Maximilian Böltl seit einem Jahr im Landtag: „Müssen ohne Denkverbote diskutieren“

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Will mehr Dynamik in die Entscheidungen im Landtag bringen: der CSU-Landtagsabgeordnete Maximilian Böltl am Rednerpult im Maximilianeum. © Thuy Wegmaier/Büro Böltl

Ein Jahr im Landtag: Maximilian Böltl wünscht sich schnellere Entscheidungen im Landtag. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen und Herzenswünsche.

Landkreis - Vom Chefsessel im Rathaus ins Maximilianeum: Seit einem Jahr ist Kirchheims Ex-Bürgermeister Maximilian Böltl als CSU-Landtagsabgeordneter Mitglied der bayerischen Staatsregierung. Zum Zwischenbilanz-Interview hat der Münchner Merkur den 41-Jährigen in dessen Stimmkreisbüro in Aschheim besucht.

Als Bürgermeister waren Sie der Chef, als Abgeordneter sind Sie einer von vielen, die CSU-Fraktion hat 85 Mitglieder. Wie kommen Sie mir dieser Umstellung zurecht?

Es ist tatsächlich eine ganz andere Arbeitsweise. Als Bürgermeister trifft man engmaschig Entscheidungen, oft auch allein. Für die große Umstellung hin zu Entscheidungen, die im Plenum getroffen werden, musste ich mir viel Geduld aneignen. Aber an diese Langwierigkeit will ich mich nicht gewöhnen, da brauchen wir mehr Dynamik, ich will den Bürgermeister-Spirit einbringen. Unserem Fraktionsvorsitzenden Klaus Holetschek ist es ebenfalls sehr wichtig, dass wir schneller und effizienter werden, zügiger zur Umsetzung kommen.

Den kurzen Dienstweg gibt es nicht mehr?

Den brauchen wir aber! Früher habe ich Entscheidungen getroffen, jetzt bin ich an Entscheidungen beteiligt, wenngleich in größerem Rahmen. Hinzu kommt, ich bin viel fremdbestimmter, was den Kalender angeht. Sich unterzuordnen, noch mehr Teamplayer zu sein als vorher, das ist eine neue Erfahrung. Das Schöne daran ist andererseits, dass die Fraktionskollegen aus allen Regierungsbezirken einen ganz anderen Berufshintergrund mitbringen, vom Bauer bis zuur Zahnärztin – aus diesen vielen Perspektiven heraus Entscheidungen für ganz Bayern zu treffen, das ist sehr spannend. Insgesamt haben wir ein tolles Miteinander.

Vermissen Sie den unmittelbaren Kontakt zum Bürger?

Das Bürgerbüro hier in Aschheim wird sehr gut angenommen, aber klar, in Kirchheim war ich für 13 000 Einwohner verantwortlich, im Stimmkreis sind es fast 200 000. Mit den 13 Bürgermeistern bin ich eng im Austausch, um Anliegen zu beschleunigen oder zu schauen, wo etwas vor Ort zwickt. Es ist nicht immer der Weg ins Parlament oder in die Ausschüsse nötig, oft fungiere ich als Bindeglied zwischen Kommunen und Ministerien, als Behördenlotse.

Sie sitzen im Haushaltsausschuss. Da werden viele Weichen gestellt, auch für den Landkreis?

Im Haushaltsausschuss werden die großen Investitionen für ganz Bayern beraten, und es ist beeindruckend, wie viel davon in den Landkreis München geht. Beispiele sind die LMU in Oberschleißheim, die TU in Garching und die TU in Ottobrunn/Taufkirchen – allein für diese drei Universitätsstandorte stemmt der Freistaat große Investitionen. Zugleich muss man den Kollegen aus anderen Regionen immer wieder bewusst machen, dass wir der Motor für ganz Bayern sind, wovon aber andere Landkreise profitieren, beispielsweise durch Zulieferbeziehungen.

