Die Murnauer Firma Omobi hat den Zuschlag für den Blaues-Land-Bus erhalten. Der soll ab dem 1. November die meisten Orte im nördlichen Landkreis per On-Demand-System mit mehr Mobilität versorgen. Omobi hat Konkurrenten aus ganz Deutschland aus dem Feld geschlagen. „Wir haben das attraktivste Angebot abgegeben“, sagt Geschäftsführer Clemens Deyerling.
Murnau – Eigentlich hatte man im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen für den morgigen Freitag eine große Präsentation geplant. Es sollte ein Tag der Freude und zum Feiern sein. Die Kreisbehörde mit Landrat Anton Speer (Freie Wähler) an der Spitze wollte das Unternehmen vorstellen, das ab dem 1. November zahlreiche Gemeinden im nördlichen Landkreis, mit Murnau an der Spitze, per Rufbus ansteuert und Bürger, die bislang mit Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) unterversorgt sind, von A nach B bringen wird. Eine Überraschung ist es nicht mehr, welche Firma den Zuschlag erhalten hat, obwohl Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts, im Gespräch mit dem Tagblatt den Namen geheim halten wollte („Wer es geworden ist, kann ich nicht sagen, weil der Vertrag erst am Freitag unterschrieben wird“). Die Spatzen pfeifen es dabei längst von den Dächern. Die Firma Omobi, mit Sitz im Murnauer Ortsteil Neu-Egling, hat das Rennen gemacht und ist mit der Neuigkeit an die Öffentlichkeit gegangen.
Firma sucht Fahrer
Per Facebook sucht das Start-up, das On-Demand-Busse bislang im Murnau, Riegsee und Seehausen sowie in den Landkreisen Miesbach, Mühldorf und Traunstein anbietet, Fahrer. Dort heißt es zudem: „Seit vier Jahren betreiben wir erfolgreich den Ortsbus in Murnau am Staffelsee. Jetzt starten wir mit dem neuen Projekt des Landkreises Garmisch-Partenkirchen – dem Blaues-Land-Bus – weiter durch . . .“. Omobi-Geschäftsführer Clemens Deyerling hat am Montag die frohe Botschaft erhalten, er sieht in seinem Vorpreschen und den Gang an die Öffentlichkeit „kein Problem. Das war so abgesprochen“. Was Speer bestätigt. „Bei Omobi wusste man ja, dass man den Zuschlag erhalten hat.“ Einige Kreisräte sahen das offenbar nicht so locker. Kommunalpolitiker, die namentlich nicht genannt werden wollen, wunderten sich, dass sie von der Entscheidung zufällig per Facebook erfahren hatten. Die Unterschrift wird Deyerling, derzeit im Kurzurlaub, am Freitag in jedem Fall unter den Vertrag setzen, obwohl der Überraschungseffekt schon verpufft ist.
Deyerling, der mit seinem Partner Robert Schotten das Unternehmen aufgebaut hat, freut sich wie Bolle, dass er zahlreiche Konkurrenten aus ganz Deutschland, die Ausschreibung war sogar europaweit gelaufen, aus dem Feld geschlagen hat. „Wir sind unheimlich stolz darauf, als lokale Firma zum Zuge gekommen zu sein. Das sind die Lorbeeren für unsere Arbeit.“ Dass die Omobi-Chefs die Sektkorken knallen lassen durften, hat nur einen Grund: „Wir haben das attraktivste Angebot abgegeben“, sagt Deyerling. Dem stimmt Landrat Speer zu. „Wir müssen stets das wirtschaftlichste Angebot nehmen, und das kam ganz eindeutig von Omobi.“
Mit dem Zuschlag darf man sich in der Unternehmens-Zentrale in Neu-Egling allerdings nicht ausruhen. Die Akquirierung für neues Personal, vorzüglich Fahrer, läuft schon auf Hochtouren. Zusätzlich benötigt man neue Busse. Fünf Elektrofahrzeuge, so steht es in der Ausschreibung, muss Deyerling anschaffen. Das heißt nicht, dass die alten, die mit Dieselkraftstoff fahren, ausgemustert werden. Man brauche Ersatzbusse, zudem könnten sie in anderen Regionen, in denen Omobi ein On-Demand-System betreibt, eingesetzt werden.
Die neuen umweltfreundlichen Neun-Sitzer werden nicht als „Blaues-Land-Busse“ unterwegs sein. Das hatte Dr. Elisabeth Zeitler, die Mobilitätsmanagerin des Landkreises, vor einigen Tagen bei der Sitzung des Kreistags in Ohlstadt deutlich gemacht. „Das war ein Arbeitstitel, das wird sich noch ändern.“ Ebenso wie die Farbgebung. Für Name und Koloration hat man beim Landratsamt eine Agentur beauftragt. „Wir brauchen einen Wiedererkennungswert beim Bürger“, sagt Scharf. Der Landkreis beschreitet damit einen ähnlichen Weg wie andere Kommunen, in denen ein Rufbus unterwegs ist. Beispiele gefällig? In Holzkirchen heißt er „Hoki“, in Hürth „Hüpper“, in Limburg „Lahnstar“ und in Höxter „Holibri“.
Zuschüsse fließen großzügig
Im Kreistag hat das Modell eine breite Basis. Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der – im Gegensatz zum Gros seines Gemeinderats – noch nie einen Hehl daraus gemacht, wie gut er den Rufbus findet, sagte: „Es gibt eine ÖPNV-Lücke, die dieser Bedarfsverkehr schließen kann.“ Ein wesentlicher Punkt bei der Aufnahme des Betriebs ist die Finanzierung. „Das Risiko für das Projekt trägt der Landkreis“, sagt Zeitler. Dabei fließen die Zuschüsse großzügig. Zeitler rechnet mit einer Finanzspritze von 360 000 Euro, die vom Freistaat kommt. „Die Förderung ist sehr komplex“, unterstrich sie. So werden die Gemeinden aus den Altgebieten – Murnau, Riegsee und Seehausen werden derzeit schon von Omobi angefahren – nach dem Betriebskostendefizit unterstützt. Die neu dazugekommenen Kommunen Schwaigen, Ohlstadt, Uffing und Spatzenhausen erhalten eine Anschubfinanzierung. Genaue Zahlen konnte Zeitler nicht nennen. Die wollte sie erst in nichtöffentlicher Sitzung bekanntgeben.
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