Ministerin Bas ist die Mutter der modischen Verwahrlosung

Montag

Es ist offenbar Zeit, über Dresscode zu reden. Die SPD-Chefin Bärbel Bas, die sich gerne proletarisch anbiedert, hat das Thema in die Welt gesetzt. Nach ihrem Auftritt bei einem Arbeitgeberverband berichtete sie ihren Juso-Genossen, sie habe im Publikum etliche Herren "in Maßanzügen" entdeckt. 

Diesen Makel hat sie offenbar mit Kennerblick analysiert im Vergleich zu den übrigen Teilnehmern, die Anzüge von der Stange trugen. Anstatt sich als Arbeitsministerin zu freuen, dass das ehrbare Schneiderhandwerk noch Kunden hat, giftete sie klassenkämpferisch gegen Unternehmer, die gerne gut gekleidet außer Haus gehen.

Dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Gerhard Schröder wäre so ein Fauxpas nicht unterlaufen. Der achtete auf Stil und genoss seine Brioni-Anzüge.

Lars Klingbeil in Peking: unrasiert auf Staatsbesuch

Ihm hätte auch der Auftritt des Vizekanzlers Lars Klingbeil in Peking nicht gefallen. Offenbar unter dem Einfluss des Geschmacks von Bärbel Bas betrat er das Land in verwahrlosten Zustand.

Unrasiert, schlecht gekämmt, ohne Krawatte und in einer offenen Windjacke trat er dem Empfangskomitee gegenüber. So etwas hätten sich Helmut Kohl, Angela Merkel, Gerhard Schröder und Olaf Scholz nicht erlaubt. Das Staatsflugzeug "Bundesrepublik Deutschland" bietet seinen Spitzenpassagieren ausreichend Komfort. Der Direktflug von Berlin nach Peking dauert um die zehn Stunden.

Helmut Markwort
Helmut Markwort FOCUS

Die meiste Zeit können die Politiker schlafen oder entspannen. Helmut Kohl hatte immer seine Strickjacke dabei, wenn wir in entfernte Kontinente flogen. Aber rechtzeitig vor der Landung duschte und rasierte er sich und zog einen dunklen Anzug an.

Er wollte sein Land ordentlich repräsentieren und den Gastgebern Respekt erweisen. Der derzeitige Vizekanzler hat solche Manieren offenbar nie gelernt und auch an keinem Fortbildungskurs für Diplomaten teilgenommen.

Leider pflanzt sich die Verwahrlosung von oben nach unten durch.

Bärbel Bas würde vielleicht der Besuch einer Premiere in den Münchner Kammerspielen gefallen. Dort erscheinen Zuschauer, als gingen sie auf einen Campingplatz.

Dienstag

Ein Großer hat sich verabschiedet. Ein ganz Großer. Thomas Gottschalk hat sein Publikum verlassen, weil er spürte, dass er die Spontanität verloren hatte, die sein Wesenselement war. Schwere Schmerzmittel, die er gegen eine komplizierte Krebserkrankung nehmen muss, dämpften seine gute Laune.

RTL hat ihm einen guten Abgang inszeniert. Er ging zu Beginn der Show, als noch viele Zuschauer eingeschaltet hatten, und musste nicht bis Mitternacht warten. Da wäre die Einschaltquote geschrumpft und vermutlich auch die Widerstandskraft gegen die Krankheit. Was bleibt, ist die Erinnerung an den besten und vielseitigsten Unterhalter, den Deutschland in den vergangenen fünfzig Jahren erlebt hat.

Thomas Gottschalk bei seinem Abschied
Thomas Gottschalk bei seinem Abschied RTL / Julia Feldhagen

Der gescheite Harald Schmidt hat ihn zutreffend charakterisiert. Er sagte: "Thomas Gottschalk hat das Frechsein im Fernsehen erfunden." Im Radio fing es an: Thomas Gottschalk war so frech, frisch und frei, dass ihn bald auch das Fernsehen umgarnte. Im Lauf seines Lebens moderierte er für alle. 

Besonders erfolgreich für das ZDF, aber auch für ARD, RTL und kleinere Privatsender. Seine freche Schnauze war dem gläubigen Katholiken von Gott gegeben, um seine extravaganten Anzüge und um seine ewig blonden Locken kümmerte er sich mit der Sorgfalt eines Ziergärtners.

Manche, die ihm jetzt wegen einiger Ausrutscher hämisch hinterherrufen, haben ein schlechtes Gedächtnis, vor allem aber keinen Respekt vor der Lebensleistung eines heiteren Künstlers.

FOCUS-Gründungschefredakteur Helmut Markwort war von 2018 bis 2023 FDP-Abgeordneter im Bayerischen Landtag.