Warum der Westen krank wird – und was Sie selbst tun können

Übergewicht, chronische Erschöpfung, ständiger Heißhunger – und irgendwann die Diagnose Diabetes Typ 2. Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Wahrheit ist: Die meisten Menschen mit Prädiabetes wissen gar nicht, dass sie krank sind. Und genau das ist das Gefährliche. In diesem Beitrag zeige ich, wie Sie Insulinresistenz frühzeitig erkennen, wie Sie gegensteuern – und warum unsere moderne Lebensweise genau das Gegenteil von artgerecht ist.

Dr. Stefan Waller ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er bietet ein Online-Coaching für herzkranke Patienten an und informiert wöchentlich über Neuigkeiten in der Kardiologie. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Steigende Zahlen und Ursachen

Weltweit sind über 1 Milliarde Menschen übergewichtig, und mehr als 530 Millionen leben bereits mit Typ-2-Diabetes. Die Tendenz zeigt klar nach oben – und das immer früher im Leben. Ein zentraler Grund dafür ist unser westlicher Lebensstil mit ultraverarbeiteter, zucker- und fettreicher Kost, kombiniert mit viel zu wenig Bewegung. Chronischer Stress, Schlafmangel und die ständige Verfügbarkeit von Essen spielen ebenfalls eine große Rolle. Wir haben uns von einer ursprünglichen, artgerechten Lebensweise weit entfernt.

Warum die Medizin oft zu spät reagiert

Ein großes Problem in der Gesundheitsversorgung ist der reaktive Ansatz. Diabetes wird häufig erst erkannt, wenn bereits Gefäße, Nerven oder Organe geschädigt sind. Dabei könnten wir Jahre vorher eingreifen und gegensteuern. Je eher man eine aufkommende Insulinresistenz erkennt, desto besser stehen die Chancen, lange gesund zu bleiben.

So funktioniert Insulinresistenz

Insulin wirkt wie ein Schlüssel, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen. Bei Insulinresistenz klemmt dieses Schloss: Der Zucker bleibt länger im Blut, und die Bauchspeicheldrüse produziert immer mehr Insulin. Irgendwann ist sie überfordert oder erschöpft, und der Blutzucker steigt chronisch an.

Frühe Warnsignale und Laborwerte

Zu den Frühsymptomen zählen häufiges Verlangen nach Süßem, ein deutlicher Leistungsabfall nach dem Essen und Gewichtszunahme, obwohl scheinbar „normal“ gegessen wird. Auch Bluthochdruck, erhöhte Triglyceride, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen können erste Warnzeichen sein.

Regelmäßige Kontrollwerte sind besonders ab 40 Jahren oder bei bestehendem Übergewicht sinnvoll. Wichtige Messpunkte sind die Nüchtern-Glukose (Ziel: unter 100 mg/dl), der HbA1c-Wert (Ziel: unter 5,7 %, Prädiabetes zwischen 5,7 % und 6,4 %), das Nüchtern-Insulin (früh erhöht bei Insulinresistenz) und der HOMA-Index, der sich aus Insulin und Glukose berechnet (Ziel: unter 2). Ebenso relevant sind Triglyceride (Ziel: unter 150 mg/dl) und der Taillenumfang (Ziel: unter 94 cm für Männer und unter 80 cm für Frauen).

Das Fundament: Ernährung, Bewegung und Stressreduktion

Im Mittelpunkt steht eine bewusste Ernährung ohne Fertigprodukte und ohne zugesetzten Zucker. Viel Gemüse, ausreichend Eiweiß und gesunde Fette versorgen den Körper optimal. Essenspausen, zum Beispiel in Form von Intervallfasten, entlasten den Stoffwechsel.

Regelmäßige Bewegung ist ein weiterer zentraler Baustein: Zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining und moderates Ausdauertraining wie zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren steigern die Insulinempfindlichkeit. Ein tägliches Schrittziel von mehr als 7.500 Schritten hilft ebenfalls, den Körper in Schwung zu halten. Zusätzlich unterstützen Stressreduktion und eine gute Schlafhygiene die Regulation des Blutzuckerspiegels.

Medikamente als Katalysatoren – und der Weckruf

Medikamente wie Metformin sind seit Langem bekannt, kostengünstig und verbessern die Insulinempfindlichkeit bei geringen Nebenwirkungen. Besonders im Anfangsstadium eines Prädiabetes kann Metformin ein sinnvoller Einstieg sein. Daneben gibt es sogenannte Inkretin-Mimetika (GLP-1-Agonisten) wie Semaglutid oder Tirzepatid. Sie fördern den Gewichtsverlust, verbessern den HbA1c-Wert und senken das kardiovaskuläre Risiko, wie unter anderem die SELECT-Studie zeigt.

Allerdings sollten Medikamente immer in einen ganzheitlichen Ansatz integriert werden – sie sind ein Katalysator, kein Ersatz für Ihre Eigenverantwortung. „Insulinresistenz ist kein Schicksal. Es ist ein Weckruf – und du hast die Wahl, ihn zu ignorieren oder zu nutzen. Fang an, Verantwortung für deinen Körper zu übernehmen, bevor aus Prädiabetes ein lebenslanger Kampf wird.“ Und denken Sie daran: Wahre Führung beginnt mit dem eigenen Herzen. 
Weitere fundierte Hinweise zur Blutzuckerregulation und Herzgesundheit finden Sie hier.

  • Stefan Waller

    Bildquelle: Stefan Waller

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