Tierische Ausreißerin: Kalb Lisl büxt aus – Drei Monate später taucht es wieder auf

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Da ist sie! In einem Waldstück wird Lisl entdeckt. © privat

Auf dem Weg zur Weide ist Lisl, ein sechs Monate altes Südtiroler Grauvieh, ihrer Besitzerfamilie ausgebüxt. Für tot geglaubt, taucht sie drei Monate später wieder auf – an der Partnach, rund zwölf Kilometer von daheim entfernt.

Mittenwald - Josef Schöpf junior (Kousi) dachte, sie ist tot. Weil es für ihn unmöglich schien, dass ein Milchkalb, nicht einmal sechs Monate alt, alleine im Wald überleben kann. Doch hat der Mittenwalder die Rechnung ohne seine Lisl gemacht. Mehr als drei Monate lang war die kleine Ausreißerin verschollen – jetzt ist sie plötzlich aufgetaucht, über zwölf Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Eine freudige Geschichte mit Happy End.

Lisl ist ein Südtiroler Grauvieh und eine Kämpfernatur, die schon früh Pech hatte. Bei ihrer Geburt hat sich das Euter ihrer Mama entzündet. Die Mutterkuh musste daraufhin erlöst werden. Lisl wuchs als Waise auf. Die Familie Schöpf aus Mittenwald hat sich daraufhin dem kleinen, putzmunteren Kälbchen angenommen und zog es mit der Flasche groß. Es entwickelte sich prächtig. Am 15. Mai hätte es für die kleine Dame zum ersten Mal in ihrem Leben auf die Alm gehen sollen. Gemeinsam mit vielen anderen Artgenossen, damit sie schnell das Fressen und Trinken in freier Natur erlernt. Die Schöpfs fuhren mit einem Viehanhänger ins Lauterseegebiet bei Mittenwald. Doch beim Ausladen sprang die neugierige Lisl blitzschnell davon. „Sie war sofort weg“, sagt Schöpf.

Ausgebüxtes Tier in der Nähe der Bockhütte entdeckt

Tagelang suchten sie nach der kleinen Ausreißerin, die noch keinerlei Erfahrung in der Wildnis hatte. Doch trotz intensiver Suche fehlte jede Spur von ihr. „Wir haben Hirten und Jäger Bescheid gegeben, dass sie Ausschau halten sollen“, erzählt Schöpf. Doch selbst nach Wochen war Lisl kein einziges Mal gesichtet worden. Bis Anfang August, drei Monate später, bei den Schöpfs der Anruf eines Hirten einging: Ein Kalb sei mitten im Wald aufgetaucht, ein junges Südtiroler Grauvieh. Von den Nummern der Ohrmarken her dürfte es das vermisste Tier der Schöpfs sein, sagte der Mann am Telefon. Daraufhin machte sich der „Kousi-Seppi“ sofort auf den Weg: Gesichtet wurde das Tier aber nicht am Lautersee, sondern rund zwölf Kilometer weiter an der Partnach in der Nähe der Bockhütte im Reintal.

Der „Suchtrupp“ macht sich bereit, die Lisl wieder nach Hause zu holen.
Der „Suchtrupp“ macht sich bereit, die Lisl wieder nach Hause zu holen. © privat

Lisl erkannte ihren Besitzer, der sie einst mit der Flasche aufzog, sofort wieder, genauso andersrum. „Sie ist hergekommen, hat mir gleich aus der Hand gefressen.“ Das Wunderliche: „Sie war super beinand, hat sich scheinbar gut ernährt.“ Noch ein bisserl scheu zwar, aber topfit. Sie hatte sich vermutlich zwischen Lautersee und Partnach aufgehalten, versteckt im Dickicht. Denn das Gebiet ist bekanntermaßen gut durchzogen mit Wander- und Radwegen. Und dennoch entdeckte niemand das Tier.

Überglücklich, sein Tier wohlbehalten vorzufinden, kam nun die Frage auf, wie die Gute denn zurück nach Mittenwald gebracht werden soll. Diese Aufgabe übernahmen Schöpf und 13 weitere Mannsbilder, die mit einem Viehhänger in Richtung Garmisch-Partenkirchen ausrückten. Der ganze Aufruhr erschreckte das Tier, welches nun über drei Monate Einsamkeit gewohnt war, ein wenig. Deshalb stand etwas Fangerles auf dem Programm, bis sich die Ausreißerin in der Obhut der Männer befand.

Lisl, mittlerweile zehn Monate alt, kehrte fürs Erste zurück in den Stall, darf aber noch ein bisschen Zeit auf der Weide verbringen, bis es im September beim Almabtrieb wieder ins Tal geht. „Da“, versichert Schöpf, „werden wir aber ein besonders gutes Auge auf sie haben.“

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