Bürgerversammlung: Taufkirchen will hoch hinaus

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Fragen beantworteten Bürgermeister Ullrich Sander (l.) und Landrat Christoph Göbel. © ot

Anwohner wollen keine zwölfstöckigen Hochhäuser an der alten Grundschule. Es ist einer der wenigen Bürgeranträge, mit denen sich der Gemeinderat jetzt auseinandersetzen muss.

Am 9. Juli ist die europäische Trägerrakete Ariane 6 vom Weltraumbahnhof Französisch-Guayana erstmals ins All abgehoben. „Es steckt auch ein Stück Taufkirchen in der Rakete“, sagte Bürgermeister Ulrich Sander bei der Bürgerversammlung. Das oberste Triebwerk stammt aus Taufkirchen. Die Gemeinde will genauso hoch hinaus.

Der Großteil der Stühle blieb leer im Kongresszentrum. Am Vortag waren ähnlich viele Besucher zur Infoveranstaltung zum „Quartier am Bahnhof“ gekommen (wir berichteten). Entwicklungsplanerin Heike Pethe resümierte: „Das Quartier ist eine Chance, an den regionalen Wachstumspfad anzuschließen.“ Derzeit wohnen 18 600 Menschen in Taufkirchen. Seit 2013 wuchs die Gemeinde um 450 Einwohner. Für Jörg Pötke (ILT) sind zehn Jahre zu wenig. Er forderte zwei unabhängige Untersuchungen, zur Bevölkerungsentwicklung und zur Altersstruktur. „Ein derart epochales Vorhaben sollte auf umfassendem Fundament gründen“, sagte er. Die Bürgerversammlung lehnte beide Anträge ab.

Viele Plätze blieben bei der Bürgerversammlung im Kulturzentrum in Taufkirchen leer.
Viele Plätze blieben bei der Bürgerversammlung im Kulturzentrum in Taufkirchen leer. Nur wenige Bürgeranträge gingen an diesem Abend durch. © ot

Keine Bürgerbegehren für Wohnprojekte an Hachinger Bach und Dorfstraße

Weitere Bauprojekte sind das Wohnquartier mit Seniorenheim am Hachinger Bach und der Wohnungsbau an der Dorfstraße. Im September erklärte der Gemeinderat die Bürgerbegehren gegen diese Bauvorhaben zum zweiten Mal in diesem Jahr als unzulässig (wir berichteten).

Auf der anderen Seite der Gleise, neben der alten Grundschule, wohnt Christine Horoschenkoff. Die Gemeinde will das Grundstück an Investoren verkaufen. „Wir wollen keine 12-stöckigen Hochhäuser“, sagte die Anwohnerin. „Es muss zur Umgebung passen.“ Die Bürgerversammlung stimmte für ihren Antrag, mit dem sich der Gemeinderat spätestens bis Januar beschäftigen muss.

Streitpunkt ist das private Gymnasium am Oberweg

Bis 2028 ist die alte Grundschule aber die Heimat der Mittelschüler. Was auch Landrat Christoph Göbel begrüßt: Mit den Sabelschulen könnte Taufkirchen bald ein Gymnasium bekommen. Wenn auch ein öffentliches. „Es gibt viele Eltern, die ihre Kinder auf eine private Schule schicken wollen“, antwortete Sander auf eine Bürgerfrage. Und das Unterhachinger Gymnasium liege für viele Schulkinder näher als eine Schule am anderen Ende von Taufkirchen. Ein Pluspunkt: Die Sabelschulen übernehmen alle Kosten.

Denn die Finanzen in Taufkirchen stehen nicht gut. 37 Millionen Euro Schulden hat die Gemeinde. Die neue Grundschule am Wald kostete 42 Millionen. In etwa so viel, wie auch die neue Mittelschule kosten wird. Sander ist zuversichtlich. „Obwohl wir die Hebesteuer gesenkt haben, sind unsere Gewerbesteuereinnahmen fast gleich geblieben“, sagte er. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Das Personal fehlt: 40 Kinder warten auf Kindergartenplatz

Für den Kindergarten stehen derzeit 40 Kinder auf der Warteliste. Das Betreuungsangebot ist eine der größten Herausforderungen. „Wir haben 98 Plätze, die wir nicht belegen können, weil das Personal fehlt“, sagte Sander. Um den Engpass zu überwinden, kooperiert die Gemeinde mit Airbus und Unterhaching.

Für Aufregung im Saal sorgte das Grundwasser. Im Juni führte Starkregen um den Hachinger Bach zu vollen Kellern. Wer welche Schuld trägt, darüber will Sander an diesem Abend nicht sprechen. „Das Flussbett dort zu öffnen, wird nicht mehr passieren“, versicherte er. Anfang November wird es eine Infoveranstaltung geben.

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