Sabine Baab ist die Ansprechpartnerin für Faschings-Garden und -Prinzenpaare

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Sabine Baab aus Apfeldorf näht Anlassmode nach Maß. © Felix Baab

Sabine Baab ist mit den Gedanken fast immer in der fünften Jahreszeit. Nicht nur, weil sie eine Faschings-Närrin ist. Baab ist Maßschneiderin in Apfeldorf und entwirft unter anderem die Kostüme für die Garden und Prinzenpaare in der Umgebung.

Apfeldorf – „Ich hab‘ als junges Mädchen schon immer meine Barbie-Puppen eingekleidet. Nicht normal, sondern historisch.“ Sabine Baabs Leidenschaft sind Kleider aus der Vergangenheit. Ihre Puppen konnten sich über ein Gewand aus der Biedermeier- oder Rokoko-Epoche freuen. In Handarbeiten hatte sie „immer saugute“ Noten, wie sie sagt, was auch ihrer Lehrerin aufgefallen sei.

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Ob denn Schneiderin nichts für sie wäre, habe sie die Schülerin gefragt. Und Schneiderin war definitiv etwas für Baab. Sabine Baab aus Apfeldorf näht Mode nach Maß und hat einen Abschluss als Gewandmeisterin.

Schwierige Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplatz

„Ich habe dann verzweifelt eine Lehrstelle gesucht.“ Einen Ausbildungsbetrieb im Schneider--Handwerk zu finden, sei schwierig gewesen, „weil keiner mehr ausgebildet hat. Ich habe dann schließlich bei Mindelau in der Nähe von Mindelheim gelernt.“ Auch nach der Arbeit hat sich Baab zuhause an die Maschine gesetzt und weitergenäht, „sodass ich jede Woche zum Furtgehen „was Neues zum Anziehen hatte“.

Garden-Kostüm Sabine Baab
So stattet sie regelmäßig die Garden in der Region aus. © Felix Baab

Nach ihrer Abschlussprüfung war sie noch zwei Jahre in Mindelau als Gesellin tätig. Dann ging es nach München auf die Deutsche Meisterschule für Mode. Baab schloss 1992 mit dem Gewandmeister im Damenschneiderhandwerk ab. Damals war die Ausbildung zum Damen-, Herren- und Trachtenschneiderhandwerk getrennt, erklärt Baab, heute gehört alles zusammen. Und heute macht sie auch alles.

1994 in die Selbständigkeit

„Nach dem Meister wurde es nicht wirklich leichter, eine Stelle zu finden.“ Keiner habe eine Schneider-Meisterin einstellen wollen. Baab habe dann Angebote in der Kalkulation bekommen, was nicht wirklich mit ihrem Näh-Wunsch vereinbar war. „Ich wollte keine Kalkulationen machen, ich wollte nähen, ich wollte Schnitte machen“. 1994 fiel dann der Entschluss zur Selbstständigkeit.

Auch die Anfangszeit als Selbstständige war mühsam. „Ich habe drei Jahre gebraucht, bis ich einen kleinen Kundenstamm zusammen hatte“, erinnert sich Baab. In ihren Anfängen als Selbstständige hat sie in einem Laden in Kaufbeuren Kleidung ausgestellt. „Dann habe ich eine ganze Weile Brautkleider abgeändert – man schaut halt, wo man reinkommt“. Außerdem habe sie auch einige Aufträge einer Schneiderin aus Aufkirch übernommen.

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Als ihre Arbeit endlich Fahrt aufgenommen hatte, stattete sie anfänglich Blaskapellen aus und schneiderte hauptsächlich Tracht. Irgendwann sei dann die Cousine ihres Mannes auf der Matte gestanden: Sie war Prinzessin der Schongauer Faschingsgesellschaft „und hat mich gefragt, ob ich ihr das Kleid machen kann“. Seitdem stattet Baab die Prinzenpaare in der Umgebung aus.

„Ich habe jedes Jahr Schongau und Hohenfurch – manchmal auch die Schwabsoiener.“ Die Entwürfe sind oftmals von Baab selbst, wobei die Vereine beispielsweise die Farben vorgeben. „Die sind auch sehr aufwändig“, weiß Baab und erinnert sich an das Cinderella-Kleid, dass sie mal der Hohenfurchener Prinzessin schneiderte.

Über Weihnachten ist immer „Land unter“

Meistens kämen die Prinzenpaare mit ihren Wünschen erst Mitte November an, Mitte Januar müssen die Kostüme aber schon fertig sein, so Baab. „Über Weihnachten ist bei mir immer ,Land unter‘.“ Wenn sie eine komplette Garde ausstatten soll, braucht die Schneiderin ein Jahr Vorlauf. Wenn die Bälle vorbei sind, heißt es erstmal durchatmen – bevor die Reparaturen an den Gewändern folgen, die bei den Feierlichkeiten manchmal in Mitleidenschaft gezogen werden.

Zwischendrin schneidert die 57-Jährige Showkostüme – und nach wie vor noch viel Tracht. Auch Brautkleider und historische Gewänder gehören zu ihren Arbeiten. Um Inspirationen für ihre Unikate zu finden, durchforstet Baab „Pinterest“ oder schaut historische Filme und Serien. Manchmal zeichnet sie auch, was ihr so vorschwebt.

Sehr viele schöne Erlebnisse und Kreationen

Zwar sind Baabs Unikate alle unterschiedlich, eines haben sie aber gemeinsam: Sie sind aus hochwertigem Stoff und dementsprechend teurer als Kleider in „Fast-Fashion-Läden“. Die Leute, die zu ihr kommen, nehmen bewusst das Geld in die Hand, um ein besonderes Einzelstück zu bekommen, erklärt die Schneider-Meisterin.

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Seit genau 30 Jahren ist Baab jetzt selbstständig. Fragt man sie nach den schönsten Erlebnissen oder besten Gewändern, sprudelt es aus ihr heraus: Ein junges Mädchen habe zur Kommunion kein Kleid tragen wollen. Baab schneiderte ihr eine Marlenehose aus Wildseide, dazu ein Crop-Top – alles in creme beige.

Auf jeden Fall historisch

Zum Drübenziehen gab es eine Jeansjacke mit goldenen Knöpfen. „Ich seh heute noch vor mir, wie das Mädel vor dem Spiegel steht und strahlt – das war so schön“.

Nach so vielen Gewändern für andere stellt sich die Frage: Wie würde Sabine Baabs Traumkleid aussehen, wenn sie eins für sich selber nähen würden? „Auf jeden Fall historisch“, ist sie sich sicher.

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