Fachkräftemangel bei Busfahrern: RVO versucht es mit Quereinsteigern

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Bereichern den RVO: Karl Meyer (r.) sitzt schon am Steuer, Daniel Stüvermann zieht bald nach. © THOMAS SEHR

Im April hat der RVO die hochfrequentierte Eibsee-Linie übernommen. Das hat die Personalsituation verschärft. Das Unternehmen geht jetzt einen ganz eigenen Weg.

Karl Meyer ist es gewohnt, etwas von A nach B zu transportieren. Sein Leben lang arbeitete der 55-Jährige als Lkw-Fahrer im Fernverkehr. Seit März übt er einen neuen Job aus. Der Grainauer sitzt zwar immer noch stundenlang hinterm Steuer und legt täglich unzählige Kilometer zurück. Statt tonnenschwerer Waren befördert er mittlerweile aber mehrere Hundert Menschen pro Tag. Vornehmlich zwischen Garmisch-Partenkirchen und Eibsee.

Alleine auf der Eibsee-Route braucht der RVO elf Fahrer

Meyer geht in seinen 50ern beruflich neue Wege. Bekanntermaßen gar nicht so einfach in diesem Alter. Nachdem bei seinem alten Arbeitgeber die Aufträge nach und nach weggebrochen waren, brauchte er kurzfristig einen neuen. Den fand er im Regionalverkehr Oberbayern (RVO). Das Unternehmen unterstützte ihn bei dem Wechsel. Für beide Seiten eine Win-win-Situation. Der Grainauer bekam seinen dringend benötigten Job und die Omnibusgesellschaft einen zusätzlichen Fahrer. Von denen gibt es zuletzt immer weniger.

Mit genau einem Lehrling geht der RVO in Garmisch-Partenkirchen ins neue Ausbildungsjahr. Gleichzeitig fehlen dort aktuell fünf Fahrer. Unter anderem für die Eibsee-Linie. Die übernahm die DB-Tochter im April. Einerseits hat sie sich damit eine Route, die viele Fahrgäste garantiert, gesichert. Andererseits die eigene Personalsituation verschärft. „Allein auf der Eibseee-Route arbeiten wir mit elf Fahrern“, sagt Ralf Kreutzer. Der Niederlassungsleiter im Werdenfels bekleidet diese Position seit 2012. Seither hat er miterlebt, wie das Personal immer weiter schrumpfte. Das liege vor allem an der Altersstruktur, sagt er. Langjährige Fahrer gehen in Rente. Neue, junge Gesichter sind Mangelware. Im wahrsten Sinne des Wortes. Seit Juni 2023 führt die Bundesagentur für Arbeit Busfahrer offiziell als einen Mangelberuf.

Busfahrer gilt offiziell als Mangelberuf

Für die Branche hat dieser eigentlich unschöne Status durchaus Vorteile. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt das Arbeitsamt Neueinsteigern beispielsweise den Bus-Führerschein. Und der ist mittlerweile alles andere als ein Schnäppchen. Hohe vierstellige Beträge sind Normalität. Potenzielle Interessenten schreckt das oft ab. Deshalb übernimmt der RVO auch bei seinen Quereinsteigern, falls nötig, diese Kosten. Karl Meyer wurde für zwei Monate, in denen er die Theorie- und Praxisprüfung absolvierte, darüber hinaus angestellt. „Wenn wir von den Bewerbern überzeugt sind, machen wir das gerne“, betont Kreutzer.

Ebenso überzeugte ihn Daniel Stüvermann aus Murnau. Der 29-Jährige arbeitete bislang bei einem Straßenräumdienst im Landkreis. Auch er kennt sich mit großen Fahrzeugen aus, besitzt einen Lkw-Führerschein. Aktuell setzt er noch den für Busfahrer obendrauf. „Theorieprüfung ist schon bestanden“, verrät er. Wenn das auch mit der praktischen klappt, findet sich ein weiterer Quereinsteiger in den Reihen des RVO. „Wir machen uns jetzt selbst unsere Busfahrer“, sagt Kreutzer.

DB-Tochter hat bereits sieben Quereinsteiger rekrutiert

In den vergangenen eineinhalb Jahren rekrutierte das Unternehmen so sieben Fahrer. Wenn in absehbarer Zeit noch fünf dazukommen, wäre man für die Zukunft gut aufgestellt. Fürs Erste. In den letzten Jahren wuchs das Streckennetz nämlich kontinuierlich. Auch die Eibsee-Linie soll ein Teil davon bleiben. Der aktuelle Vertrag läuft bis 2026, danach wird die Route für zehn weitere Jahre vergeben. Kreutzer würde „lügen“, wenn er an einer Verlängerung nicht sehr interessiert wäre.

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Dafür braucht er Neuzugänge wie Karl Meyer und Daniel Stüvermann. Letzterer will noch im Sommer erstmals hinter dem Steuer sitzen. „Ich mag hier langfristig bleiben“, sagt er. Das möchte auch Meyer. Er ist froh, dass er in seinem Alter noch einmal die Chance auf einen Wechsel bekommen hat. An seinem neuen Job gefällt ihm auch, dass er nun jeden Abend zu seiner Frau nach Hause kommt. Im Fernverkehr sahen sich die beiden oft nur am Wochenende. Die unzähligen Übernachtungen auf Rastplätzen wird er nicht vermissen. Brems- und Gaspedal muss er fortan aber mit besonders viel Gefühl betätigen. Schließlich transportiert er statt Waren nun Menschen. (tsch)

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