In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag wurde bekannt, dass im Erdgeschoss des geplanten Ärztehauses in Bad Heilbrunn ein Aparthotel entstehen soll. Grund ist der Rückzug der Gesundheitspraxis Markus Merklinger aus dem Projekt.
Bad Heilbrunn – Bad Heilbrunns neue Ortsmitte nimmt Gestalt an. In das geschäftige Treiben auf der Baustelle platzte auf der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag die Nachricht, dass im Erdgeschoss des vielfach beworbenen, geplanten Ärztehauses ein Aparthotel entstehen soll. Als Grund nannten die Geschäftsführer von Denkmalneu den Rückzug der Gesundheitspraxis Markus Merklinger aus dem Projekt.
Rückzug der Gesundheitspraxis Merklinger: Konsequenzen für Bad Heilbrunn
Zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung ging es nur um harmlose Kleinigkeiten: Dachfenster, Müllhäuschen sowie die Zusammenlegung von zwei Wohnungen. Dann schlug die Hiobsbotschaft in den Sitzungssaal ein. „Wir müssen aus der Not heraus eine wirtschaftliche Lösung finden“, führte Denkmalneu-Geschäftsführer Thomas Scherer, der in Begleitung von Compagnon Uwe Mertens gekommen war, die Gemeinderäte samt Bürgermeister ins Auge des Orkans.
Die Gesundheitspraxis Markus Merklinger habe sich aus dem Vorhaben, von der Parkvilla in den Neubau umzuziehen, verabschiedet. Auf der Fläche von 400 Quadratmetern soll nun ein Aparthotel entstehen. Zwölf Zimmer – „eine gehobene Holz-Stahl-Geschichte“, keine Lobby, Smart-Check-in, gesteuert aus Bad Tölz, wo Denkmalneu auf dem ehemaligen Moralt-Areal gleichartiges plant. Darüber hinaus betreibt die Denkmalneu-Gruppe einige solcher Hotels unter anderem in Dresden, Leipzig und Wien, fügte Mertens hinzu. Auch habe man bereits andere Ärzte oder Physiotherapeuten gefragt, ob sie Interesse an der Fläche hätten, Antwort: negativ.
Diskussionen im Heilbrunner Gemeinderat: Aparthotel oder soziale Einrichtung?
Der Erste, der seine Sprache wiederfand, war Thomas Gründl (CSU). „So ein Aparthotel würde sich mit einem auf dem ehemaligen Post-Gelände hervorragend ergänzen“, sagte der Rathauschef. Dabei hatte Norbert Deppisch noch in der Bürgerversammlung am Dienstag, 14. Oktober, nachgefragt, ob sich das angedachte Hotelprojekt in der Ortsmitte endgültig erledigt habe. Zwar bejahte Gründl dies mit der Begründung, dass der mögliche Betreiber gestorben sei, und schloss – einen neuen Betreiber vorausgesetzt – die Wiederaufnahme dieser Idee nicht aus. Dennoch kam auch dieser scheinbar konkrete Gedanke, für den einen oder anderen im Gremium unvermittelt.
Ganz und gar nicht mit dem Hotel in der Ortsmitte einverstanden, zeigte sich Kilian Spindler (Grüne). „Mir ist diese Fläche zu wertvoll, um sie für so etwas herzugeben“, sagte Spindler. Man habe eine Belebung gewollt und regte stattdessen den Einzug einer sozialen Einrichtung in das Gebäude an. Prinzipiell keine schlechte Idee, meinte Gründl. Jedoch habe man schon zu tun, für das ehemalige Pflegeheim einen Käufer zu finden. Auch Rathaus-Vize Konrad Specker (FW) fand Spindlers Vorschlag grundsätzlich interessant, jedoch müsse dann das Objekt wieder in die Hand der Gemeinde zurückgeführt werden.
Wirtschaftliche Überlegungen: Keine Gewerbenutzung in Sicht
Auch eine andere gewerbliche Nutzung, etwa als Restaurant, schloss Denkmalneu-Geschäftsführer Scherer von vornherein aus. Der Gastronom müsse 1,5 bis 2 Millionen Euro herbringen, „und das bei einer im Moment nicht gerade idealen wirtschaftlichen Situation für Restaurantbetreiber.“
„Es gehört uns nicht mehr“, holte Bernd Rosenberger die Diskussion wieder in die Realität zurück. Generell trage er die Alternativlösung mit. Die Gemeinde müsse sich jedoch bewusst sein: „Wenn wir dieses Filetstück zur Vermietung an Feriengäste freigeben, müssen wir bei Anfragen auf Vermietung von Wohneigentum an Urlauber künftig auch zustimmen“, so der Dritte Bürgermeister. Rosenberger spielte darauf an, dass in der Vergangenheit immer wieder derartige Bauanträge abgelehnt wurden.
Tourismus und lokale Infrastruktur: Ein Balanceakt in Bad Heilbrunn
Gründl betonte, dass eine touristische Nutzung in der Ortsmitte durchaus gewünscht sei, „das wollten wir so haben“. Ob jedoch nicht eher Angestellte umliegender Betriebe das Hotel nutzten als Touristen, stellte Rosenberger erneut die Notlösung zur Disposition.
Alexander Glockmann (CSU) konnte sich für den Gedanken an das Aparthotel erwärmen. Schließlich ließen sich dort künftig Gäste unter anderem zu Hochzeiten oder Geburtstagen unterbringen. Außerdem: „Auch Physiotherapie-Patienten gehen in die Praxis nur rein und sind dann wieder weg.“
In der Sekunde, wo der Gemeinderat das Aparthotel ablehnt, bauen wir eine leere Hülle.
„In der Sekunde, wo der Gemeinderat das Aparthotel ablehnt, bauen wir eine leere Hülle“, drängte Scherer auf eine Entscheidung. Der Gemeinde läge ein Bebauungsplan vor, der auch ein Aparthotel zulasse. „Wenn ihr das nicht wollt, dann bitte ich um eine Botschaft, was stattdessen rein soll.“
Neben Specker beantragte Horst Kürzeder (CSU), die Diskussion nichtöffentlich fortzusetzen. Für den Gemeinderat Bad Heilbrunn war dies die letzte Sitzung in diesem Jahr. Selbst für den Fall, dass eine Entscheidung noch vor Weihnachten gefällt werden würde, dürften die Neuigkeiten zur Causa „Ortsmitte“ für die Bürger erst im Jahr 2026 folgen.
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