179. Geburtstag von Ludwig II: Lichtermeer am Lieblingsschloss des Märchenkönigs

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Zu Ehren des Königs leuchtet sein Lieblingsschloss die ganze Nacht © SCHWANINGER

Lichtermeer im Schlosspark von Linderhof. Dort, wo sich Bayerns bekanntester Monarch am liebsten aufhielt, feierten hunderte Menschen seinen 179. Geburtstag.

In den Abendstunden wird es in Linderhof normalerweise ruhig. Sehr ruhig. Die vielen Menschen, die das Schloss besuchen, treten die Heimreise an. Der Park leert sich. Und die schweren Gittertüren, die in den 146 Jahre alten Bau führen, werden zugezogen. Das Licht im Schloss erlischt. So spielt es sich das ganze Jahr ab. An gewöhnlichen Tagen. Doch das ist der 25. August nicht. Besonders dort, wo Bayerns bekanntester Monarch die meiste Zeit seiner letzten Lebensjahre verbrachte.

Vor der Serenade heißt's Kerzen anzünden

In einer Stunde beginnt die Geburtstagsfeier für Ludwig II. Im über 50 Hektar großen Park ist es noch hell. Zwischen Musikpavillon und Venustempel laufen einige Männer und Frauen umher. Mit ihren Feuerzeugen entzünden sie die vielen Teelichter. Etwas mehr als 1500 sind um das Schloss aufgestellt. Lange ist unklar, ob sie tatsächlich leuchten dürfen. Noch vor zwei Stunden hat es in Strömen geregnet. Doch die dunklen Wolken ziehen weiter.

Der Vorplatz des Schlosses füllt sich mit Besuchern. Es sind weniger als in den vergangenen Jahren. Sicher auch der Wetterlage geschuldet. Vor ihnen formiert sich die Musikkapelle Ettal. Mit Dirigentin Maria Burkart spielt sie dem „Kini“ eine Serenade. Die Musiker können nicht nur traditionell. Ihre Interpretation von „My Dream“ sorgt bei Einbruch der Dunkelheit zwischenzeitlich für romantische Stimmung.

Am Ehrentag gibt es seltene Einblicke

Das tun auch die Teelichter. Den ganzen Abend. Sie weisen den Geburtstagsgästen – mittlerweile knapp 500 - ihren Weg. Manche führt er direkt in die königliche Villa, die ihnen die Mitarbeiter bei Nacht zeigen. Blicke in die Prunkräume erhaschen auch diejenigen, die durch die Gärten schlendern. Die Vorhänge, die das eigentlich verhindern, sind am 179. Geburtstag geöffnet. Wovon auch die Besucher im Inneren profitieren. Vom über 100 Quadratmeter großen Schlafzimmer blicken sie auf die Kaskaden, über die das Wasser in den Neptunbrunnen fließt.

Davor steht Monika Tischer. Sie zeigt einer Besuchergruppe das Nordparterre und die Statuen darin. Die symbolisieren die Kontinente der Erde. Fast alles, was man im und um das Schloss herum findet, hat einen Sinn. Mit seinen Sinnen wollte der König seine Umgebung im 19. Jahrhundert wahrnehmen. Das erfahren die Besucher im Ostparterre. Während sich in den Steinfiguren dort die vier Elemente widerspiegeln, sind es im Westen die vier Jahreszeiten.

Ein Lichtermeer im Ostparterre gibt es für die Besucher, die an einer Führung durch die Gartenanlagen teilnehmen.
Kerzenzauber im Ostparterre gibt es für die Besucher, die an einer Führung durch den Garten teilnehmen. © SCHWANINGER

Fontäne schießt über 20 Meter in die Höhe: Bunte Beleuchtung am Geburtstag

Die Zahl verfolgt die Besucher. Auch im Süden, wo Hubert Bänsch sein Wissen weitergibt. Der erfahrene Schlossführer wandert mit seinen Gästen durch das Wasserparterre. Mit ruhiger Stimme, die nie monoton klingt, erklärt er, wie antike Götter die vier Tageszeiten verkörpern. Zwischen diesen liegt der Flora-Brunnen. Aus dem steigt immer wieder eine über 20 Meter hohe Fontäne Richtung Abendhimmel. Mal in königlichem Blau, mal in kräftigem Lila.

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Das Spektakel verfolgt auch Simone Zeller. Von einem Klappstuhl aus. Auf ihren Beinen liegt ein Block, daneben ein Malkasten mit Aquarellfarben. Sie ist extra aus Augsburg gekommen, um die Szenerie für immer festzuhalten. Die Temperaturen sinken, fallen unter zehn Grad. Mit dem Nebel, der in den Schlosspark zieht, liegt eine mystische Stimmung über dem Gelände. Je weiter der Abend fortschreitet, desto mehr leert es sich. Langsam kehrt die Ruhe ein, die der menschenscheue König ein Leben lang gesucht hatte. In den frühen Morgenstunden erlischt dann auch die Beleuchtung in seinem Lieblingsschloss. (tsch)

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