Die Lage auf dem Immobilienmarkt ist weiter angespannt. Erneut kommen Studien zu dem Ergebnis, dass es sich kaum woanders so teuer wohnt wie im Oberland.
Die Suche nach besonders teuren und exklusiven Immobilien gehört zu den beliebteren Übungen, die gerne auch einschlägige Portale absolvieren. So wie jetzt Immowelt. Das Unternehmen hat sich auf die Suche nach den „exklusivsten Mietwohnungen Deutschlands“ begeben und ist wenig überraschend auch am Tegernsee fündig geworden. Die in Rottach-Egern direkt am See angebotenen 241 Quadratmeter, verteilt auf zwei Stockwerke und fünf Zimmer, sind für 15 000 Euro monatlich beziehbar, was im Ranking zur Bronzemedaille reicht. Teurer kann man derzeit nur in Düsseldorf mieten, zumindest wenn man auf Immowelt sucht. Auf den weiteren Top-Ten-Plätzen finden sich Objekte in Berlin (7) und Hamburg.
Vergleich Neubau/Bestand: Differenz im Oberland besonders groß
Geht es ums teure Wohnen, ist der Kreis Miesbach eigentlich immer weit oben mit dabei. Das lässt sich auch aus der Studienreihe „Postbank Wohnatlas 2025“ herauslesen. Diese hat unter anderem den Vergleich von Neubau- mit Bestandswohnungen gezogen. Wer im mittleren Preissegment eine 70 Quadratmeter große Eigentumswohnung kaufen möchte, muss dem Zahlenwerk zufolge für eine neue Wohnung sagenhafte 356 000 Euro mehr bezahlen als für einen vergleichbaren Bestand. Platz drei im bundesweiten Vergleich hinter Dessau-Roßlaus und Garmisch-Partenkirchen (beide etwa 400 000 Euro). Wer‘s gerne gehobener hat, die obersten zehn Prozent der Angebote, muss rund um Tegernsee und Schliersee die Schatulle besonders weit aufmachen. Die Differenz von 636 000 Euro im oberen Preissegment bedeuten in der Studie bundesweit unangefochten Platz eins vor Zwickau (440 000 Euro) und Garmisch-Partenkirchen (356 000 Euro). Den Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung im Bestand gibt die Studie für den Kreis Miesbach übrigens mit durchschnittlich 7829 Euro an.
Ebenfalls aus der Postbank-Studie stammen die Zahlen zur Energieeffizienz. Wer eine Wohnung der Effizienzklasse D oder besser haben möchte, muss demzufolge 3112 Euro pro Quadratmeter als Aufschlag zahlen – Platz eins unter den Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland. Womöglich spielt bei beiden Beispielen eine Rolle, dass es im Kreis Miesbach oftmals gleich richtig teuer wird, wenn es in den Bereich Bestlagen geht – das Luxussegment den Durchschnitt also nach oben zieht.
Traum vom Eigenheim selbst für Gutverdiener kaum realisierbar
Ebenfalls mit Immobilienpreisen hat sich die Sparda-Bank München befasst und die Studie „Wohnen in Deutschland 2025“ vorgelegt. „Das Erschwinglichkeitsniveau im Landkreis Miesbach ist sehr angespannt“, sagt Peter Berger, Vorstandvorsitzender der Sparda-Bank München. „Selbst für viele Gutverdiener ist der Traum vom Eigenheim kaum noch realisierbar.“ Mit einem Quadratmeterpreis von 7812 Euro für Eigentumswohnungen im Bestand landet Miesbach auf dem zweiten Platz aller deutschen Landkreise hinter Starnberg (8188 Euro). Teurer ist es sowieso nur in der Stadt München (8461 Euro).
Woanders muss man nur halb so lang für eine Eigentumswohnung schuften
Die Studie setzt die Immobilienpreise auch in Relation zur regionalen Kaufkraft. Mit demselben Ergebnis. 13,7 Jahreshaushaltseinkommen müssen demzufolge im Schnitt aufgebracht werden, um sich eine 117-Quadratmeter-Wohnung leisten zu können. Nur in München (14,7 Jahre) muss man dafür länger schuften. Der Bundesschnitt liegt bei 6,4 Jahren.
Banker beklagt zu geringe Bautätigkeit
Als einen Faktor, der zu hohen Preisen führt, macht die Sparda-Studie die Bautätigkeit aus. „Die Nachfrage ist da, aber das Angebot fehlt“, heißt es in der Pressemitteilung. Demzufolge bleibt der Landkreis mit 7,2 Baugenehmigungen je 1000 Bestandswohnungen deutlich hinter dem oberbayerischen Durchschnitt von 10,1 zurück. Als „besonders kritisch“ bewertet die Sparda-Bank die reale Bautätigkeit: Mit nur 6,3 fertiggestellten Wohnungen je 1000 Bestandswohnungen belegt der Landkreis Miesbach den drittletzten Platz in Oberbayern und liegt auch unter dem bundesweiten Schnitt (6,7). Rein strukturell biete die Region allerdings beste Voraussetzungen hinsichtlich Faktoren wie Arbeitsmarkt, Lebensqualität und Infrastruktur. Gerade deshalb sei es wichtig, auch beim Thema Wohnraum zukunftsorientiert zu handeln. Berger: „Nachhaltige Entwicklung braucht bezahlbare Perspektiven – auch im Eigentum.“