Bisher konnten Hechendorfer Kinder ab der fünften Jahrgangsstufe umsonst den Schulbus benutzen. Dies ändert sich nun. Denn die Behörden haben den Schulweg neu bewertet. Bei den Eltern löst das Unverständnis und Widerstand aus.
Murnau – Rund ein Dutzend Eltern und einige Kinder haben sich am Schützenhaus in Hechendorf eingefunden. Der Unmut ist spürbar. Die „Elterninitiative für einen sicheren und zuverlässigen Schulweg“ hat zum Pressegespräch eingeladen. Der Grund: Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen hat mitgeteilt, dass es für den Schulweg ab dem Schuljahr 2024/2025 für Hechendorfer Kinder ab der fünften Jahrgangsstufe, die die Realschule im Blauen Land beziehungsweise das Staffelsee-Gymnasium besuchen, keine kostenfreie Fahrkarte mehr aushändigen kann. Ähnliches ließ die Marktgemeinde Murnau über die Schulleitung der Christoph-㈠Probst Mittelschule den Eltern mitteilen. Gut 20 Hechendorfer Kinder müssen künftig 30 Cent pro Fahrt bezahlen. Bisher war eine Ausnahme gemacht worden. Die Beförderungskosten übernahm der Landkreis, da man davon ausging, dass der kürzeste Schulweg zwar weniger als drei Kilometer beträgt, aber als besonders gefährlich einzustufen ist.
Ortstermin mit beteiligten Stellen
Zum Hintergrund: Auf Initiative des Marktes Murnau hatte am 1. Juli ein Ortstermin mit allen beteiligten Stellen statt, also Polizei, Gemeinde und Landratsamt stattgefunden – mit dem Ergebnis, dass bei diesem Schulweg „keine besondere Gefährlichkeit vorliegt“, wie Stephan Scharf, Sprecher der Kreisbehörde, mitteilt. Vor drei Jahren hatte man im Landratsamt noch eine andere Haltung. „Aufgrund der bisherigen Praxis wird derzeit davon ausgegangen, dass der Schulweg von Murnau-Hechendorf zur Schule bis zum Besuch der 10. Jahrgangsstufe als gefährlich anzusehen ist“, heißt es in einer Stellungnahme der Kreisbehörde, die CSU-Gemeinde- und Kreisrat Josef Bierling namens der Elterninitiative in einem Schreiben an die Regierung von Oberbayern zitiert. Der Hechendorfer kann nicht nachvollziehen, warum 2021 der Weg als gefährlich betrachtet wurde und heute nicht mehr. Weder habe „der Verkehr abgenommen, noch hat es bauliche Verbesserungen oder Veränderungen gegeben, die das begründen würden“, sagt Bierling. Laut Scharf hat man sich den Schulweg „angeschaut und neu bewertet“.
Nach Angaben von Annika Röttinger, Sprecherin im Murnauer Rathaus, wurde bei dem Ortstermin geprüft, „inwieweit ein besonders beschwerlicher oder besonders gefährlicher Schulweg vorliegt“. Nur wenn eine dieser Voraussetzungen zutreffe, „kann eine Beförderungspflicht anerkannt werden“. Das Ergebnis sei, dass es „kein besonders beschwerlicher oder gefährlicher Schulweg“ sei. Gründe hierfür sind laut Röttinger unter anderem, dass es an der Kocheler Straße eine Querungshilfe gebe, der Weg im Seidlpark beleuchtet sei und im Winter auch geräumt werde. Bierling widerspricht: Der Gehweg „ist nicht um 6.30 Uhr geräumt und meistens auch noch nicht um 7.30 Uhr“. Das treffe auch nicht in den Bereichen zu, wo die Marktgemeinde für den Winterdienst verantwortlich ist, zum Beispiel im Bereich des Schlittenberges in Hechendorf. „Es ist sogar meistens so, dass der Schneepflug beim Räumen der Straße den Schnee noch auf den Gehsteig schiebt.“ Die Querungshilfe bezeichnet Bierling als „Gefahrenstelle“: „Da ist richtig was los.“ Schließlich sei die Straße Zubringer zur Unfallklinik und Autobahn. „Bei einer Ampel oder einem Zebrastreifen ist der Autofahrer gezwungen anzuhalten“, sagt Bierling, „bei einer Querungshilfe nicht.“ Der Hechendorfer betont zudem, dass seiner Meinung nach der Schulweg beschwerlich ist. „Es geht permanent bergauf.“
Die Elterninitiative sammelte auch Unterschriften. Bis vergangenen Freitag kamen knapp 50 zusammen. Vielen Eltern geht es gar nicht um die 30 Cent. Sie wären schon froh, wenn ihre Kinder überhaupt einen Platz im Bus finden würden. Die Situation in den vergangenen Jahren war diesbezüglich angespannt „Der Schulbus, von Ohlstadt kommend, war bei seinem Halt in Hechendorf schon oft so überfüllt, dass er manchmal auch Schüler stehen lassen wollte oder erst gar nicht mehr über Hechendorf gefahren ist“, schreibt Bierling an die Regierung von Oberbayern. Es kam nicht selten vor, dass die Eltern ihre Kinder dann mit dem Auto zur Schule fahren mussten. „Es ist traurig, wenn die Kinder da stehen“, sagt Zuzanna Redl, eine betroffene Mutter. „Ich möchte nur, dass sie mitgenommen werden.“
Beförderung soll garantiert werden
Das ist auch die Mindestforderung der Eltern: Die Kinder müssten eine Beförderungsgarantie haben. „Und diese Voraussetzung muss der Landkreis als verantwortlicher Träger für den ÖPNV beziehungsweise für die Schülerbeförderung auch gewährleisten“, unterstreicht Bierling.
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Ab dem Fahrplanwechsel zum 8. Dezember nimmt die RVO-Linie 9611 nicht mehr den Weg über Ohlstadt nach Kochel, da Ohlstadt dann mit dem On-Demand-Verkehr an Murnau angebunden ist. „Die Linie fährt dann vom Bahnhof Murnau direkt über die Unfallklinik nach Kochel“, sagt Scharf. Laut dem Landratsamts-Sprecher bietet der Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) ab 8. Dezember an Schultagen eine auf den Schülerverkehr abgestimmte Linie Schlehdorf-Ohlstadt-Murnau an. Damit könnten die Hechendorfer Schüler in ihre Bildungsstätte nach Murnau und zurück gelangen. Für den Ortsbereich Murnau gibt es bei der RVO eine Ortstarifkarte. Diese kostet für Kinder (6 bis 14 Jahre) 30 Cent. „Der Differenzbetrag wird vom Markt Murnau übernommen“, informiert Scharf. „Nach Rücksprache mit der RVO wäre auf der ,neuen‘ Linie ausreichend Kapazität für die rund 20 Schülerinnen und Schüler aus Hechendorf.“ Es bleibt abzuwarten, wie der Realitätstest ausfällt.
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