In Ingenried, Habach und Antdorf gibt es keine Kandidaten für die Bürgermeisterwahl. Die Bürger müssen ihre Wunschkandidaten selbst aufschreiben.
Landkreis – Dass in Ingenried kein offizieller Bürgermeisterkandidat auf der Liste steht, ist für viele Bürger keine Besonderheit. Denn der langjährige Rathauschef Xaver Fichtl, der von 1990 bis 2020 fünf Amtsperioden amtierte, stand zunächst nur bei seiner Premierenwahl auf dem Zettel. „Die nächsten drei Mal wurde ich ohne Liste gewählt“, sagt er.
Hintergrund war sein Hauptberuf als Beamter der Postbank. Die wäre laut Beamtenrecht nicht zur Fteistellung Fichtls verpflichtet gewesen, wenn er auf dem Wahlzettel gestanden hätte, berichtet der Altbürgermeister. Deshalb schrieben die Bürger seinen Namen händisch drauf. Erst vor der letzten Wahl 2014 stand er wieder auf dem Wahlzettel, da war er schon in Pension. „Die Bürger wussten aber immer auch ohne Wahlvorschlag, dass ich das Amt weiter übernehmen will“, sagt Fichtl.
Das ist der entscheidende Unterschied zu dieser Wahl: Im Vorfeld hat sich niemand bereiterklärt, den nebenamtlichen Posten in der 1100-Einwohner-Gemeinde zu übernehmen. Weil der scheidende Bürgermeister Georg Saur „immer wieder darauf angesprochen wird, wie genau das jetzt bei der Wahl am 8. März abläuft“, berichtete er in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Prozedere.
Er habe sich schlau gemacht, so Saur, und konnte seinem Gremium schon vorab einen Muster-Wahlzettel präsentieren. Diesen werden die Ingenrieder am Wahltag oder in den Briefwahl-Unterlagen in den Händen halten und können dann handschriftlich ihren Wunschkandidaten eintragen. Sollte ein Name auf mehr als der Hälfte der Stimmzettel auftauchen, würde die entsprechende Person als gewählt gelten. Sollte keiner der Kandidaten auf mehr als 50 Prozent kommen, gibt es zwei Wochen nach der ersten Wahl eine Stichwahl. „Die gewählte Person ist aber nicht verpflichtet das Amt anzunehmen“, stellte Saur klar. Sollte sie ablehnen, kommt es zu einer Neuwahl, mit demselben Prozedere wie bei der Wahl am 8. März.
Was passiert bei erfolgloser Suche?
Sollte die Suche nach einem Bürgermeister dann erneut scheitern, „weiß bislang keiner, wie es weitergeht, das gab es laut Verwaltung noch nie“, musste Saur seine Zuhörer im Unklaren lassen. Klar ist aber, dass Saurs Amtszeit am 30. April endet, er wird das Amt auch nicht kommissarisch weiterführen. Dann wären die neu gewählten Gemeinderäte gefragt. Hier haben die Ingenrieder nun die Auswahl aus 22 Kandidaten, da bis zum Stichtag keine zweite Liste eingereicht wurde.
Auch in Habach ist es nicht gelungen, einen potenziellen Nachfolger von Michael Strobl zu finden. Damit geht die Gemeinde „erstmals in ihrer Geschichte“, so Strobl, ohne Bewerber in eine Bürgermeisterwahl. Der knappen Absage des Gemeinderats zur Umwandlung des Posten vom Neben- ins Hauptamt (dafür hätte es eine Kandidatin gegeben) trauert Strobl trotzdem nicht nach. Man sei schließlich die kleinste der vier VG-Gemeinden. „Wir haben für die Verwaltungsgemeinschaft vier zusätzliche Stellen geschaffen, damit ein ehrenamtlicher Bürgermeister das schaffen kann“, wirbt Strobl.
Er ist optimistisch, dass sich in den rund sechs Wochen noch jemand meldet, der signalisiert, das Amt bei einer Wahl auch anzunehmen. „Bisher habe ich aber leider noch von niemandem etwas gehört“, muss Strobl einräumen.
Die dritte Gemeinde ohne Bürgermeister-Kandidaten ist Habachs Nachbargemeinde Antdorf, wo traditionell mit einer weißen Liste ohne Bürgermeisterkandidaten gewählt. Auch da war in der Vergangenheit meist jemand parat gestanden, der im Vorfeld erklärt hatte, das Amt übernehmen zu wollen. Doch der fehlt dieses Mal auch in Antdorf, wie der scheidende Bürgermeister Klaus Kostalek bestätigte: „Offenbar ist der Leidensdruck noch nicht groß genug.“