Novum beim Heimatsound-Festival: Es gibt noch Karten

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Der Andrang auf das Heimatsound-Festival in Oberammergau ist unvermindert groß. Doch die Veranstalter haben das Verkaufsprozedere geändert. Deshalb sind noch Resttickes verfügbar. Also: Schnell zuschlagen.

Stimmung pur vor im ausverkauften Haus: Dafür steht das Heimatsound-Festival (hier 2023) seit zehn Jahren.
Stimmung pur vor im ausverkauften Haus: Dafür steht das Heimatsound-Festival (hier 2023) seit zehn Jahren. © Dominik Bartl

Frederik Mayet ist ein alter Fuchs im Kulturgeschäft. Im eigentlichen Sinn nicht alt mit seinen 44 Jahren. Aber mit über 18 Jahren Erfahrung am Münchner Volkstheater, als Künstlerischer Direktor und Pressesprecher, weiß er genau, wie der Laden funktioniert. Und wie das normalerweise läuft mit Veranstaltungen: „Ein Hoffen und Bangen“ ist‘s, dass sich genügend Menschen dafür interessieren. Kaum ein Theaterstück oder Konzert ist ein Selbstläufer. Doch in Oberammergau, wo er in der Geschäftsführung der Passionstheater GmbH sitzt und den Kultursommer mit organisiert, da hat Mayet diesen Schatz. Das Heimatsound-Festival. 2015, im dritten Jahr, passierte etwas, was er damals nicht fassen konnte: Innerhalb von einem Tag war das Festival ausverkauft – obwohl wie gewohnt nur wenige Bands feststanden. „Wahnsinn war das.“ Seitdem wurde der Ausverkauft-Geschwindigkeits-Rekord mehrfach unterboten. Er liegt bei 39 Minuten, aufgestellt am 23. November 2017.

Stimmung und Party, Blasmusik und Elektro: Dafür steht die Band Erwin und Edwin.
Stimmung und Party, Blasmusik und Elektro: Dafür steht die Band Erwin und Edwin. © Lena Baloch

Für heuer lief das mit den Karten anders. Erstmals gaben die Veranstalter nicht sofort alle auf den Markt. 700 der 3200 hielten sie zurück, für Fans jener Bands, die erst später bekannt gegeben werden. So kommt’s zu einer ungewöhnlichen Konstellation: Drei Tage vor dem Start gibt es Restkarten für das Festival am 2. und 3. August, die erst jetzt freigegeben wurden. Und die sicher noch weggehen, glaubt Mayet. Der Andrang auf den ersten Schwung jedenfalls war unvermindert groß.

Alle Infos und Tickets

gibt es unter www.passionstheater.de/heimatsound-festival. Dort kann man auch Tickets kaufen. Das Zwei-Tages-Ticket kostet 89, ein Tag 63 Euro. Wer nur die Atmosphäre am Passionstheater genießen, etwas trinken und an den sieben Ständen aus der Region etwas Gutes essen möchte, kann einfach vorbeikommen. Der Eintritt auf das Gelände ist frei. 

Josh, Lemo, Dreiviertelblut, Steaming Satellites, Raketenumschau – sie alle und mehr kommen ins Passionstheater nach Oberammergau. Nicht die Megastars unter den Dialektmusikern, doch das zeichnet Mayet und sein Team aus: Jene Bands zu verpflichten, die erst morgen berühmt werden – und heute noch bezahlbar sind. Wie einst Wanda oder Seiler und Speer. „Ein Glücksgriff damals“, sagt Mayet. „Aussichtslos heute.“ Sie würden das Budget sprengen. Über genaue Zahlen spricht er nicht. Betriebsinterna. Doch sein Rechenbeispiel gibt einen Einblick. 89 Euro kostet das Zwei-Tages-Ticket, rund 3200 gibt’s. Macht 284 800 Euro. Davon müssen die 14 Bands, ihr Catering, ihre Übernachtungen sowie Ton, Licht und Securitypersonal bezahlt werden. Ihren Gewinn erzielt die Passionstheater GmbH über den Getränkeverkauf. Über dessen Höhe schweigt Mayet ebenfalls. „Aber es bleibt was hängen.“ Freilich nur, weil so viele ehrenamtlich mithelfen. „Dieses Festival wird vom Dorf raus gelebt, das macht’s so schön.“

