Deutlich höhere Beiträge in Sicht: Das wird 2026 auf Autofahrer zukommen

Die Kfz-Versicherung in Deutschland steht 2026 vor einem belastenden Jahr. Für viele Versicherte wird der Jahresbeitrag deutlich steigen. Ausschlaggebend dafür sind zahlreiche Faktoren – von neuen Regionalklassen und Typklasseneinstufungen bis hin zu gestiegenen Reparaturkosten und der allgemeinen Schadenentwicklung.

Versicherungsexperte Bastian Kunkel von Versicherungen mit Kopf erklärt, warum die Beiträge steigen, welche konkreten Änderungen anstehen und wie Sie als Versicherungsnehmer am besten darauf reagieren.

Bastian Kunkel, Gründer von „Versicherungen mit Kopf“, ist ein führender Experte in der Versicherungsbranche mit über 850.000 Followern auf Social Media. Seine VMK Versicherungsmakler GmbH zählt zu den besten Maklern Deutschlands. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Warum steigen die Beiträge?

Mehrere Entwicklungen führen dazu, dass die Autoversicherung 2026 teurer wird:

  1. Höhere Reparatur- und Ersatzteilkosten: Werkstattstunden und Autoteile sind spürbar teurer geworden. Diese Kosten geben die Versicherer zunehmend an die Kunden weiter.
  2. Zunahme bei Schadenhäufigkeit und -höhe: Wetterextreme, Diebstähle, Vandalismus und komplizierte Unfallschäden lassen die Schadensummen steigen.
  3. Neue Einstufungen bei Region und Typ: Für viele Fahrzeuge und Regionen gelten ab 2026 neue Bewertungen, die häufig zu höheren Beiträgen führen.
  4. Wirtschaftlicher Druck auf Versicherer: Nach Jahren gestiegener Belastungen müssen viele Gesellschaften ihre Produkte wirtschaftlich stabilisieren – eine Anpassung der Beiträge ist dafür unerlässlich.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) prognostiziert ein Beitragswachstum von zwei bis sechs Prozent. Vergleichsportale berichten sogar von Erhöhungen bis zu 40 Prozent bei Neuverträgen – ein Zeichen, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Was ändert sich konkret im Jahr 2026?

Neue Regionalklassen

Die Regionalklasse beeinflusst die Höhe der Kfz-Haftpflicht je nach Wohnort. Rund zehn Millionen Versicherte wurden für 2026 neu eingestuft. In etwa fünf Millionen Zulassungsbezirken steigt die Einstufung – vor allem in städtischen Gebieten mit hoher Schadenhäufigkeit, etwa in Berlin oder Teilen von Nordrhein-Westfalen.

Es gibt aber auch positive Ausnahmen: Einige Regionen, beispielsweise in Brandenburg, profitieren von günstigeren Neueinstufungen.

Neue Typklassen

Die Typklasse richtet sich nach der Schadenbilanz eines konkreten Fahrzeugmodells. 2026 betrifft eine Höherstufung rund 5,9 Millionen Fahrzeuge, während etwa 4,5 Millionen günstiger eingestuft werden.

Besonders betroffen sind SUVs und Fahrzeuge mit hoher Motorleistung – hier drohen spürbare Mehrkosten, insbesondere bei Voll- oder Teilkasko-Versicherungen.

Jetzt handeln: Sonderkündigung und Wechsel nutzen

Mit dem Herbst beginnt traditionell die Wechselsaison. Wird der Beitrag erhöht, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Dieses kann genutzt werden, um einen neuen Anbieter mit besseren Konditionen zu wählen. Wichtig ist: Die Kündigung muss innerhalb eines Monats nach Zugang der Beitragsinformation erfolgen.

Wie stark Ihr Beitrag steigen kann

Die Auswirkungen hängen von mehreren individuellen Faktoren ab:

  1. Ein Umzug in eine Region mit höherer Regionalklasse kann mehrere hundert Euro Mehrkosten pro Jahr bedeuten.
  2. Eine Höherstufung des Fahrzeugmodells in der Typklasse wirkt sich besonders bei Kaskoversicherungen deutlich aus.
  3. Auch die Behandlung von Bestandsverträgen unterscheidet sich: Manche Versicherer erhöhen nur für Neukunden – andere auch im Bestand.

So reagieren Sie jetzt richtig – 6 Handlungsempfehlungen

1. Beitragsänderung prüfen und vergleichen

Sobald die neue Beitragsrechnung vorliegt, sollten Sie den neuen Beitrag mit dem Vorjahr vergleichen. Nutzen Sie Vergleichsportale, um zu prüfen, ob es günstigere Alternativen gibt. Aufgrund der aktuellen Marktsituation kann ein Wechsel besonders lohnend sein.

2. Sonderkündigungsrecht rechtzeitig nutzen

Erhöht Ihr Versicherer die Prämie, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Dieses gilt in der Regel einen Monat ab Zugang der Mitteilung. Wer rechtzeitig kündigt, kann entspannt einen besseren Tarif finden.

3. Fahrzeug- und Vertragsdaten prüfen

Typklasse, Regionalklasse, Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) und Fahrleistung sollten regelmäßig überprüft werden. Auch ein Fahrzeugwechsel hin zu einem günstigeren Modell kann langfristig erhebliche Einsparungen bringen.

4. Tarif individuell gestalten

Sie können aktiv Einfluss auf die Beitragshöhe nehmen, zum Beispiel durch:

  1. Erhöhung der Selbstbeteiligung: Reduziert den Beitrag.
  2. Werkstattbindung: Bringt Rabatte bei vielen Versicherern.
  3. Reduktion der jährlichen Fahrleistung: Je weniger Kilometer, desto günstiger der Tarif.
  4. Telematik-Tarife: Wer umsichtig fährt, kann zusätzliche Nachlässe erhalten.

5. Fahrprofil überdenken

Ein Umstieg auf ein kleineres oder emissionsarmes Fahrzeug kann nicht nur die Versicherungskosten, sondern auch Kfz-Steuern senken. Besonders E-Autos werden in der Typklasseneinstufung oft günstiger behandelt.

6. Vertragsdetails genau kontrollieren

Achten Sie auf Klauseln zur Schadenfreiheitsklasse, Kündigungsfristen und Beitragsanpassungen. Ein sorgfältiger Blick auf die Vertragsbedingungen kann helfen, ungewollte Mehrkosten zu vermeiden.

Fazit: Beitragssteigerungen kommen – aber Sie können gegensteuern

2026 wird für viele Autofahrer finanziell spürbar. Steigende Reparaturkosten, neue Regionalklassen und Typklasseneinstufungen führen in der Summe zu deutlich höheren Versicherungsprämien.

Doch wer jetzt informiert handelt, kann gegensteuern: Ein Tarifwechsel, der Einsatz des Sonderkündigungsrechts und eine bewusste Gestaltung des Versicherungsvertrags helfen, unnötige Mehrkosten zu vermeiden.

  • Bastian Kunkel

    Bildquelle: Bastian Kunkel

    Buchempfehlung (Anzeige)

    "Total ver(un)sichert: Was du mit 18 über Versicherungen wissen solltest, aber mit 30 immer noch nicht weiß" von Bastian Kunkel.

    Zum Buch auf Amazon