Sie wollen weniger Stress in 2026? Dafür müssen Sie ihn neu verstehen

Alle Jahre wieder: Immer zum Jahreswechsel fassen Millionen Menschen denselben Entschluss: weniger Stress, mehr Gelassenheit, endlich wieder durchatmen. Und jedes Jahr scheitern die meisten kläglich daran. Der Termindruck bleibt, die innere Unruhe wächst – und der gute Vorsatz verschwindet stillschweigend aus dem Alltag (gefolgt von den üblichen Selbstvorwürfen).

Das liegt nicht an mangelnder Disziplin. Es liegt daran, dass wir Stress falsch verstehen.

Weniger Stress – darum scheitern gute Vorsätze an der Realität

In Gesprächen mit Führungskräften, Unternehmern und leitenden Angestellten begegnet mir dieses Muster immer wieder: Da ist der Vertriebsleiter, der sich fest vornimmt, abends abzuschalten – und trotzdem bis spät in die Nacht E-Mails beantwortet. Oder die Managerin, die "mehr auf sich achten" möchte, aber zwischen Verantwortung, Familie und Terminen keinen klaren Ansatz findet.

  • schlechter Schlaf,
  • sinkende Konzentration,
  • gereizte Kommunikation
  • und das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen. 

Besonders problematisch ist dabei eines: Vor allem Leistungsträger interpretieren ihren Stress häufig als persönliches Versagen. Als fehlende Belastbarkeit. Als Schwäche.

Genau das ist ein gefährlicher Irrtum.

Dirk Schmidt, bekannt durch TV-Auftritte und gefragt als Coach, ist Autor und Motivationstrainer. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Was die Wissenschaft über Stress wirklich sagt

Eine Studie der Stanford University kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: 

Nicht Stress an sich erhöht das Risiko für Erschöpfung und gesundheitliche Probleme – sondern die Überzeugung, dem Stress hilflos ausgeliefert zu sein.

Menschen, die Stress ausschließlich als Bedrohung wahrnehmen, zeigen deutlich höhere Belastungswerte als jene, die ihn als steuerbar einschätzen. Anders gesagt: Stress wird nicht durch äußere Umstände krank machend, sondern durch die innere Haltung ihm gegenüber.

Stress ist also kein Gegner.

Er wird es erst durch den falschen Umgang mit ihm.

Warum "weniger Stress" die falsche Zielsetzung ist

Immer noch setzen sich viele für 2026 das Ziel, Stress zu reduzieren. Doch das Leben wird nicht langsamer. Verantwortung nimmt nicht ab. Anforderungen verschwinden nicht einfach.

Entscheidend ist daher ein Perspektivwechsel:

Nicht weniger Stress als Ziel – sondern mehr Stresskompetenz.

Ich erinnere mich an den Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit rund 250 Mitarbeitenden. Sein größter Stressfaktor war weniger die Arbeitsmenge als die permanente Gleichzeitigkeit: 

  1. Umsatzverantwortung
  2. Personalmangel in Schlüsselpositionen
  3. ständige Erreichbarkeit für Kunden, Gesellschafter und Führungsteam

Der innere Druck entstand vor allem durch das Gefühl, nie wirklich abschalten zu dürfen, sondern jederzeit reagieren zu müssen. Der Wendepunkt kam nicht durch mehr Freizeit, sondern durch gezielte mentale Selbstführung im Alltag – klare Priorisierung unter Druck und bewusste Unterbrechungen des Reaktionsmodus.

Zwei Methoden helfen Ihnen dabei, entspannter zu werden

Zwei Prinzipien haben dabei den Unterschied gemacht:

  1. Stress bewusst wahrnehmen statt verdrängen

Stress entsteht nicht erst durch Termine oder Druck, sondern durch die innere Reaktion darauf. In belastenden Momenten läuft bei vielen ein unbewusster innerer Monolog ab: "Das ist zu viel. Ich verliere die Kontrolle." Der Körper reagiert sofort mit erhöhter Alarmbereitschaft.

Stress bewusst wahrzunehmen bedeutet, diesen Automatismus zu unterbrechen. Ein kurzer innerer Satz wie: "Ich stehe gerade unter Druck – das ist Stress" wirkt banal, hat aber eine klare Funktion. Das bewusste Benennen der eigenen Stressreaktion signalisiert dem Gehirn Kontrolle statt Hilflosigkeit. Die körperliche Stressreaktion kann sich dadurch messbar reduzieren.

Nicht der Stress verschwindet – sondern der innere Kampf gegen ihn.

  • Mikro-Pausen im Alltag – nicht als Ersatz, sondern als System

  • Urlaub erholt. Er verändert jedoch selten den Umgang mit Stress im Alltag. Genau deshalb fühlen sich viele Menschen wenige Tage nach der Rückkehr wieder genauso belastet wie zuvor.

    Kurze Mikro-Pausen von ein bis zwei Minuten können eine nachhaltige Wirkung entfalten – wenn sie regelmäßig und bewusst in den Arbeitsalltag integriert werden. Nicht die einzelne Pause wirkt, sondern ihre Wiederholung. Sie schafft eine Form aktiver Selbststeuerung unter Druck.

    Der eigentliche Engpass liegt dabei nicht im Wissen, sondern im Etablieren dieser Routinen. Deshalb arbeiten viele erfolgreiche Führungskräfte gezielt an genau diesem Punkt – oft mit professionellen Coaches. Nicht aus Schwäche, sondern aus dem Anspruch heraus, auch unter Belastung handlungsfähig zu bleiben.

    Große Auszeiten entlasten.

    Kleine, etablierte Routinen stabilisieren.

    Was 2026 wirklich entspannter macht

    2026 wird nicht entspannter, weil das Leben leichter wird. Es wird entspannter, wenn Menschen lernen, mit Druck souveräner umzugehen.

    Stressfreiheit ist eine Illusion. Stresskompetenz ist trainierbar.

    Vielleicht ist genau das der entscheidende Vorsatz für das neue Jahr: nicht "weniger Stress" zu haben – sondern mental souveräner zu werden und seine Resilienz zu erhöhen. Denn am Ende entscheidet nicht allein die Belastung über unser Stresslevel, sondern die Haltung, mit der wir ihr begegnen.