Nach fast 40 schönen Jahren ist bayerischer Bergsteigerchor für immer verstummt
In Peißenberg hat kürzlich eine Ära geendet: Nach fast 40 Jahren hat sich der Bergsteigerchor des Alpenvereins aufgelöst. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, sagt Chorleiterin Annerose Bindl, dennoch sei die Zeit für diesen Entschluss reif gewesen.
Fast vier Jahrzehnte hatte die Alpenvereinssektion Peißenberg einen eigenen Bergsteigerchor, der regelmäßig aufgetreten ist und in Gottesdiensten sowie bei zahlreichen Vereinsfeiern und anderen Anlässen in der Marktgemeinde gesungen hat. Sehr beliebt war auch das „Alpenländische Adventssingen“, das jedes zweite Jahr in der Vorweihnachtszeit viele Besucher in die Kirche „St. Johann“ lockte.
Mit dem 15. Adventssingen endete nun auch die 39 Jahre dauernde Ära des Bergsteigerchores. Schweren Herzens haben sich die Sänger und ihre Chorleiterin Annerose Bindl dazu entschlossen, den Chor aufzulösen. „Alles im Leben hat seine Zeit“, sagt diese. Und die Zeit des Peißenberger Bergsteigerchores sei eben jetzt vorüber. Bindl hat den Bergsteigerchor von der ersten bis zur letzten Probe geleitet und immer viel Spaß dabei gehabt, berichtet die Peißenbergerin.
Ihr Lebensgefährte, Hans Fischer, hat die Geschichte des Bergsteigerchores für die letzte Edelweißfeier zusammengetragen: Bei einem gemeinsamen Skiurlaub, den der Alpenverein im Jahr 1985 in Cavalese in Italien angeboten hatte, habe alles angefangen. Der damalige Vorstand habe für einen Abend einen Männerchor aus Fleimstal eingeladen, der für die Gruppe aus Peißenberg gesungen habe. „Von dem Chor so begeistert, kam dann bei einem Glaserl Rotwein vom Kosler Sepp der Gedanke, dass wir doch in Peißenberg auch einen Männerchor aufziehen könnten“, schreibt Fischer.
Zunächst waren es zu wenige Sänger
Bindl, die damals seit Jahren den Volks-Chor leitete, habe mit am Tisch gesessen. Weil sie schon Erfahrung in der Leitung von Chören hatte, sei sie schnell zur Chorleiterin des neuen Männerchores auserkoren worden. „Sie ließ sich überzeugen und sagte in Weinlaune zu“, so Fischer.
Zurück in Peißenberg, begann gleich die Suche nach Sängern – zunächst mit mäßigem Erfolg: Lediglich sieben Männer zeigten Interesse. Für einen vierstimmigen Chor zu wenige. Nach einem Aufruf im „Weilheimer Tagblatt“ fanden sich im Frühjahr 1986 dann schließlich 14 Sänger und der Bergsteigerchor war gegründet.
„Ab da probten wir jeweils am Montag im AV-Heim. Annerose teilte die Stimmen ein und lehrte uns, die Noten zu verstehen“, schreibt Fischer. Mehr als 1000 Proben seien es im Laufe der Jahre geworden, in denen sich der Chor ein Repertoire von rund 120 Liedern – vor allem Volksweisen und Berglieder – und von vier Messen und rund 30 Weihnachtsliedern erarbeitete. Den ersten Auftritt bei der Edelweißfeier im „Gasthof zur Post“ bestritt der Bergsteigerchor 1986 mit vier Liedern. Die Besetzung des Bergsteigerchores wechselte immer wieder. Manche hörten auf, andere kamen neu hinzu. Aus den 14 Sängern wurden im Laufe der Zeit mehr. In den Hochzeiten hatte der Chor 24 Sänger, zum Schluss waren es noch 20 – „überwiegend die alte Stamm-Mannschaft“, schreibt Fischer.
Eine Konstante beim Bergsteigerchor war all die Jahre auch Annerose Bindl als Chorleiterin: „Sie war von Anfang an das Herzstück unseres Chores“, so Fischer. „Bei mir ist alles zusammengelaufen“, bestätigt Bindl: „Ich war der Motor und ich hatte das Sagen.“ Den Bergsteigerchor zu leiten, habe ihr viel Freude gemacht. Neben der Musik habe das gute Miteinander eine große Rolle gespielt. „Wir waren immer harmonisch, bei uns ist nie gestritten worden“, sagt Bindl. Dennoch sei es jetzt an der Zeit, aufzuhören.
„Alter, Stimme und Gehör“ seien die maßgeblichen Faktoren gewesen, die Zeit der Auftritte zu beenden, erläutert Bindl. Der älteste Sänger sei 89, der jüngste knapp 70 Jahre alt. Mit dem Alter verändere sich oft auch die Stimme, „da wird’s dann schwierig“, erläutert die Chorleiterin. In den vergangenen Jahren habe es so manchen Todesfall im Chor gegeben, dadurch seien tragende Stimmen weggefallen.
Beim Stammtisch wird auch gesungen
„Es ist zwar schade, aber es ist einfach so“, sagt Bindl. Damit die gute Gemeinschaft und die Freude am gemeinsamen Singen für die Mitglieder des Bergsteigerchores erhalten bleiben, treffen sie sich ab Februar ein Mal im Monat montags zum Stammtisch im AV-Heim, wo sie jahrelang geprobt haben. Dabei werde natürlich auch gesungen, sagt Bindl. Intern gehe das, aber: „Die Zeit der Auftritte, die ist gelaufen.“