Handys weg, Schulstart 8.30 Uhr: So läuft‘s bald auf Herrschings Gymnasium

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„Die Hütte ist voll“, freute sich Bürgermeister Christian Schiller (4.v.r.). Beim Informationsabend dabei waren außerdem (v.l.) Altlandrat Karl Roth, Hausherr Christian Schmitz (Leiter der Realschule), Dr. Sonja Sulzmaier (2. Vorsitzende des Fördervereins), Fördervereinsvorsitzender Jens Waltermann, Schulleiterin Dr. Eva Weingandt, Landrat Stefan Frey und Kreiskämmerer Stefan Pilgram. Mit wie vielen Schülern das Gymnasium startet, steht noch nicht fest. © Andrea Jaksch

Rund 750 Interessierte – vor allem Eltern und viele Schüler – kamen am Dienstagabend zur vermutlich letzten Informationsveranstaltung vor Inbetriebnahme des Gymnasiums Herrsching. Landrat Stefan Frey und Schulleiterin Dr. Eva Weingandt berichteten über Projektstand und Konzept.

Herrsching - Wer will, kann sich das Gymnasium Herrsching schon heute ansehen und das sogar in Dauerschleife: Seit Dienstag ist die Internetseite der neuen Schule im Mühlfeld unter gym-herrsching.de abrufbar. Und mit ihr ein Film, in dem Landrat Stefan Frey als Bauherr den geneigten Zuschauer mitnimmt auf einen Spaziergang durch den Rohbau. Fest steht, dass der Schulbetrieb heuer im September mit den Jahrgangsstufen 5 bis 9 aufgenommen wird. Nicht alles wird bis dahin fertig sein, aber der Vorfreude tut dies keinen Abbruch. Wie groß das Interesse an der Schule ist, bewies die Informationsveranstaltung, zu der der Förderverein Gymnasium Herrsching und das Starnberger Landratsamt am Dienstagabend in die Dreifachturnhalle der Realschule eingeladen hatten. Rund 750 Interessierte wollten mehr erfahren über die Schule, das Konzept und die Überlegungen von Schulleiterin Dr. Eva Weingandt.

Für den Förderverein war es die 16. Informationsveranstaltung seit seiner Gründung 2009. Jens Waltermann aus Breitbrunn steht von Anfang an unerschrocken an der Spitze und hat sich auch am Dienstag wieder im Amt bestätigen lassen. Er trat „einigermaßen überwältigt“ ans Rednerpult: „So viele Menschen hatten wir auf der Reise nicht an einem Platz.“ Es seien 16 Jahre mit Höhen und Tiefen gewesen, resümierte er. „Manchmal dachten wir, es sollte ein Atomkraftwerk gebaut werden und keine Schule.“ Er erinnerte damit an die schwierige Suche nach einem Grundstück und an die Proteste, die es gegen den Bau in Mühlfeld gab.

Landrat Stefan Frey hat fortgeführt, was sein Vorgänger Karl Roth und Bürgermeister Christian Schiller 2008 angestoßen hatten. Am Dienstag stellte er nicht nur den Film vor, in dem der Betrachter eine Idee davon erhält, wie sich ein Unterricht mit diesem Blick auf den See anfühlt. Frey hatte auch einige Zahlen im Gepäck und einen Zeitplan.

Der Projektstand

Seit 2022 wird gebaut. Die Tiefbauarbeiten seien weitestgehend fertiggestellt, sagte Frey. Die noch fehlende Mittelinsel zur sicheren Überquerung der Mühlfelder Straße werde vor Schulstart fertig, versicherte er. Der Kostenrahmen in Höhe von 110 Millionen Euro könne eingehalten werden, gefördert werde das vierzügige Gymnasium mit rund 21 Millionen Euro. Auch wenn der Bau in eine „ungünstige Zeit hineingekommen ist, in der die Baukosten in die Höhe schossen, ist es gut investiertes Geld“. Am 18. August soll der Teilbereich, der für die Inbetriebnahme relevant ist, fertiggestellt sein, am 2. Januar 2026 der zweite Teilbereich. „Es wird knapp werden, denn es ist echt noch eine Menge zu tun“, sagte Frey, zeigte sich aber zuversichtlich.

Die Ausbildungsrichtung

Eva Weingandt freute sich, dass die Ausbildungsrichtung am Montag vom Kultusministerium bekannt gemacht wurde. Die Unterstufe startet mit einer Fremdsprache, Englisch. In der 7. Jahrgangsstufe kommen Französisch oder Latein dazu, in der achten Jahrgangsstufe teilt sich das Gymnasium in einen sprachlichen Bereich mit der dritten Fremdsprache Spanisch und in einen naturwissenschaftlichen, technologischen Bereich mit Physik, Chemie und Informatik auf.

