Die Stadt hängt sich rein: Was Moosburg alles für Klimaneutralität tut – und wo Bürger profitieren

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Photovoltaikanlagen auf den Dächern sind nur ein Baustein von vielen, mit denen die Stadt Moosburg klimaneutral bis 2035 werden möchte. (Symbolbild) © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Moosburg klimaneutral bis 2035? Ein Bericht für die Bürger zeigt jetzt: Die Stadt meint ihr Ziel ernst. Aber einfach ist es nicht.

Moosburg – Man schrieb das Jahr 2007, als Moosburgs Stadträte beschlossen: 2035 soll die in der Stadt verbrauchte Energie in allen Sektoren vollständig aus erneuerbaren Energien stammen. Inzwischen treibt das Thema im Rathaus sogar eine eigene Klimaschutzmanagerin voran. Knapp zehn Jahre nach ihrer Einstellung hat Melanie Falkenstein nun in der jüngsten Bürgerversammlung einen umfassenden Zwischenbericht abgelegt und gezeigt, wie weit die Stadt zehn Jahre vor Ablauf der selbst gesetzten Frist gekommen ist.

Gebäude als Hebel

Zu Beginn richtete Falkenstein den Blick auf den Wohn- und Gebäudesektor. Seit dem Neubaugebiet „Amperauen“, in dem schon in den Kaufverträgen der Einsatz von Kohle, Erdöl oder Gas zur Wärme- und Warmwassergewinnung verboten wurde, hat man allen weiteren Neubaugebieten diese und andere strenge Vorgaben gemacht. Beim Thema Heizen wurden städtische Gebäude wie das Schulzentrum Nord, der Kindergarten an der Banatstraße oder Bauhof und Stadtgärtnerei an ein klimaneutrales Wärmenetz angeschlossen. Sie dienen als Ankerpunkte. Weitere Umrüstungen sind etwa im Feuerwehrhaus oder im Aicher Kindergarten geplant.

Klimaschutzmanagerin Melanie Falkenstein in der Bürgerversammlung in Moosburg
Legte einen umfassenden Bericht ab: Klimaschutzmanagerin Melanie Falkenstein in der Bürgerversammlung. © Forster

Parallel werden inzwischen auf 14 kommunalen Bauten PV-Anlagen von der Stadt betrieben, was dem Strombedarf von zirka 200 Haushalten entspricht. Weitere Anlagen sind in Planung. Dazu kommen fremdbetriebene PV-Module auf sechs öffentlichen Gebäuden wie Bahnhof-Parkhaus oder Eisstadion. Die Umstellung auf LED-Beleuchtung an Straßen und in städtischen Gebäuden hat bislang knapp 4000 Tonnen CO₂ eingespart, berichtete Falkenstein.

Mobilität im Wandel

Damit die Moosburger möglichst wenig Auto fahren, wurden der Öffentliche Personennah- und Fahrradverkehr ausgebaut und attraktiver gestaltet. Ein Erfolgsmodell ist seit diesem Jahr der Flex-Bus, der Fahrten innerhalb von 15 bis 30 Minuten ermöglicht und über die MVV-App oder telefonisch buchbar ist. Die Busse fahren nicht nur in der Stadt, sondern auch nach Degernpoint, zum Aquapark, zu den Badebetrieben und in alle Ortsteile – und werden sehr gut angenommen. Das Beste für Moosburg ist aber: Der vierjährige Testlauf wird vom Landkreis bezahlt.

Damit auch Fahrradfahren mehr Freude bereitet, hat die Stadt Schutzstreifen auf Straßen malen lassen und diverse Fahrradstraßen ausgewiesen. In zentraler Lage ist so eine rund 122.000 Quadratmeter große Fahrradzone entstanden. Dank weiterer Bausteine wie über 1000 Radstellplätzen oder einer Servicestation mit Luftpumpe und Werkzeug am Viehmarktplatz darf man sich als „Fahrradfreundliche Kommune“ betiteln. Dass das freie Lastenrad, das Bürger völlig kostenlos inzwischen auch per App buchen können, ein Renner ist, darüber hat unsere Zeitung erst kürzlich berichtet. Inzwischen wurden hier von Stadträten noch weitere Exemplare beantragt.

Damit Bürger, wenn denn schon mit dem Auto, emissionsfrei fahren können, stehen inzwischen E-Ladesäulen am Viehmarktplatz, der Leinbergerstraße, am Stadion sowie an der alten Polizei bereit, teils mit Schnellladefunktion. Weitere Säulen sollen am Mühlbachbogen, am Hallenbad und in der Buchenlandstraße entstehen.

Zuschuss und Beratung

Von den insgesamt acht kommunalen Förderprogrammen, die etwa Solarthermie, Lastenräder oder Regenwassernutzungsanlagen bezuschussten, existiere nur noch eines, bedauerte Melanie Falkenstein: „Lediglich der Förderpunkt ,Balkonmodule‘ bleibt mit Änderungen in 2025 noch bestehen.“ Für ein Steckersolargerät in Kombination mit einem Batteriespeicher gibt es derzeit eine Förderung von 100 Euro. Grund für die Einsparungen ist die kritische Haushaltslage. Einen Trost sah Falkenstein in insgesamt 815 bewilligten Anträgen und fast 400.000 Euro an ausgeschüttetem Fördergeld.

In Kooperation mit dem VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. gibt es jeden dritten Dienstag im Monat eine kostenlose stationäre Energieberatung. Für die Termine in der Vhs ist eine Anmeldung (08761/684-54 oder 0800/809 802 400) nötig, informierte Falkenstein. Die Themenbreite reicht von Energiesparen, Heizen/Lüften/Schimmel oder Erneuerbaren Energien bis zu Dämmung, Hitzeschutz oder Fördermittel. Ein digitales Werkzeug zur gratis Überprüfung der Eignung eines Daches für Solarthermie oder Photovoltaik finden Bürger im Solarpotenzialkataster des Landkreises auf solare-stadt.de/kreis-freising. Dort werden die eigene Adresse gebäudescharf analysiert, das Potenzial direkt online berechnet und Handwerker aufgelistet. Wer sich für das Thema Wärmepumpen interessiert, dem legte Falkenstein schon einmal einen speziellen Infotag mit hochkarätigen Experten am 4. Februar 2026 ab 18 Uhr in der Stadthalle ans Herz.

Aktionen und Bildung

Mit einem ganzen Bündel an wiederkehrenden Veranstaltungen, Aktionen und Bildungsprojekten hat die Stadt in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, ihren Bürgern einen klimafreundlicheren Alltag schmackhaft zu machen. Falkenstein zählte etwa das Stadtradeln, die Energiekonferenz oder Maßnahmen rund um die erfolgreiche Zertifizierung zur „Fairtrade-Stadt“ auf. Dass schon die Jüngsten ein klimapositives Bewusstsein erlangen, dafür sorgen etwa die Schulweg-Aktion „Geht doch!“, die Energiewerkstatt für alle dritten Klassen und weitere Initiativen.

Der Ausblick

Dass die Klimaschutzmanagerin weiterhin gut zu tun haben wird, zeigen die Themen Windkraftanlage, Großbatteriespeicher und Geothermie, denen sich die Stadt laut Melanie Falkenstein widmen will.

Gut zu wissen

Weitere Informationen zu den Klimaschutzbemühungen der Stadt Moosburg sowie dem Angebot für ihre Bürger finden sich auf der Homepage der Kommune.