Kommentar: Eine Frage des Respekts

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Der Pfarrvikar wird einfach so vor die Türe gesetzt, Heilige messen werden durch Wortgottesdienste ersetzt: Der Neustart im Pfarrverband Miesbach hat viele Gläubige brüskiert. Vor allem die Kommunikation ist ein Manko. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Dieter Dorby.

Fachkräftemangel ist das geflügelte Wort unserer Zeit. Wenn etwas nicht läuft: Fachkräftemangel sagen, und man erntet Verständnis. Aber so einfach ist es nicht. Auch die katholische Kirche bezieht sich auf fehlende Fachkräfte und meint damit den Priestermangel. Im Fall der Veränderungen im Pfarrverband Irschenberg lässt sich damit aber nicht alles erklären – und auch nicht alles rechtfertigen.

Ab August gibt es am Wochenende in Irschenberg, Niklasreuth und Frauenried nun auch Wortgottesdienste – die Eucharistiefeier entfällt dann. Im Pfarrbrief wird das mit den „verfügbaren hauptamtlichen Ressourcen“ begründet, die angeblich fehlen. Doch die wären vorhanden, denn der bisherige Pfarrverbandsleiter Tadeusz Kmiec-Forstner hat die Heilige Messe bis auf Weiteres an allen drei Orten geplant und besetzt. Warum das über den Haufen geworfen wird? Man erfährt es nicht. Ebenso bei der Frage, warum man bei Kmiec-Forstner nicht um eine – nicht unübliche – Verlängerung seiner Dienstzeit um ein oder zwei Jahre angefragt hat.

Lesen Sie auch den Bericht zum Kommentar: Nur das Nötigste dringt zum Neustart nach außen

Die personelle Besetzung vakanter Stellen obliegt natürlich Ordinariat und Dekanat. Indiskutabel bleibt aber der Umgang mit Pater Johannes Steinmeier, der seit 2020 im Pfarrverband regelmäßig Gottesdienste zelebrierte, sich nichts hat zu Schulden kommen lassen und nun einfach so grundlos vor die Tür gesetzt wird. Und das, ohne es ihm vorab persönlich mitzuteilen und zu erklären. Ein respektloser Vorgang, den sich kein Arbeitnehmer wünscht – und was bei der Kirche als moralische Instanz umso schwerer wiegt. Gute Mitarbeiterführung sieht anders aus. Attraktive Arbeitgeber begegnen Mitarbeitern auf Augenhöhe.

Transparenz ist seit jeher das große Manko der katholischen Kirche. Und mangelnde Kommunikation führt immer zu Spekulation. Dabei will man sich ja ändern – sagt Reinhard Kardinal Marx beim synodalen Weg, und auch bei der Neuordnung der Dekanate hatte Dekan Michael Mannhardt mehr Nahbarkeit vor Ort betont. Bloß wann? Es reicht nicht, bei Festgottesdiensten aufzutreten und bei offiziellen Anlässen mit Tracht und Lederhose Volksnähe zu demonstrieren – das gelebte tägliche Miteinander zählt. Gerne kann man den eigenen Papstbesuch aktiv unserer Zeitung anbieten. Aber umso mehr sollten Personalien sowie konzeptionelle Pläne, die für die Pfarrgemeinden wirklich relevant sind, nicht bis zuletzt unter Verschluss gehalten werden. Das löst ohne Not Unsicherheit und Unruhe in den Pfarreien aus.

Bei der christlichen Religion stehen Nächstenliebe und Respekt im Mittelpunkt. Dieses Miteinander gilt es zu leben, gerade vor Ort, wenn man nicht noch mehr Gläubige verlieren möchte. Vielleicht würde es auch hier helfen, über den Zölibat zu reden. Denn so manche Entscheidung würde mit weiblichem Einfluss anders ausfallen.

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