Volle Transparenz vorweg: Wenn ich Lust auf Fleisch habe, esse ich Steak. Wenn mir der Sinn nach Gemüse steht, gibt es Brokkoli mit Butter, Muskat und Zitrone. Oder Pellkartoffeln mit Quark.
Noch nie habe ich eine Tofu-Wurst oder einen Veggie-Burger gekauft – nicht mal aus Neugier, um herauszufinden, ob der Ersatz-Mix aus Geschmacksverstärkern, Lebensmittelfarbe, sonstigen Pülverchen und Pflanzenbrei an die Originalwurst herankommt. Bei der man jedoch, das wusste schon Bismarck, besser auch nicht fragt, was im Detail so drin steckt.
Viele Konsumenten sehen das weniger dogmatisch. Deutschland ist der mit Abstand größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa, glaubt man der Branche. Tendenz: wachsend. Deshalb kämpfen – in bislang ungekannter Harmonie – Discountriesen, Umweltverbände und Ernährungslobby seit Wochen Seit an Seit gegen Brüssel.
Das Europaparlament hat nämlich beschlossen, dass Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ ausschließlich für Produkte tierischen Ursprungs verwendet werden dürfen. Für Joghurt, Käse und Milch gilt das bereits. Bei Fleischersatz aber fürchtet die Industrie nun Millionenkosten fürs Umetikettieren von Soja-Schnitzel & Co.
Der Feldzug geht auf französische Abgeordnete der konservativen EVP-Fraktion zurück, die die europäische (also in erster Linie französische) Landwirtschaft und den Verbraucherschutz stärken wollen. Damit das Verbot in Kraft tritt, fehlt noch die Zustimmung der EU-Staaten.
Ehekrisen in Frankreich
Im Bundestag ist die AfD die einzige Partei, die die Pläne gutheißt. Alle anderen, inklusive Agrarminister Alois Rainer (CSU), sind dagegen. Doch Deutschland könnte überstimmt werden. Am Mittwoch wurde die Entscheidung aber erstmal vertagt, Mitgliedstaaten und Europaparlament konnten sich nicht auf neue Vorgaben einigen.
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Natürlich ist nicht auszuschließen, dass versehentlich gekaufte Tofu-Würste in Frankreich bereits Ehekrisen ausgelöst haben. Andererseits glaubt dort auch niemand, mit einem Tête de Moine einen Mönchskopf zu essen. Auch englische ladyfingers (Löffelbiskuit) sind nicht kannibalistisch. Und mit einem Petit Suisse verspeist man keinen „kleinen Schweizer“.
Buffalo wings stammen nicht vom fliegenden Büffel, der Falsche Hase besaß nie ein Fell und ein Halver Hahn hat nie gekräht. Nicht mal auf Kölsch. Und wo bleibt eigentlich das Verbot des komplett irreführenden Begriffs Leberkäse?
Gibt es nichts Wichtigeres?
Mit anderen Worten: Ein Land, das für Brötchen mindestens fünf weitere Namen kennt und zwischendurch Himmel und Ääd, Arme Ritter, Tote Omas, Stramme Maxe und sogar Nonnenfürzchen verspeist, sollte keine Angst haben, dass jemand am Kühlregal Wiener und Veggie-Schnitzel verwechselt.
Und für Brüssel gilt leider mal wieder: Gibt es wirklich nichts Wichtigeres? Oder übersehe ich da etwas? Schreiben Sie mir an: feedback@focus-magazin.de.
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