Einheimische wie Auswärtige lieben das Heimatsound. Aus ganz Bayern und aus Tirol kommen sie zum Campen. Ein paar Gruppen legt ihnen Mayet besonders ans Herz. Endless Wellness etwa, für den Organisator eine dieser Bands, die bald groß rauskommen. „Das könnte eine Entdeckung sein.“ Zudem Erwin und Edwin. „Die machen richtig Stimmung.“ Dann noch die gnadenlos unromantische Malo. Und Salò, dieser „super Typ“. Aber auch ein wenig anders, „wilder, punkiger, rockiger – ich bin gespannt“.

Pop trifft auf Punk, ein guter Typ auf gute Musik:  Auf Salò freut sich für Organisator Frederik Mayet besonders.
Pop trifft auf Punk, ein guter Typ auf gute Musik: Auf Salò freut sich für Organisator Frederik Mayet besonders. © Edwin Rosen

Der Musiker gehört zu den Versuchen. Jahr für Jahr probieren die Organisatoren etwas aus. 2023 beispielsweise SLATEC zum Freitagsabschluss. Eine Technoband. Skurril, derb, anders. Die einen haben sie gefeiert, die anderen verließen irritiert das Theater. „Und das darf auch sein“, sagt Mayet. Bei 14 Bands kann mal eine polarisieren oder nicht gefallen. 

Einen Schönheitsfehler hat das Festival in diesem Jahr: Ebenfalls am Wochenende findet in Eching die Brass Wiesn, das bekannte Blasmusik-Festival, statt. Zwei Veranstaltungen, eine Zielgruppe. Nicht optimal, ließ sich offenbar nicht anders lösen.

So eine Terminkollision würde Mayet im nächsten Jahr gerne vermeiden. Doch seinen kurzen Blick nach vorne unterbricht er sofort selbst. Verbietet sich wohl angesichts der Debatten, die derzeit Oberammergau bestimmen. Rund um die Zukunft von Christian Stückl als Spielleiter der Passion 2030 und damit auch um die Zukunft der Kultursommer-Reihe, zu der das Festival gehört. „Wer weiß, ob wir das Heimatsound im nächsten Jahr noch haben“, sagt Mayet. Im Volkstheater, das Stückl leitet, ist er sein wichtigster Mann, in Oberammergau gehört er zu seinen engsten Unterstützern. Geht Stückl, geht womöglich auch das Kultursommer-Team (wir berichteten). Und auch das Festival wäre womöglich Geschichte. So richtet sich Mayet indirekt an die Kommunalpolitiker, wenn er sagt: Er könne sich nicht vorstellen, dass man solch eine Ausnahme-Veranstaltung am Ende wirklich beerdigt. „Wenn man schon etwas hat, das so gut läuft.“

Gesperrte Straßen, verfügbare Parkplätze

Damit das Heimatsound-Festival reibungslos über die Bühne gehen kann, trifft die Gemeinde Oberammergau Vorkehrungen für den Verkehr. Angeordnet wird:
1. Der Umgriff des Passionstheaters (Theaterstraße, teilweise Feldiglgasse, Ottmar-Weis-Straße, Devrientweg, Passionswiese) ist von Freitag, 2. August, ab 12 Uhr bis Sonntag, 4. August, bis 11 Uhr für den Verkehr gesperrt.
2. Für die Besucher der Veranstaltung stehen die Großparkplätze an der Ettaler Straße (Festplatz), am Turnerweg, an der Eugen-Papst-Straße sowie ein Großteil der Parkplätze im Ortszentrum zur Verfügung.
3. Der Recyclinghof ist während der Sperrung über die Warbergstraße erreichbar.

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