Die Fakten am Morgen
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Es wird viel gejammert im Land. Noch mehr wird aber gezählt. Statistiken, wohin man schaut: Wählerwanderungen, Einschaltquoten, Prognosen … Und wie lange war der FC Bayern bis zur Herbstmeisterschaft pro Spiel im Schnitt in Ballbesitz? Wir ersticken in Zahlen. Dabei fielen mir 2025 elf auf, die sogar etwas verraten – wenngleich wenig Schmeichelhaftes fürs Land.
Sind Sie bereit? Nicht dass mir nachher Beschwerden kommen. Wir sind nämlich in ziemlich vielen Disziplinen Weltklasse – leider immer seltener in denen, die wirklich relevant sind. Der Kanzler macht da keine Ausnahme: 75 Prozent der Bundesbürger sind laut einer Forsa-Umfrage von Ende November unzufrieden mit der Arbeit von Friedrich Merz. Der Wert kratzt schon knapp am bisherigen Negativrekord (76 Prozent), den Merz-Vorgänger Olaf Scholz im Sommer 2024 erreichte, kurz bevor der Ampel-Koalition die Lichter ausgingen.
Erwartet werden knapp 24.000 Firmenpleiten
Das hat natürlich auch und vor allem mit der trostlosen Wirtschaft zu tun. Creditreform rechnet fürs alte Jahr mit 23.900 Firmenpleiten. Das sind acht Prozent mehr als 2024 und der höchste Wert seit über einem Jahrzehnt.
Fürs Gesamtjahr erwarten die meisten Wirtschaftsforscher nur noch 0,1 bis 0,2 Prozent Wachstum. Ehrlicherweise ist das nicht mal „Nullwachstum“, wie es Ökonomen euphemistisch nennen. Es ist eher Wachkoma. Und das nach bereits zwei Rezessionsjahren. Sicher hat derlei mit Trumps Zöllen zu tun, mit Putin, China und dem Konsumkater in Asien. Aber externe Faktoren können unsere makroökonomische Schwindsucht nicht allein erklären.
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Bildquelle: AI/FOCUS
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Vom Nachzügler zum Anwärter auf den KI-Thron: Ein ewiger Konkurrent greift gerade Nvidia an und hat laut Experten alles beisammen, um die Karten am KI-Tisch neu zu mischen. Die Aktie gehört für FOCUS MONEY zu den Favoriten für 2026.
Unsere Arbeitsproduktivität nimmt schon seit Jahren ab und stagniert seit 2020 quasi. Nullwachstum sozusagen. Vielleicht macht das depressiv? Wie sonst wäre zu erklären, dass wir weltweit inzwischen auch mit die höchsten Krankenstände haben, obwohl Bundesbürger ja eher selten in Kobaltminen oder maroden Pestizidfabriken malochen müssen, soweit ich informiert bin.
Neuer Rekord: 22 Tage ist jeder im Schnitt jährlich krank
Trotzdem melden sich erwerbstätige Bundesbürger mittlerweile 22 Tage pro Jahr krank. Im Schnitt. Eigentlich also einen ganzen Monat. Firmenchefs erzählen gern, dass eine wachsende Zahl ihrer Mitarbeiter obendrein auf geradezu magische Weise sehr oft an Freitagen oder montags ausfallen. Da scheinen die als Ausfallgrund besonders beliebten Atemwegserkrankungen auch am gefährlichsten zu sein.
Laut einer Auswertung von Daten des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen geht es seit etwa drei Jahren steil bergauf mit den Krankmeldungen. 2023 wurde übrigens die telefonische Krankschreibung möglich, die vorher nur während Corona erlaubt war. Digitalisierung kann manchmal auch ein Fluch sein.
So wundert es dann auch nicht, dass wir Deutschen im Schnitt nur noch 1349 Stunden pro Jahr arbeiten. Weit hinter vergleichbaren Nationen wie Frankreich (1490) oder Großbritannien (1500). Es ist also nicht so, dass nur Entwicklungsländer jobtechnischen Ehrgeiz entwickeln. Die Schweizer zum Beispiel ackern über einen Monat länger pro Jahr (1533) als wir, von den USA (1791) oder gar China (2397) gar nicht zu reden.
Bei den Urlaubstagen sind wir spitze
Wir arbeiten also weniger als die meisten anderen Länder der Welt, sind unproduktiver und melden uns öfter krank. Trotzdem zählen wir mit durchschnittlich rund 30 Tagen auch zu den globalen Urlaubs-Spitzenreitern.
Wie reagiert die Politik? Weil 2026 einige (der auch nicht wenigen) Feiertage auf Wochenenden fallen, fordern Grüne und Linke zurzeit, dass dafür Ausgleichstage geschaffen werden. „Wer über so etwas auch nur diskutiert, hat wirklich überhaupt keine Vorstellung mehr davon, was in diesem Land los ist.“ Das sagte mir der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel jüngst. Und der gilt nun nicht gerade als neoliberale Kettensäge.
Es ist nur so eine Ahnung: Aber vielleicht sollten wir doch endlich mal darüber nachdenken, was uns Begriffe wie Leistung, Fleiß und Wettbewerb überhaupt noch bedeuten. Oder noch besser: Wie wir sie mit neuer Kraft aufladen könnten. Aber würde das Land da überhaupt noch mitgehen?
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