Schattenflotte ist ein Verbund aus meist veralteten Tankschiffen. Sie erfüllt mehrere Ziele: Unter anderem soll sie westliche Sanktionen unterlaufen und liefert sanktionierte Güter, allerdings wurden der Schattenflotte zugerechnete Schiffe auch mehrfach mit Sabotage in Verbindung gebracht. Dabei wenden die Tankschiffe verschiedene Tricks an: Unter anderem deaktivieren sie ihre Schiffsortung oder fahren unter falscher Flagge. Experten haben wiederholt davor gewarnt, dass das fortgeschrittene Alter der Schiffe zu Beschädigungen und damit zu Ölkatastrophen führen könnte

Internationale Medien berichteten, dass die Crew des Tankschiffs kurzerhand die Beflaggung und den Namen des Schiffes geändert hat. Danach fuhr es als Marinera weiter; auf eine Schiffseite hatte die Crew hastig eine Russlandflagge gemalt. Unter welcher Flagge es vorher fuhr, darüber streiten sich die Behörden. Kurios daran: Der Kreml soll die Umregistrierung auf Russland ohne Inspektion oder Formalitäten erlaubt haben. 

Unter Berufung auf nicht näher genannte Experten schrieb das Wall Street Journal von einem ungewöhnlichen Schritt, den der Kreml selbst jedoch nicht sofort kommentieren wollte. Unter russischer Flagge könnte das Schiff, sollten die USA versuchen, es zu entern, vom Kreml Hilfe erhalten.

Venezuela-Comeback könnte Russland schaden

Für Kreml-Chef Wladimir Putin kommt die Entwicklung um Venezuela zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Über die vergangenen Monate hinweg ist der russische Ölsektor in eine handfeste Krise gerutscht; teilweise von zu niedrigen Ölpreisen und teilweise von ukrainischen Drohnenangriffen ausgelöst. Das Land ist in einem erheblichen Maße von stabilen (und möglichst hohen) Ölpreisen abhängig, weil sich der ganze Haushalt auf die Erlöse aus Energieexporten stützt.

Wenn jetzt auch noch Venezuela als Powerhouse an den Ölmarkt zurückkehrt, könnte das weitere Einbrüche der russischen Exporte bedeuten. Vor mehreren Jahrzehnten noch galt Venezuela als die Ölnation schlechthin und verfügt immer noch über gewaltige Ölreserven. Während der Zweitausenderjahre hatten innerpolitische Umwälzungen jedoch zu einem extremen Niedergang der Ölsparte gesorgt. Experten sprechen von einer Menge über 300 Milliarden Barrel (ein Barrel sind 159 Liter), die noch unter der Erde liegen.

Diesmal kann Putin Maduro nicht retten

Besonders bitter: Russland hat selbst Milliarden in Venezuelas Ölsektor investiert. 2015 zum Beispiel sagte der russische Öltitan Rosneft zu, Investitionen über 14 Milliarden US-Dollar in venezolanische Öl- und Gasprojekte tätigen zu wollen. Im Gegenzug hatte sich die venezolanische Regierung hinter Russland gestellt, als der Kreml im Jahr 2008 Georgien angegriffen hatte.

Während Donald Trumps erster Amtszeit soll er bereits eine Chance für Maduros Entmachtung gesehen haben. Damals hatte Putin zwei Militärflugzeuge zur Unterstützung geschickt. Nachdem der Ukraine-Krieg Russland erheblich geschwächt hat, war dies nun nicht mehr möglich. „In gewissem Sinne hat Moskau Maduro gerettet“, zitierte das Nachrichtennetzwerk DW Wladimir Rouwinski, einen Politwissenschaftler an der ICESI-Universität in Kolumbien.

Die Unterstützung blieb vorerst verbal, auch die aus China. Venezuela hatte sich über Jahre dem BRICS-Wirtschaftsblock angenähert. Nun könnte ein Schwenk Richtung USA stattfinden.