Söder wird als Parteichef wiedergewählt - kassiert aber persönliche Klatsche

Markus Söder ist wiedergewählt. Hatte er beim letzten Parteitag noch ein Rekordergebnis von 96,6 Prozent geholt, waren es diesmal nur 83,6 Prozent - sogar weniger als bei seiner ersten Wahl zum Parteivorsitzenden.

Theo Waigel sah Söders Ergebnis gegenüber FOCUS online nicht allzu dramatisch: „Ich war als Parteivorsitzender mit 85 Prozent auch zufrieden.“

Parteivolk strafte Söders Rolle als "Strahlemann" ab

Ein prominentes CSU-Mitglied, das nicht genannt werden möchte, hält das Wahlergebnis von Söder für eine Warnung des Parteivolkes. Gegenüber FOCUS online sagt er, die "Unzufriedenheit der Menschen mit dem Auftritt der Bundesregierung" sei eine wichtige Komponente.

Zugleich aber sei es eine Warnung an Markus Söder, nicht mehr nur als "Strahlemann" aufzutreten, der alles in schönsten Farben beschreibe, obwohl die Politik derart "zäh, so schwierig und gar nicht strahlend" auftrete.

Markus Söder hatte zu Beginn des Parteitags gesagt,  keine „Bierzeltrede“ halten zu wollen wie früher üblich, sondern den Menschen zu sagen, woran sie bei der CSU sind. Dabei aber haute er kräftig auf den Putz: „Wir haben alles durchgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, ob in Berlin oder München“, rief Söder.

Söder verrät erstmals das Geheimnis eines Fotos im Koalitionsausschuss

Dabei zählte er die Mütterrente, den Stopp für das Verbrenner-Aus, die Wiederförderung des Agrardiesels und die Steuerentlastung für Gastronomen auf. Und er offenbart erstmals ein Geheimnis.

Das Foto, das ihn beim wütenden Gestikulieren im Kanzleramt beim nächtlichen Koalitionsausschuss zeigte habe ein Thema gehabt: "Es ging ums Auto." Am Ende habe man das Aus für das Verbrenner-Aus beschlossen. Wer dem Ministerpräsidenten zuhört, könnte glatt glauben, dass das Schicksal Deutschlands allein in bayerischen Händen liegt.

So sei Bayern die siebtgrößte Volkswirtschaft in der EU. Er werde manchmal von Journalisten gefragt, ob Bayern nicht auch selbständig werden könne: „Wir könnten ohne Deutschland. Aber Deutschland ohne Bayern wäre restlos hilflos und pleite“, ruft Söder.

„Für das Geld hätten wir der gesamten Weltbevölkerung eine Maß Bier ausgeben können“

Ernstmachen will er nun bei einem Reizthema, dass schon so manchen CSU-Parteitag aufgebracht hat: die Milliardenzahlungen Bayerns in den Länderfinanzausgleich. 134 Milliarden seien das mittlerweile, rechnet Söder vor und droht mit dem Ausstieg Bayerns.

Andere Länder leisteten sich davon Dinge, die "wir uns nicht leisten" könnten, so Söder: „Berlin hat 25 Staatssekretäre und leistet sich genderneutrale Toiletten, die wir aber gar nicht wollen.“ Länder wie Berlin hätten noch nie in den Länderfinanzausgleich eingezahlt.

Länderfinanzausgleich ist "Transfer-Verwahrlosung"

"Wenn das so weitergeht, werden wir aussteigen.“ Das ist "Transferverwahrlosung.“  „Das kann nicht sein, dass wir den Rest der Republik finanzieren“, kündigt Markus Söder an.

Am Ende seiner langen Rede erntet Markus Söder lange stehende Ovationen - offenbar auch von vielen, die ihn am Ende nicht wählten.