„Werde wieder mehr Polizist sein dürfen“: Vize-Chef verlässt die Tölzer Inspektion

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Packt zusammen: Der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Rohrhofer wechselt zum 1. Oktober zur Kripo nach Weilheim. © Arndt Pröhl

Über acht Jahre lang war Andreas Rohrhofer stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Tölz. Jetzt zieht es den 56-Jährigen beruflich zu neuen Ufern.

Bad Tölz – Lange habe er gedacht, er gehe in Bad Tölz in Pension, sagt Andreas Rohrhofer. Und eigentlich war das eine Vorstellung, mit der er auch ganz zufrieden gewesen sei, ergänzt der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion auf der Flinthöhe. Doch dann tat sich eine Chance auf – und der 56-Jährige ergriff sie: Zum 1. Oktober verlässt Rohrhofer Bad Tölz und wird Kommissariatsleiter bei der Kriminalpolizeiinspektion Weilheim.

Andreas Rohrhofer wechselt zur Kripo nach Weilheim

Aus einem Job, in dem zuletzt eher Verwaltungsaufgaben im Vordergrund standen, wechselt der Habacher nun wieder zurück an die vorderste Front. Denn der Kriminaldauerdienst ist sowas wie die Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft der Kripo. Er wird gerufen, wenn nachts ein Toter entdeckt wird oder es brennt. „Dann werde ich wieder mehr Polizist sein dürfen“, sagt Rohrhofer. Darauf freut er sich, doch der Abschied aus Bad Tölz „fällt mir schwer“, räumt er ein. Die Zusammenarbeit mit den anderen Behörden sei hier „echt top“ gewesen, sagt er. „Das sieht man von außen immer gar nicht, wie oft wir unsere Köpfe zusammengesteckt haben, um gute Lösungen für Probleme zu finden“. Auch viele der Kollegen wird Rohrhofer vermissen. „Über die Jahre wächst man zusammen. Nur so kann der Beruf gemacht werden, wenn man vertrauensvoll miteinander umgeht.“

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Über acht Jahre war er stellvertretender Inspektionsleiter in Tölz. Einer der ersten Fälle, die bei ihm aufschlugen, war der Reifenstecher von Lenggries. Bei mehr als 130 Autos schlitzte er die Reifen auf, richtete Schaden in Höhe von über 100 000 Euro an. Der Täter wurde ermittelt, blieb aber vor der Verhandlung auf freiem Fuß. „Viele haben damals nicht verstanden, warum die Polizei hier nicht mehr machen konnte“, erinnert sich Rohrhofer. Auch die Corona-Zeit ist ihm natürlich im Gedächtnis geblieben. „Das war schon sehr fordernd.“

Ruf der Polizei „auf keinen Fall schlechter geworden“

Generell seien die Aufgaben der Polizei komplexer geworden – „schon allein im Bereich Cyberkriminalität. Das gab es früher nicht, und die Bearbeitung der Fälle ist wahnsinnig anspruchsvoll“. Dass sich die Haltung der Bevölkerung gegenüber der Polizei verändert hat, hat Rohrhofer dagegen nicht beobachtet. „Wenn ich draußen unterwegs bin, gibt es natürlich kritische Stimmen. Aber es kommen auch immer Leute, die sagen: ,Ich freu’ mich, wenn ich Euch sehe. Ihr habt einen schwierigen Job.‘“ Der Ruf der Polizei sei „auf keinen Fall schlechter geworden“, glaubt er.

Gesunken seien allerdings die Hemmungen mancher Straftäter, Polizisten körperlich zu attackieren, räumt der Polizeihauptkommissar ein. Und das Anspruchsdenken mancher Bürger sei vielleicht höher. Rohrhofer bedauert immer die Kollegen, die an schönen Ausflugswochenenden Dienst haben. „Da kommen dann schon Anrufe von Leuten, die sich beschweren, weil sie im Stau stehen und wollen, dass die Polizei das regelt, weil da bestimmt ein Unfall passiert sei“, sagt der 56-Jährige schmunzelnd.

Seit 2017 bei der Polizei in Bad Tölz im Einsatz

Mit dem Wechsel zur Kripo geht es für den Vater von zwei erwachsenen Kindern im Prinzip zurück zu den Wurzeln. Direkt nach der Ausbildung startete Rohrhofer nämlich 1992 bei der Kriminalpolizeistation in Garmisch-Partenkirchen. Danach war er sechs Jahre Dienstgruppenleiter in der Inspektion Geretsried, bevor er Einstellungsberater bei der Polizei wurde und in Schulen und auf Ausbildungsmessen unterwegs war. „Das war eine schöne Zeit.“

Aber auch da hatte er irgendwann das Gefühl, wieder Polizist sein zu wollen. Über eine erneute Zwischenstation bei der Kriminalpolizeistation Garmisch-Partenkirchen ging es dann nach neun Jahren bei der PI Fahndung, der heutigen Grenzpolizeiinspektion Murnau, 2017 nach Bad Tölz.

Seine blaue Uniform wird Rohrhofer im Dienst künftig nicht mehr anziehen. Auch das wird er vermissen. „Ich hab das schon genossen, auf Veranstaltungen draußen bei den Leuten zu sein und Uniform zu tragen.“ Für ihn sei das auch immer ein Zeichen an die Menschen gewesen, „dass die Polizei da ist, dass man auf uns vertrauen kann“. (va)