Der Blick geht am Objektiv vorbei, kein Lachen. Die Hände in der Hosentasche. Robert Habeck trägt eine Regenjacke mit Kapuze statt des weißen Hemds mit Kragen und Sakko. Hinter Habeck der Filmemacher Lars Jessen, lässig mit Bart und Cappy.
Außerdem ein Steg am Meer, der Horizont verschwimmt. So stehen sie beide da, auf dem Cover des Dokumentarfilms „Jetzt. Wohin. Meine Reise mit Robert Habeck“. Die Konstellation erinnert an die Sehnsuchtsmotive des Malers Caspar David Friedrich.
Seit dem 7. Dezember läuft der Film in den Kinos und greift mit dem Titel „Jetzt. Wohin.“ ein Gedicht von Heinrich Heine auf. Macher der Dokumentation ist Jessen, der Habeck bei der Wahlkampagne 2024 und 2025 begleitet hat – bis zu seinem Abschied nach den schlechten Wahlergebnissen, wie etwa die „Welt“ schreibt.
Jessen war nicht nur Wahlkampfberater des ehemaligen Grünen-Spitzenkandidaten und Ex-Wirtschaftsministers. Medienberichten zufolge ist er auch ein Freund von Habeck.
Vorwurf mangelnder Distanz – Kritiker sehen Schönfärberei
Das wird in vielen Filmkritiken verurteilt. So löse sich die nötige Distanz zwischen Regisseur und Protagonist durch ihre Beziehung auf, schreibt der „Bayerische Rundfunk“ (BR).
Statt eines kritischen Blicks wird Habeck als vorrangig positive Figur dargestellt. Nicht nur vom Freund, dem Filmemacher, sondern auch durch eingebettete Interviews. Laut der „taz“ kommen Kritiker nicht zu Wort.
Zudem tritt der Filmemacher selbst vor die Kamera, inszeniert sich und spricht von seinen eigenen Erfahrungen, Eindrücken und Einflüssen, wie der „Stern“ schreibt. Das Stück entwickele sich zu einem Selbstporträt Jessens. Eine neutrale und objektive Analyse bleibe aus. Laut „taz“ wird versucht, dem Menschen Habeck nahe zu kommen, statt politische Inhalte zu einem Thema zu machen.
Konkret heißt es in der Rezension: "An vielen Stellen werden Habecks Entscheidungen und Handlungen als Minister und im Wahlkampf verteidigt, selten aber kritisch beleuchtet. Die Perspektive des Freundes prägt den Film."
Austauschbare Szenen – Fehlender roter Faden sorgt für Kritik
In der Dokumentation wurden neben Küchentischgesprächen vor allem Reden aus Wahlkämpfen, Talkshows und Social-Media-Kampagnen zusammengeschnitten, wie „BR“ und „Welt“ berichten. Der Film fängt aber auch Habecks Enttäuschung über die Bundestagswahl ein – wie sie bisher in der Öffentlichkeit nicht zu sehen war.
Das sei jedoch nur eine von wenigen emotionalen Szenen des Films gewesen, die herausstechen würden. Die Rezensenten von „Stern“ und „Welt“ sind sich einig: Der rote Faden fehlt. Was als Heldengeschichte beginnt, endet mit einer Analyse des Scheiterns. Und auch bei der Länge sind die Medien derselben Meinung: 90 Minuten würden sich anfühlen wie eine Ewigkeit.
Öffentliche Förderung – Trotz Kritik flossen hohe Gelder
Auch wenn vorab kritisiert wurde, dass der Regisseur der Dokumentation zugleich ein Freund Habecks ist, erhielt die Produktion öffentliche Gelder. Mit 270.000 Euro wurde der Film gefördert.
Laut Medienberichten kamen private Investitionen hinzu. Nach eigenen Angaben waren etwa die „Deutscher Filmförderfonds der BKM“, „Filmförderungsanstalt“, „Film- und Medienstiftung NRW“ und „Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“ beteiligt.
Seit dem 7. Dezember läuft der Dokumentarfilm in mehr als 80 ausgewählten Kinos in Deutschland. Laut Pressemitteilung vom 8. Dezember ist die Dokumentation mit dem offiziellen Filmstart auf Platz 12 der Kinocharts gelandet. Insgesamt wurden dabei mehr als 10.000 Tickets verkauft und 143.000 Euro eingespielt.
Zuvor waren alle Tickets für die Premiere am 5. Dezember im Berliner Delphi Filmpalast ausverkauft. Im Vergleich: Die Dokumentation „Petra Kelly – Act Now!“ wurde von mehr als über 30.000 Menschen im Kino besucht, wie die „Film- und Medienstiftung NRW“ berichtet.