Zu Ohren gekommen sei ihr das Gerücht, dass es keine Noten geben würden, sagte die Schulleiterin – und zog allen, die darauf hofften, diesen Zahn. „Die gibt es.“ Schulaufgaben und Test allerdings fänden unter ihrer Leitung nicht ohne Vorankündigung statt. „Sie können von Schülern auch selbst initiiert werden.“ Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit würden genauso großgeschrieben wie Teamarbeit. Zwei Dinge dürften das Herrschinger Gymnasium darüber hinaus von anderen Schulen unterscheiden: Handys werden beim Betreten der Schule bis Schulschluss verschlossen verwahrt – und Schulbeginn ist erst um 8.30 Uhr. Zumindest letztere Nachricht sorgte bei den Schülern in der Halle für Jubel.

Die Alleinstellungsmerkmale

Die Herrschinger Schule ist das erste Gymnasium im Landkreis, in dem in sogenannten Lernhäusern und Fachwelten unterrichtet wird. Die Fertigstellung dieser Fachwelten mit den Fachräumen, in denen Mittel- und Oberstufe unterrichtet werden sollen, wird allerdings nicht bis zum September fertiggestellt sein. Die Mittelstufe werde deshalb im ersten Halbjahr zunächst in den Lernhäusern der Unterstufen unterrichtet, sagte Eva Weingandt und war sicher: „Wir werden eine gute Lösung finden.“

In Herrsching wird darüber hinaus eine Ganztagsbetreuung für die Unterstufe angeboten. Das „Herrschinger Modell“ umfasst von Montag bis Donnerstag mindestens zwei und wenn gewünscht vier Tage von 8 bis 16 Uhr. Schüler der Mittelstufe haben die Möglichkeit, sich im teilgebundenen Ganztag anzumelden, sind aber nicht dazu verpflichtet.

Die Anmeldung und der Zeitplan des Schulstarts

Die Anmeldung für die Jahrgangsstufe 5 beginnt Anfang April auf der Homepage des Gymnasiums. Die Einschreibung findet am 5./6. Mai statt. Der Probeunterricht findet vom 13. bis 15. Mai im Gymnasium Tutzing statt. Kinder der Jahrgangsstufen 6 bis 9 können ab sofort angemeldet werden. Schüler aus Vorläuferklassen in Gilching und Germering werden bevorzugt. Auch diese Anmeldeformulare sind auf der Internetseite abrufbar. Schulstart ist wie an allen staatlichen Schulen im Freistaat der 16. September 2025.

Viele Fragen an die Schulleiterin

Als Schulleiterin Dr. Eva Weingandt anbot, Fragen zu beantworten, bildete sich eine lange Schlange vor dem Mikrofon. Schüler wollten beispielsweise wissen, ob Schullandheim-Aufenthalte angeboten werden („vermutlich ab dem zweiten Schuljahr“), ob sie mit ihren aktuellen Schulfreunden in eine Klasse kommen, ob es Arbeitsgruppen gibt, etwa einen Chor („müssen erst aufgebaut werden“), ob es Freistunden gibt („in denen könnt ihr dann selbstständig arbeiten“) oder wie die Schule heißen soll („das entscheidet die Schulgemeinschaft später demokratisch“).

Eltern fragten zum Beispiel nach, ob Auslandsaufenthalte in Zusammenarbeit mit Partnerschulen möglich sein werden. Eva Weingandt konnte sich das gut vorstellen. Aber auch das müsse erst mit dem Kollegium aufgebaut werden, sagte sie. Eine Mutter wollte wissen, ob es im Lernhaus nicht zu laut sei, um zu lernen. Die Schulleiterin antwortete ganz klar: „Ein Lernhaus ist kein Pausenhof. Es gibt Regeln.“

Wenn Schulbeginn erst um 8.30 Uhr sei, sei dies möglicherweise gefährlich für die Schüler, die zu Fuß kommen und die Mühlfelder Straße queren müssten, befürchtete ein Vater. „Da brauchen wir eine Unterführung“, sagte er. Bürgermeister Christian Schiller verwies auf die Mittelinsel, die noch gebaut wird, und hofft darauf, dass vor der Schule Tempo 30 gilt. Dies wird in den kommenden Tagen entschieden. Ein anderer Vater fragte, ob in Doppelstunden unterrichtet werde. „Teilweise sogar auch epochal“, erklärte Eva Weingandt. Der Schwerpunkt liege aber auf Doppelstunden. Auf die Frage, ob Lehrer ihre Handys ebenfalls abgeben müssten, antwortete die Schulleiterin kurz und knapp: „Lernen durch Vorbild.“

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