Die Median Buchberg-Klinik in Bad Tölz ist mit Kritik konfrontiert. Im Fokus der Vorwürfe stehen das Essen sowie die therapeutischen Behandlungen.
Bad Tölz – Drei Patienten, die unabhängig voneinander einen Aufenthalt in der auf neurologische, orthopädische und kardiologische Erkrankungen spezialisierten Buchberg-Klinik in Bad Tölz hatten, schildern ihre Eindrücke unserer Zeitung. Seit August 2024 ist die Chefärztin für Orthopädie, Dr. Felicitas Stocker, auch die kaufmännische Leiterin der Reha-Klinik. Im persönlichen Gespräch stellt sich die Ärztin der Kritik und erklärt ihre Sichtweise, die Herausforderungen und auch, an welchen Stellschrauben bereits gedreht wurde.
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Ergo-Therapie wurde immer wieder abgesagt
Gudrun K. verbrachte kürzlich aufgrund von Langzeitfolgen nach einem Unfall eine dreiwöchige Reha in der Buchberg-Klinik. „Die Gegend ist eine Erholungsoase, und ich hatte große Hoffnung, bevor ich in meinen neuen Beruf starte, gesundheitlich weiterzukommen“, sagt die Kassenpatientin. Allerdings habe die Dachauerin jetzt, unmittelbar nach der Reha, nicht das Gefühl, von der Zeit profitiert zu haben. „Es war ein Problem mit den Therapien. Ich benötige Ergo-Therapie, und die wurde mir immer wieder abgesagt“, berichtet sie. „Auch auf meine Nachfragen, wann ich mit der Ergo-Therapie drankomme, wurde oft nicht wirklich reagiert“, so ihre Ausführungen. „Erst als ich mehrmals klargemacht habe, dass ich noch keine einzige Ergo-Therapie hatte, wurden die Leute aktiv. Man muss selbst dahinterher sein, sonst passiert wenig.“
„Man muss viel Eigeninitiative zeigen, dass das mit den Therapien läuft“
Ähnliches schildert ein Münchner (57) von seiner dreiwöchigen Reha. „Es wurden schon viele Anwendungen abgesagt, der Wochenplan war recht dünn.“ Der Privatpatient räumt allerdings auch ein: „Klar, wenn die kein Personal herbekommen, können sie ja auch nichts machen. Das Problem gibt es ja überall. Dennoch war es für meine Situation zu wenig.“ Auch eine 31-jährige Münchnerin, die nach einer Knie-Operation sechs Wochen in der Tölzer Klinik verbrachte, meint: „Man muss viel Eigeninitiative zeigen, dass das mit den Therapien läuft.“ Aber: „Die Physio war wirklich okay.“ Ihr Hauptproblem sei gewesen, dass einige Ärzte schlecht Deutsch gesprochen hätten. „Die Kommunikation war super schwierig und ich hatte das Gefühl, dass manche Ärzte keinen Plan von meinem Verletzungsbild hatten.“
Chefärztin nimmt offen Stellung zur Kritik
Dr. Felicitas Stocker bezieht offen Stellung: „Es gibt von der Deutschen Rentenversicherung klare Vorgaben, welche Therapien ein Patient bekommen muss. Und wir erfüllen diese Kriterien.“ Natürlich sei die Personallage auch für die Buchbergklinik eine Herausforderung. „Aber ich denke, wir sind ganz gut aufgestellt.“ Trotzdem: „Wenn es eine Grippewelle gibt oder sich in der Früh ein Mitarbeiter krankmeldet, müssen wir kurzfristig reagieren, und da kommt es zu Verschiebungen.“ Dann gelte das Credo: „Bevor eine Gruppentherapie abgesagt wird, wird eine Einzeltherapie gecancelt. Sonst fällt die Behandlung ja gleich für mehrere aus.“ Stocker versichert, dass abgesagte Therapien nachgeholt werden würden. „Daher geben wir in Papierform auch nur Tagespläne raus.“ In einer App könne man zusätzlich einen Wochenplan einsehen. „Hier gibt es fortlaufend Updates, aber viele wollen die App leider nicht nutzen.“
Auch das Essen ist ein Aufreger
Zur Kommunikation sagt sie: „Das deutsche Gesundheitswesen funktioniert ohne Fachkräfte aus dem Ausland einfach nicht. Auch wir haben internationale Fachkräfte, die die vorgegebenen Sprachtests bestanden haben.“ Wöchentlich gebe es eine Facharzt-Visite. „Sollte man ein Kommunikationsproblem gehabt haben, kann man das da melden.“
Ein weiterer Aufreger: das Essen. Geringe Auswahl, wenig frische Lebensmittel, unschmackhaftes Mittagessen, keine Rücksicht auf Allergien, verschimmeltes Brot, ein unappetitlicher Speisesaal, so die Kritik der drei Patienten. Stocker: „Wir sind uns bewusst, dass es Probleme beim Essen gab und haben darauf bereits reagiert.“ Die Median Kliniken haben eine eigene Servicegesellschaft, die sich um den Catering-Bereich kümmert. „Wir sind auf die Klagen eingegangen, unter anderem mit einem Personalwechsel. Es gibt nun einen neuen Regionalleiter, Betriebsleiter, Serviceleiter und Koch.“ Zudem habe man die Möglichkeit, gegen Aufpreis in einem anderen Speisesaal mit erweitertem Angebot zu essen. Dies hat der 57-jährige Münchner in Anspruch genommen. „Da war das Essen vollkommen in Ordnung“, sagt er.
Vom Gesundheitsamt gibt es keine Beanstandungen
Stocker betont, dass der Vorwurf des verschimmelten Brotes nicht stimme. „Wir hatten auch schon das Gesundheitsamt hier, und da wurde nichts beanstandet“, argumentiert sie. Sie verteidigt das Haus weiter: „Wir hatten und haben zwei Ernährungsberater, jeder neue Patient bekommt eine Buffetschulung, und sollte jemand Allergien haben, finden wir eine Lösung.“ Überdies zeigt Stocker in einer Klinikführung das Salatbuffet mit einem frischen Salat, eingelegtem Gemüse sowie Suppe als Alternative. „Morgens und mittags gibt es dazu noch eine Obstauswahl.“ Allgemein stünden drei Ernährungsvarianten zur Auswahl: Vegetarisch, Vollkost und kalorienreduziert.
„Transformation“ in vollem Gange
Auf Google ist die Klinik aktuell mit 4,2 von 5 Rezensionssternen von insgesamt 99 Patienten bewertet. Auf der Seite Klinikbewertungen.de schneidet die Buchbergklinik bei 102 Bewertungen mit 3,6 von 5 Punkten ab.
Zusammenfassend erklärt Stocker, dass die Klinik sich in einem „Transformationsprozess“ befinde. „Seit 2022 ist der Neubau eröffnet.“ Aktuell läuft im Altbau eine Brandschutzsanierung. „Wir sind uns bewusst, dass wir ein verstaubtes Image hatten und kreieren jetzt ein deutlich moderneres Haus. Was die Therapie betrifft, sind wir mit vielen Pilotprojekten bereits fortschrittlich.“ Sie bittet Patienten, sich mit Problemen sofort an die Klinik zu wenden. „Es ist wichtig, dass wir während der Reha reagieren können.“