Morgens unter die Dusche, abends nochmal abbrausen – für viele Routine. Doch Dermatologen warnen: Was so selbstverständlich scheint, schadet der Haut.
Für die meisten Menschen ist die morgendliche Dusche so selbstverständlich wie das Zähneputzen. Der warme Wasserstrahl weckt die Lebensgeister, das Duschgel sorgt für Frische. Viele gönnen sich abends sogar noch eine zweite Runde, um sich sauber und wohlriechend ins Bett zu kuscheln. Was nach guter Hygiene klingt, betrachten Hautexperten jedoch mit Sorge. Denn das tägliche Duschen kann die natürliche Schutzbarriere der Haut angreifen und langfristig mehr schaden als nutzen.
Zwei bis drei Duschgänge pro Woche reichen völlig aus, wie Experten der Techniker Krankenkasse betonen. Auch die AOK bestätigt, dass es für die Gesundheit im Normalfall nicht notwendig ist, täglich zu duschen. Forscher wiesen bereits in den 1960er-Jahren nach, dass die schützende Mikroflora der Haut ihre Funktion nicht einbüßt, wenn Menschen mehrere Tage lang weder duschen noch baden. Gleichwohl spreche nichts gegen eine tägliche Dusche bei starkem Schwitzen oder Schmutzbelastung, so die Mediziner.
Warum tägliches Duschen der Haut schadet, und häufige Fehler
Doch nicht nur die Häufigkeit spielt eine Rolle, sondern auch die Art und Weise. Viele Experten empfehlen laut AOK, die Duschzeit auf drei bis vier Minuten zu begrenzen. Wer seine Haare wäscht, sollte höchstens zehn bis 15 Minuten unter der Brause stehen. Die Techniker Krankenkasse rät zu sieben bis zehn Minuten. Entscheidend ist auch die Temperatur: Das Wasser sollte eher warm als heiß sein, denn hohe Temperaturen lassen die Haut noch schneller austrocknen. Der optimale pH-Wert von Duschgel und Shampoo liegt zwischen 4,5 und 5,5.
Was ist der pH-Wert?
Der pH-Wert zeigt, wie sauer oder basisch eine Substanz ist. Die Skala reicht von 0 (sehr sauer) bis 14 (sehr basisch). Gesunde Haut hat einen pH-Wert zwischen 4 und 6 – sie ist also leicht sauer.
Warum ist das wichtig? Der saure Schutzfilm hemmt krankmachende Keime und fördert nützliche Hautbakterien. Wird dieser Säureschutzmantel durch zu alkalische Seifen (pH-Wert 7 oder höher) zerstört, trocknet die Haut aus. Erreger können leichter eindringen, Entzündungen und Infektionen drohen.
Um zu verstehen, warum weniger oft mehr ist, lohnt sich ein Blick auf die Haut selbst. Gesunde Haut bildet einen sogenannten Säureschutzmantel – einen Film aus Wasser und Fett, der sich aus Talg, Schweiß und Bestandteilen der Hornzellen, oder „Hautbarriere“, zusammensetzt. Dieser natürliche Schutzfilm schafft ein ideales Milieu für nützliche Bakterien und wehrt gleichzeitig aggressive Keime und Pilze ab. Beim Duschen wird dieser empfindliche Schutzmantel jedoch angegriffen. Das Wasser schwemmt hauteigene Fette aus der obersten Hautschicht heraus, Seife verstärkt diesen Effekt zusätzlich und tötet einen Teil der guten Bakterien ab.
Zwar stellt der Körper das gesunde Milieu innerhalb weniger Stunden wieder her. Bei zu häufigem Waschen mit Seife gelingt ihm das jedoch nicht mehr. Die Folge: Die Haut wird durchlässiger für schädliche Erreger. Das Wasser trocknet die Haut zusätzlich aus, sie wird schnell gereizt und juckt womöglich. Bakterien, Pilze und auch Allergene können dann leichter eindringen. Dermatologen empfehlen beim Duschen nur jene Körperbereiche einzuseifen, an denen man stark schwitzt.
Ein weiterer beliebter Irrtum – Europa ist eigentlich kein Kontinent. Welchen sollte es stattdessen geben?
Wer zu trockener Haut neigt, sollte ihr nach dem Duschen Fett über Feuchtigkeitscremes zuführen. Cremes mit Harnstoff sind vor allem bei extrem trockener Haut eine gute Wahl. Ein weiterer Tipp der Experten: Nach dem Waschen noch 30 Sekunden kalt abduschen. Die Abkühlung stärkt laut Techniker Krankenkasse das Immunsystem, senkt das Stress-Level und ist gut für Haut und Haar. Wichtig bei der Auswahl der richtigen Creme: Mit diesen Tricks vertuschen Kosmetik-Hersteller winzige Füllmengen.