Mit Juchee in den Lautersee

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Abflug in den Lautersee: Pfarrvikar Korbinian Wirzberger springt in Mönchskutte. © PRIVAT

Selbst Pfarrvikar Wirzberger hebt ab: 43 Waghalsige messen sich beim feuchtfröhlichen Mittenwalder Dirndlspringen.

Mittenwald –Zu abendlicher Stunde rückt Pfarrvikar Korbinian Wirzberger an. „Was tust Du denn mit der Mönchskutte hier?“, fragt ihn Wasserwachtchef Robert Müller leicht irritiert. Ja, springen wolle er damit, antwortet der katholische Seelsorger – was für den einen das Dirndl, ist für den anderen das Ordensgewand. Und so besteigt gegen 19.30 Uhr der Geistliche an der Wasserwachthütte den Turm und ab geht‘s ins Wasser. „Der absolute Wahnsinn“, schwärmt Robert Müller. So findet der Höhepunkt des Mittenwalder Dirndlspringens am Lautersee weit nach Ende des offiziellen Wettbewerbs statt. Doch auch der hatte es wieder in sich.

Seit 2016 geht die Gaudi der Wasserwacht in Kranzberg-Bilderbuch-Idylle vonstatten. Diesmal zeigt sich auch das feuchte Element mit 21 Grad von seiner gnädigen Seite. Keiner der tollkühnen Teilnehmer erleidet einen Kälteschock.

Schon zwei Tage vorher haben die Wasserwachtler unter der Regie von Müller und dessen Stellvertreter Ralf Obst mit dem Aufbau und den Vorbereitungen begonnen. Rechtzeitig zum Start sind sie fertig – die Standl für die Verpflegung, die Grillstation, das Zuschauerzelt samt Podest für die Musikanten, die Kinderschmink-Station und vieles mehr. Zuletzt wird noch eine Plane über die Stände gespannt. „Vorsicht ist besser als Nachsicht“, meint Jörg Janicki, dessen Tochter bei der Mittenwalder Wasserwacht ist.

Viel Spaß haben Lukas Kasten aus Grainau und Garderobenfrau Kathrin Pölt aus Wallgau bei der Anprobe.
Viel Spaß und gute Laune haben Lukas Kasten von der Wasserwacht Grainau und seine Garderobenfrau Kathrin Pölt aus Wallgau bei der Anprobe. © PETER KORNATZ

Insgesamt werkeln etwa 30 Freiwillige für ein schönes Lautersee-Fest. Damit sich Teilnehmer und Gäste vor dem Springen stärken können, läuft die Verpflegung schon vormittags an. Robert Müller bereitet in bewährter Weise die Steckerlfische höchstpersönlich zu – wie jedes Mal. „140 Makrelen habe ich vor zwei Tagen eingelegt.“ Nun brät er sie am offenen Feuer. Unweit davon brutzeln Schweinenackensteaks, Käsekrainer und Fränkische. Tropisches Flair vermitteln Longdrinks wie Pina Colada oder Tequilla Sunrise. Kurzum: Es wird an alles gedacht. 

Der Höhepunkt für die Kinder ist diesmal das Water-Roll-Ball-Laufen. Dazu steigen sie in einen großen Wasserball ein. Nach dem Aufpumpen wird er wasserdicht verschlossen und an einer Sicherungsleine in den See gerollt. Die Kinder können sich auf dem Wasser in der großen Kugel austoben. Der Andrang ist riesig.

In der Zwischenzeit nimmt Kathrin Gottschling die Anmeldung der mutigen Springer entgegen. 43 liegen vor, das sind etliche mehr als beim letzten Dirndlspringen. Eingekleidet werden sie von Heidi Filser-Reiser von der gleichnamigen Gwandstub‘n. Besonders lustig geht‘s bei der Anprobe der Mannsbilder zu. Brauchen sie doch zum Ausfüllen der Gewänder oben herum Masse. Im Angebot stehen sämtliche Größen. Von hinten schreit einer: „Mein Busen ist geplatzt, bringt mir einen neuen, aber nicht so groß.“ Stolz tragen die zur Frau geworden Männer ihre Brüste zur Schau. Viele machen tatsächlich eine gute Figur und prahlen mit den entsprechenden Körbchengrößen.

Auf sie kommt‘s an: (v. l.) Simone Baumann, Heidi Filser-Reiser und Linda Obst vergeben die Punkte. Mit dabei: Moderator Flori Reiser mit Ehefrau Sandra.
Auf sie kommt‘s an: (v. l.) Simone Baumann, Heidi Filser-Reiser und Linda Obst vergeben die Punkte. Mit dabei: Moderator Flori Reiser mit Ehefrau Sandra. © PETER KORNATZ

Nun kann das Springen beginnen. Flori Reiser moderiert. Die Teilnehmer aus Mittenwald, ausgesprochen viele Urlauber und einige Tiroler Nachbarn wagen sich vom Fünf-Meter-Turm in die Tiefe des Sees. Überrascht werden die Zuschauer mit Backflips, Rückwärtssalti, Polkasprung, dem Kölner-Dom-Sprung, Kerzen, Pflatsch und mehr. Lustig anzuschauen, Langeweile kommt dabei nicht auf. Für die Sprünge gibt‘s von der Jury Punkte.

Diese große Verantwortung haben Heidi Filser-Reiser, Simone Baumann und Linda Obst übernommen. Die ersten sechs erhalten Pokale, für weitere Teilnehmer gibt‘s Sach- und Gutscheingeschenke. Aber es geht nicht um Sieg und Niederlage. Einzig und allein zählt der Spaß und davon haben die Aktiven wie die Gäste jede Menge. Die Mittenwalder Wasserwachtler sorgen für die Sicherheit. Zwei Boards und das Motorboot platzieren sich vorm Sprungturm und beobachten, dass alle wieder auftauchen. Außer den Luftballons, die vorm Absprung noch als Brüste dienten, haben sie nichts zu retten. PETER KORNATZ

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