Doppelt so teuer wie erwartet: Kostenexplosion bei Umbau der Kläranlage

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Symbolbild © picture alliance / dpa

Ist Grafraths Kläranlage ein Millionengrab? Das wird derzeit diskutiert, weil die laufende Erweiterung immer teurer wird. Das Projekt ist mit fast sieben Millionen Euro nun wohl doppelt so kostspielig wie gedacht.

Grafrath – Die Erweiterung und Umrüstung der Kläranlage wird für den Abwasserzweckverband (AZV) „Obere Amper“ immer kostspieliger. Mittlerweile kratzt das Projekt an der Sieben-Millionen-Euro-Grenze. Aus Reihen der Grafrather Verbandsräte sind Worte wie „Millionengrab“ zu vernehmen. Zu stoppen ist der Umbau nun aber nicht mehr. Dem AZV gehören die Gemeinden Grafrath und Kottgeisering sowie über eine Zweckvereinbarung auch Türkenfeld an.

Die Geschichte der Umbaupläne für die Kläranlage ist eine Geschichte der Kostensteigerungen. Als das Projekt 2020 zum ersten Mal in der Verbandsversammlung der vergangenen Wahlperiode diskutiert wurde, war noch von 3,6 Millionen Euro die Rede. Das Gremium wollte seinen Nachfolgern kein so teures Projekt aufbürden und überließ die Entscheidung den neu gewählten Räten.

Mit Grummeln

Dann wurden die geschätzten Kosten schon auf 5,9 Millionen Euro veranschlagt – und von der AZV-Versammlung zwar mit großer Mehrheit, aber nur mit Grummeln verabschiedet. Schon damals hatte Gerald Kurz (Grafrath) darauf verwiesen, dass bei der Entwicklung der Baukosten schnell mal sieben Millionen Euro daraus werden könnten. Eine Befürchtung, die sich nun bewahrheitet.

Der AZV-Vorsitzende Andreas Folger, zugleich Bürgermeister von Kottgeisering, bestätigte auf Nachfrage, dass die Kostenschätzung aktuell auf 6,7 Millionen Euro korrigiert werden musste. Grund dafür sei, dass die Preise für die Maschinentechnik gravierend in die Höhe geschossen seien. „Die Situation auf dem Baumarkt trifft uns voll.“ Dabei sei schon einmal eine Ausschreibung für die Maschinentechnik gestoppt worden, weil nur ein nicht akzeptables Angebot eingegangen sei.

Kein Zurück möglich

Dieses Mal sei ein Zurück aber nicht mehr möglich. „Die Umbauarbeiten sind schon in vollem Gange“, sagt Folger. Man habe im Vorfeld einen Notbetrieb aufgebaut, um die Erweiterung bei laufendem Betrieb durchführen zu können. „Die Baumeisterarbeiten sind schon sehr weit fortgeschritten“, erklärt der AZV-Vorsitzende. Zu weit, um nun noch die Notbremse ziehen zu können. „Wir müssen jetzt damit leben, was der Markt hergibt“, sagt Folger.

Als die Kostensteigerung in der AZV-Versammlung bekannt gegeben wurde, habe es Kritik gegeben, gibt Folger zu. „Im Großen und Ganzen ist die Entwicklung aber akzeptiert worden.“

Gerüchteküche

Dass vor Kurzem Grafraths Bürgermeister Markus Kennerknecht als Vize-Vorsitzender des AZV zurückgetreten ist, fachte das Feuer in der Gerüchteküche an. Kennerknecht widerspricht auf Nachfrage aber, dass sein Rücktritt mit der Entwicklung bei der Kläranlage zusammenhängt. Vielmehr sieht er bei anderen Projekten wie dem Märchenwald und der neuen Entwässerung der Krugstraße in Grafrath einen Interessenskonflikt zwischen Gemeinde und AZV. „Dem möchte ich entgegenwirken“, sagt er.

Und was bedeuten die neuerlichen Mehrkosten für die Bürger? Eine Gebührenexplosion beim Abwasser erwartet Folger nicht: „Wir können die Kosten über den gesamten Abschreibungszeitraum umlegen.“ Sie würden sich dadurch „überschaubar auf die Gebühren niederschlagen“. Und Folger verspricht: „Wenn wir weitere Einsparungspotenziale sehen, werden wir diese realisieren.“

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/grafrath-ort28747/grafrath-kostenexplosion-bei-umbau-der-klaeranlage-93102576.html