Typisierungsaktion in Herrsching: Handball-Familie bittet um Mithilfe

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Daumen hoch: Karlheinz Ketterer ist voller Zuversicht. Der Unterstützung seiner Kinder und des TSV kann er sicher sein. Auf dem Foto ist er mit Tochter Annemarie zu sehen. © Privat

Die Handball-Abteilung des TSV Herrsching beweist einmal mehr Zusammenhalt. Nachdem der Vater von drei aktiven Spielern an Leukämie erkrankt ist, haben die Verantwortlichen um Abteilungsleiterin Christina Reich alle Hebel in Bewegung gesetzt und eine Typisierungsaktion organisiert: am Sonntag in der Nikolaushalle.

„Wir wissen, was es bedeutet, sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen und Zusammenhalt zu zeigen. Auch im Kampf gegen Blutkrebs können wir als Team viel bewegen. Und jetzt braucht Karlheinz unsere Hilfe.“ Das schreiben die Handballer des TSV Herrsching in einem Aufruf für eine Typisierungsaktion, um sich registrieren zu lassen. Denn einer von ihnen, Karlheinz Ketterer (67), ist an Blutkrebs erkrankt. Am kommenden Sonntag, 26. Januar, werden alle, die zwischen 17 und 55 Jahre alt und gesund sind, gebeten, sich typisieren zu lassen. Die Aktion findet zwischen 10 und 18 Uhr in der Nikolaushalle in Herrsching statt.

Karlheinz Ketterer ist Herrschinger seit Geburt. Viele Menschen kennen ihn als Zahnarzt, auch wenn er seine Praxis schon im Jahr 2021 verkauft hat. Und seine drei Kinder, 32, 24 und 22 Jahre alt, sind wie er selbst fest verwurzelt in der Handball-Abteilung des TSV Herrsching – die Kinder als Spieler, der 67-Jährige als Kampfrichter und Unterstützer. Als ihm die Ärzte am 30. November vergangenen Jahres mitteilten, er habe Leukämie, ging diese Nachricht an der Handball-Abteilungsleitung nicht klanglos vorüber. Und Abteilungsleiterin Christina Reich zögerte nicht lang: „Wir sehen uns als Handball-Familie, alle seine Kinder spielen bei uns. Da wollten wir auf jeden Fall etwas machen.“

Als Schulmediziner hat Ketterer schon selbst alle Hebel in Bewegung gesetzt. Und er war gerührt, als Christina Reich auf ihn zukam. Gerne ist er das Gesicht der Aktion, die vielen anderen Menschen ebenso helfen kann wie ihm. „Nicht irgendwelchen Menschen“, betont Ketterer, dem gerade erst der Fall einer 31-jährigen Mutter zwei kleiner Kinder aus Herrsching bekannt wurde, die ebenfalls an Leukämie erkrankt ist. „Eine Sportfreundin meiner Frau“, sagt er. Auch einem sechsjährigen Buben aus Andechs könnte geholfen werden, wenn sich ein Spender findet, weiß Ketterer. Er selbst ist voller Zuversicht für seinen Krankheitsverlauf. Die erste Chemotherapie habe er gut überstanden, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Ich habe nur keine Haare mehr.“ Ende des Monats beginne die zweite Chemotherapie. Sobald sich seine weißen Blutkörperchen davon erholt hätten, dürfe transplantiert werden. Ketterer hofft auf eine abschließende Behandlung mit einer rettenden Stammzellenspende Ende April.

Gemeinsam gegen Leukämie: „Dass die sowas machen … toll.“

Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellenspender registrieren lassen. Die Handballabteilung des TSV Herrsching arbeitet mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zusammen. Von den Freiwilligen wird am Aktionstag lediglich ein Wangenabstrich genommen, mit dem im Labor anschließend Gewebemerkmale bestimmt werden. Bei der möglichen Spende gibt es zwei Verfahrensarten – die „periphäre Stammzellentnahme“, bei der Stammzellen aus dem Blut entnommen werden, oder die Knochmarkentnahme, die in zehn Prozent der Fälle angewendet wird. Das Knochenmark regeneriere sich innerhalb weniger Wochen wieder, heißt es im Flyer, die die Handballer veröffentlicht haben.

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Karlheinz Ketterer will am Sonntag auf jeden Fall vorbeischauen, das lässt er sich nicht nehmen, auch wenn er im Kontakt mit Menschen aufpassen muss, weil sein Immunsystem noch schwach ist. „Es gib ja Masken“, sagt er und fügt gleich hinzu, dass er sie nicht mag. Aber diese Aktion sei für ihn beispiellos. „Dass die sowas machen … toll.“

Der TSV Herrsching setzt sich nicht zum ersten Mal für erkrankte Sportler und Mitglieder ein. 2007 waren es die Fußballer, die zugunsten eines Elfjährigen eine Spendenaktion initiierten und 700 Euro zur Finanzierung der Laborkosten zusammenbekamen. Auch die Handballabteilung hat sich bereits für andere Sportler eingesetzt.

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