Ein wichtiges Thema ist stets der ÖPNV. Nun wird der Preis fürs Deutschlandticket allerdings ab 2025 von 49 auf 58 Euro erhöht. Ist das Ihrer Meinung nach der richtige Weg?

Das Deutschlandticket kostet den Freistaat über 300 Millionen Euro pro Jahr. Die fehlen uns, um den ÖPNV in den Landkreisen besser auszubauen. Mein persönlicher Vorschlag wäre, dass wir jetzt eine Pause machen mit dem Deutschlandticket, um zuerst in bessere Taktungen und in mehr Linien zu investrieren.

Was wäre Ihr Wunsch
für den Landkreis?

Ein eigenes Gründerzentrum für Erneuerbare Energien. Das ist ein Markt der Zukunft, es entsteht vieles an Ideen, Forschung und Patenten. Aber wir schaffen es zu wenig, daraus dann Produkte werden zu lassen. Als Haushaltspolitiker muss ich in einem Kreislauf denken: Die Investitionen in die Unis sollten im Idealfall wieder zurückkommen über die Gründung neuer Unternehmen und deren Steuern. Durch die Regierung im Bund wird die alte Industrie beschädigt und die neue gar nicht erst aufgebaut. Dieses Absiedeln ist doppelt fatal für Ideen – born in Bavaria, aber nicht made in Bavaria..

Wenn eine Firma wie IsarAerospace von Ottobrunn nach Vaterstetten umzieht – blutet Ihnen aus Landkreis-Sicht das Herz oder sagen Sie, zum Glück in Bayern geblieben?

Hauptsache, sie bleiben in der Region, mit der Zentrale ja auch in Ottobrunn. Aber das Beispiel zeigt, dass wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen dürfen. Und wir müssen die Folgen der Dynamik bei uns besser steuern. Mobilität und Wohnraum sind Anliegen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Maximilian Böltl vor seinem Stimmkreisbüro in Aschheim.
In Aschheim hat der CSU-Landtagsabgeordnete Böltl sein Stimmkreisbüro eingerichtet. © Martin Becker

Was sind Ihre Projekte oder Visionen bis zum Ende der Legislaturperiode 2028?

Ein Herzensanliegen ist unser Bayern-Update. Das war ursprünglich ein Papier der „Jungen Gruppe“, deren Sprecher ich bin, mit der Idee, die Verwaltung in Bayern neu zu denken und nicht nur Bürokratie abzubauen. Es wird nicht reichen, Vorschriften zu reduzieren. Wir haben uns an Doppelzuständigkeiten gewöhnt oder daran, dass der Datenschutz der Digitalisierung im Wege steht. Das ist die Aufgabe der jüngeren Generation: im Parlament ohne Denkverbote zu diskutieren. Wie können wir Künstliche Intelligenz nutzen, um uns als Staat schlank aufzustellen und Mitarbeiter von einfachen Aufgaben zu entlasten, damit sie mehr Zeit für komplexe Themen haben? Da ist ein Paradigmenwechsel notwendig, um aus der Sackgasse des überregulierten Kontrollierens rauszukommen.

Ist Landtagsabgeordneter nun Ihr Traumjob?

Mir macht es wahnsinnig viel Freude. In den nächsten vier Jahren will ich möglichst viele, auch kleine Anliegen aus dem Stimmkreis erledigt haben, das grüne Häkchen ist mir eine Motivation. Auch das Kleinteilige lösen. Aber ich klebe nicht an der Politik und bewahre mir meine Unabhängigkeit. Was mir noch mehr als zuvor bewusst geworden ist: in welch wunderbarer Region wir hier leben, welche Kraft sie hat, mit der Symbiose aus Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Region und ihre Bürger im Landtag zu vertreten, das ist jeden Tag eine besondere Ehre.

Durch die Regierung im Bund wird die alte Industrie beschädigt und die neue gar nicht erst aufgebaut.

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