Sperrung der Bahnstrecke: Veranstalter befürchten keinen Besucherschwund beim Rottacher Seefest

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Auto statt Bahn: Die meisten Besucher des Rottacher Seefestes kommen mit dem Pkw. Die Sperrung der Bahnstrecke bereitet den Veranstaltern daher wenig Sorge. © Thomas Plettenberg

In wenigen Tagen steigt in Rottach-Egern das erste Seefest der Saison. Die Anfahrt für auswärtige Gäste könnte sich heuer schwieriger gestalten als sonst: Sowohl bei der Bahn als auch auf der Straße gibt es Sperrungen.

Rottach-Egern/Bad Wiessee - Bahnreisende zwischen München-Giesing und Holzkirchen brauchen derzeit gute Nerven. Wegen Weichenschäden ist die Strecke gesperrt, erst ab dem 17. Juli fahren wieder alle Züge regulär, wie die Deutsche Bahn am Donnerstag mitteilte. Bis dahin müssen die Fahrgäste auf den Schienenersatzverkehr (SEV) ausweichen. Für das Tegernseer Tal kommt die Sperrung zur Unzeit, fällt sie doch mitten in die Urlaubs- und Festerl-Saison. Fürs erste Seefest am Dienstag, 8. Juli, in Rottach-Egern befürchten die Veranstalter dennoch keinen Besucherschwund.

Nur wenige Besucher des Rottacher Seefestes kommen mit der Bahn

„Die Erfahrung zeigt, dass die Besucher des Rottacher Seefestes nicht vorwiegend mit der Bahn anreisen“, sagt Peter Rie, der bei der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) zuständig ist für die Seefeste. Stattdessen kämen die meisten Gäste von auswärts mit dem Auto. Laut Rie hat das mehrere Gründe: Zum einen fährt der letzte reguläre Zug von Tegernsee nach München bereits um 22.52 Uhr, wodurch man das Feuerwerk versäumt, zum anderen stünden in Rottach-Egern – anders als etwa in Tegernsee – ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Dass am Dienstag kein Zug ins Tal fährt, sehe man daher nicht als dramatisch an, sagt Rie.

Gerhard Hofmann, Geschäftsleiter der Gemeinde Rottach-Egern, bestätigt diese Einschätzung. Im vergangenen Jahr habe das Seefest bei Top-Wetter einen regelrechten Besucheransturm erlebt, dennoch sei es zu keinerlei Engpässen bei der Abfahrt am Tegernseer Bahnhof gekommen, berichtet Hofmann.

Nächtliche Sperrung der B 318 könnte zum Problem werden

Etwas mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm da eine andere Sperrung: Ausgerechnet in der Seefest-Woche ist nämlich auch eine nächtliche Vollsperrung der B 318 südlich von Warngau geplant, eine wichtige Verbindung ins Tegernseer Tal. Wie berichtet, wird die Bundesstraße wegen der laufenden Baustelle fünf Nächte lang jeweils von 19 bis 6 Uhr dicht gemacht. Ob das so manchen Seefest-Freund von einer Fahrt an den Tegernsee abhält, bleibe abzuwarten, meint Hofmann. „Ich kann das schwer einschätzen.“

Shuttle-Angebot innerhalb des Tals weiter ausgebaut

Gut funktionieren sollte nach den Worten Ries der Shuttle innerhalb des Tegernseer Tals. Sowohl der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) mit seinen Bussen als auch die Tegernsee Schifffahrt unterstützten das Verkehrskonzept nach Kräften. So können am Tag des Seefestes sowohl die Ringlinien des RVO als auch die Schiffe der Südlichen Rundfahrt kostenlos genutzt werden. Zusätzlich verkehrt – ebenfalls kostenfrei – ab 20.30 Uhr nochmals ein Schiff im Stundentakt, und auch weitere Sonderbusse sind im Einsatz.

Bahn sperrt Strecke während des Tegernseer Seefestes

Dem Rottacher Seefest sehen die Veranstalter also gelassen entgegen. Schwieriger könnte es beim Tegernseer Pendant am 29. Juli werden. Zwar sollte dann die Bahnstrecke zwischen München und Holzkirchen wieder befahrbar sein, allerdings hat die Tegernsee Bahn für diese Zeit (21. bis 31. Juli) ihrerseits eine Sperrung der Linie zwischen Schaftlach und Tegernsee angekündigt. Die Zusage der Bayerischen Regiobahn (BRB), hier die Zugkapazitäten zu verstärken und auf diese Weise ein Chaos wie beim Tegernseer Seefest 2024 zu verhindern, ist damit hinfällig.

Zu der neuen Situation habe es bereits Gespräche mit Vertretern von BRB und RVO gegeben, erklärt Peter Rie. Ziel sei es nun, fürs Tegernseer Seefest ausreichend Kapazitäten beim Schienenersatzverkehr bereitzustellen. An einem Konzept werde gemeinschaftlich gearbeitet, versichert Rie.

Ob Seefest wetterbedingt stattfinden kann, entscheidet sich am Montag

Ob das Seefest in Rottach (Beginn: 16 Uhr) tatsächlich am Dienstag stattfinden kann oder wetterbedingt auf einen der nächsten Tage verschoben werden muss, entscheidet sich laut Rie am Montagnachmittag (7. Juli). Derzeit sei es noch zu früh für eine Wetterprognose. „Fest steht: Es soll wechselhafter und nicht mehr so heiß werden“, sagt der Organisator. Letzteres wäre in jedem Fall ein Vorteil.

Das detaillierte Programm zum Seefest und alle aktuellen Infos finden Interessierte auf www.tegernsee.com/seefeste.

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Vermieter in Sorge

Besorgt über die aktuelle und die künftige Streckensperrung der Bahn „zur Hauptsaison“ zeigt sich der Kur- und Verkehrsverein Bad Wiessee in einer Pressemitteilung. Vorsitzender Daniel Strillinger äußert zwar Verständnis für die Notwendigkeit der Maßnahmen, fürchtet aber negative Auswirkungen für die Tourismusregion: „Gerade in den Sommermonaten ist unsere Region auf eine funktionierende Anbindung im öffentlichen Verkehr angewiesen“, sagt Strillinger. Die Gäste würden ihren Urlaub lange im Voraus planen, viele von ihnen würden bewusst klima㈠freundlich mit der Bahn anreisen. Die Sperrungen „stellen unsere Gastgeberbetriebe, Gastronomen und Veranstalter vor große logistische und kommunikative Herausforderungen“, erklärt der Vorsitzende.

Wie schon Tourismus-Chef Christian Kausch, so kritisiert auch Strillinger in der Pressemitteilung die Empfehlung der Bayerischen Regiobahn (BRB), auf Reisen ins Oberland zu verzichten. Das pauschale Abraten von Reisen setze „ein falsches Signal – nicht nur für den Moment, sondern auch im Hinblick auf das langfristige Vertrauen in die Erreichbarkeit unseres Tourismus-Standorts“, wird Strillinger zitiert. Der Verein appelliert daher an alle Beteiligten, künftig enger und vorausschauender zusammenzuarbeiten, „um für Gäste und Einheimische tragfähige Lösungen zu entwickeln“.

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