Es ist eine echte Schnapsidee, aber eine sehr gute: Anfang Oktober kommt der erste Lenggrieser Single Malt Whisky auf den Markt.
Lenggries – „Wuyd“ haben Anne und Marko Schnürch ihren Whisky getauft – und ein bisschen wild ist auch die Geschichte, die hinter dem Lenggrieser Single Malt steckt. Eigentlich arbeiten die beiden beim Landesamt für Denkmalpflege in München. Sie im Archiv, er in der Verwaltung. Neben dem Beruf gibt es für beide aber auch noch eine echte Berufung. „Ich wollte schon immer brennen“, sagt der 54-Jährige. Vor allem Destillen faszinieren Marko Schnürch. „Die sind wunderschön“, sagt er und lacht. Eigentlich sollte nur eine kleine Apparatur für den Tisch gekauft werden. „Aber je länger wir nachgedacht haben, desto größer wurde die Destille.“
Gleichzeitig beantragte das Paar beim Zoll das Brennrecht. Die Voraussetzungen erfüllten sie: Durch die rund 50 Bienenvölker verfügen sie über eine aktive Landwirtschaft und auch über die notwendigen drei Hektar Land. Die Oberlandbrennerei an der Herwarthstraße war gegründet.
Drei Jahre muss der Whisky reifen, bevor er Whisky heißen darf
„Wir haben dann überlegt, welche Obstbäume wir pflanzen sollen“, sagt Marko Schnürch. Recht schnell gelangten er und seine Frau aber zu der Erkenntnis, „dass es hier schon viele sehr gute Obstbrenner gibt“. Sich auf diesem Markt als Neulinge noch etablieren zu können, erschien den Lenggriesern schwierig. Da traf es sich gut, dass ein Freund ein echter Whiskyexperte ist und Schnürch selber schon seit 15 Jahren hobbymäßig Bier braut. „Die Arbeit mit dem Malz ist eigentlich dieselbe“, sagt er. „Also haben wir gesagt: Dann machen wir halt Whisky.“
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Das ist allerdings nichts für Menschen, die einen schnellen Erfolg wollen. Denn Whisky – hergestellt aus bayerischer Gerste – muss mindestens drei Jahre lang reifen, bevor er so genannt werden darf. 2022 füllten Schnürchs das erste Fass. „Die Fässer kann man im Internet bestellen“, sagt Anne Schnürch. Sie und ihr Mann wählten ganz unterschiedliche Exemplare. Der erste Whisky, der am 3. Oktober abgefüllt wird, kommt zum einen Teil aus einem gebrauchten Bourbon-Fass, zum anderen Teil aus einem neuen Fass aus amerikanischer Eiche. Wie heller Bernstein sieht der Single Malt aus – süß auf den Lippen, samtig im Mund. Eher nichts für diejenigen, die gerne zu den rauchigen schottischen Sorten greifen, ideal für alle anderen.
Die zweite Charge stammt aus einem Fass aus amerikanischer und französischer Eiche
Die zweite Charge, die einen Tag vor Heiligabend reif sein wird, lagert in einem neuen Fass aus amerikanischer und französischer Eiche. Der Farbton des Whiskys ist viel dunkler, der Geschmack kräftiger. Es gibt aber auch Fässer, in denen zuvor Weine und Süßweine wie Recioto, Marsala und Amarone reiften. Besonders großes Interesse, verrät Anne Schnürch, besteht schon jetzt an dem Whisky, der aus dem Ahornsirup-Fass kommen wird. Ende Januar 2026 wird er drei Jahre alt. Der exotischste Geschmack könnte vielleicht aus dem sehr kleinen Fass kommen, in dem sich zuvor Hagebuttenwein befand. Schon bevor der erste Whisky verkauft wird, ist er übrigens bereits preisgekrönt. Denn der „White Dog“, das ist die durchsichtige Spirituose direkt nach dem Brand und vor dem Lagern, hat bei Wettbewerben schon Auszeichnungen gewonnen.
Flasche Nummer 1 ist unverkäuflich
Rund 500 nummerierte 0,5-Liter-Flaschen wird die erste Charge umfassen. Ganz genau könne man es nicht sagen, erklärt Anne Schnürch, weil man nicht wisse, wie groß der „Angels Share“ ist. Das ist der Anteil, der über die Jahre verdunstet. 49,90 Euro wird eine Flasche kosten. „Wir haben auch schon einige Vorbestellungen“, sagt Marko Schnürch. Nur die Flasche mit der Nummer 1 ist unverkäuflich. „Die behalten wir.“
In der Karwendel-Dry-Gin kommen Blütenpollen der eigenen Bienen
Künftig ist geplant, das eine oder andere Fass auch mal länger als drei Jahre liegenzulassen. Dafür wird die Produktionsmenge etwas gesteigert. Aber wirklich nur etwas, „denn es soll kein Massenprodukt werden“, sind sich beide einig. Möglich wird die Mengensteigerung durch die Neuanschaffung, die im künftigen Verkostungsraum steht. Das Paar hat eine größere Destille gekauft. Sie ist gebraucht, das Kupfer glänzt aber wie neu. Das Gerät ist ganz der Whiskyproduktion vorbehalten – sobald sie der Zoll freigegeben hat.
In der bisherigen Apparatur wird dann nur noch Karwendel-Dry-Gin gebrannt. Hier hat das Ehepaar während der Whisky-Wartezeit gemeinsam mit einem Rezeptentwickler zwei Varianten zusammengestellt, eine klassische und eine mit Zitrusnote. Für das ungewöhnliche, aber angenehme Aroma des Gins sorgt der Bio-Blütenpollen der eigenen Bienen. „Das ist weltweit einzigartig“, sagt Marko Schnürch. „Das bringt eine florale Note rein.“ Bei Wettbewerben stelle das die Jury meistens vor ein Rätsel. „Gras oder Tee wurde schon vermutet“, sagt Anne Schnürch und lacht.
Zu haben sind die Spirituosen aus Lenggries in ausgewählten Geschäften und auf www.oberlandbrennerei.de. Oder man schaut bei Schnürchs an der Herwarthstraße 2 vorbei und kauft vor Ort. Da es keine festen Öffnungszeiten gibt, sollte man vorher unter 01 79/1 34 63 33 anrufen.