Mieten, Verkehr, Infrastruktur: Experten beantworten Bürgerfragen zum neuen Quartier in Taufkirchen

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An vier Themenwänden beantworten die Fachplaner Fragen. Projektplaner ist Christian Hörmann. © Robert Brouczek

Das geplante Quartier am Bahnhof ist eines der größten Projekte in Taufkirchen in den vergangenen Jahrzehnten. In einer Infoveranstaltung konnten die Bürger nun ihre Fragen an die Fachplaner stellen, die durchaus auch kritisch waren.

Taufkirchen - Eine Gruppe von Bürgern drängt sich um Alexander Süßmuth. Der Verkehrsplaner hat einen Schnellhefter mit Gutachten vor sich liegen. Hinter ihm hängt eine Karte vom „Quartier am Bahnhof“ an einer Pinnwand. Ein älterer Herr pinnt einen Zettel daneben: „Warum berücksichtigt das Verkehrskonzept keine zukünftigen Bauprojekte?“ Bauamtsleiter Stefan Beer schaltet sich ein. „Wir arbeiten an einem Gesamtkonzept für die ganze Gemeinde“, sagt er. „Die Grenzen der Belastung sind uns bewusst.“

Planer beantworten Fragen der Bürger

Rund 150 Taufkirchner sind an diesem Abend ins Kulturzentrum gekommen. Nach vier Vorträgen haben Fachplaner Bürgerfragen an den Themenwänden beantwortet. Es ist die zweite Infoveranstaltung zum „Quartier am Bahnhof“ in Taufkirchen. Seitdem haben Architekten die Ideen der Bürger aufgenommen. Ende 2022 hat die Planungsfirma Cima die ersten Gutachten beauftragt. Zweieinhalb Jahre später steht der Entwurf. Im Juli hat der Gemeinderat beschlossen, den Bebauungsplan zu starten.

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Rund 150 Taufkirchner sind zur Infoveranstaltung ins Kulturzentrum gekommen. © Robert Brouczek

Wohnungen, Kitas, Büros, Praxen, Einzelhandel und Gastronomie

Auf einer knapp 12,6 Hektar großen Fläche westlich der Bahngleise, momentan hauptsächlich ein Gewerbestandort, soll ein lebendiges Quartier mit Wohnungen, Kindertagesstätten, Büros, Praxen, Einzelhandel und Gastronomie entstehen. „Das ist selbst im München-Maßstab etwas Großes“, sagt Projektleiter Christian Hörmann.

Bauarbeiten werden Jahre dauern

Nicht ganz so einfach wird der Ablauf. „Was passiert mit dem Einzelhandel?“, schreibt eine Frau mit blonden Haaren und Brille auf einen Zettel. „Wir müssen tetrisartig denken“, sagt Hörmann. „Wir werden das Quartier in Phasen entwickeln.“ Ein Gebäude kann erst abgerissen werden, wenn ein neues gebaut und die Mieter umgezogen sind. „Das Quartier wird über Jahre in verschiedenen Bauabschnitten entstehen.“ 2000 Einwohner auf einmal könnte Taufkirchen auch nicht bewältigen. Die Neubürger werden sich innerhalb von acht Jahren ansiedeln.

Das Quartier ist nur attraktiv, wenn wir für alle Lebensphasen vom Baby bis zum Greis alle Einrichtungen mitdenken.

Der neue Bahnhofsplatz verlängert die Eschenpassage und wird das Zentrum, in dem es Einkaufsmöglichkeiten geben wird. Um keinen Leerstand zu riskieren, planen Marktanalysten, welche Geschäfte in das Quartier kommen. Vor allem Lebensmittelläden und Drogerie sollen sich ansiedeln. Die Anwohner sollen nicht rüber nach Unterhaching müssen.

So soll die Verkehrssituation gelöst werden

Alexander Süßmuth hat die Verkehrsprognose errechnet. Letztes Jahr hat sein Team an der Waldstraße, der Eschenstraße und am Lindenring an einem Werktag Laster, Autos und Radfahrer gezählt. Der Verkehr auf dem südlichen Lindenring wird mit dem Quartier von 11 000 auf 17 000 Fahrzeuge steigen. Die Knotenpunkte könnten den Mehrverkehr nicht abwickeln. Um ein Verkehrschaos am Kreisel an der Waldstraße zu verhindern, braucht es mindestens zwei Einfädelstreifen. Eine Ampel statt Kreisverkehr sei langfristig die bessere Variante.

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„Der Kreisverkehr am Wald muss ausgebaut werden“, sagt Verkehrsplaner Alexander Süßmuth. © Robert Brouczek

Mit der Betreuungsinfrastruktur hat sich Heike Pethe beschäftigt. „Taufkirchen hat sich zaghaft entwickelt“, sagt sie. In den letzten zehn Jahren sind 450 Einwohner hinzugekommen. Im Durchschnitt wuchs eine Gemeinde im Landkreis München um 2000 Einwohner. „Das Quartier am Bahnhof ist eine wunderbare Chance für Taufkirchen, an den regionalen Wachstumspfad anzuschließen.“ Das Publikum lacht auf. Geduldig erklärt die Statistikerin: Ohne dieses Quartier werden weniger Kinder und weniger Erwachsene zwischen 30 und 40 Jahre in Taufkirchen leben.

Sorge um zu hohe Mieten

Es gibt keine Sozial- oder Gemeindewohnungen. Das besorgt eine Frau, deren Tochter aus Taufkirchen wegziehen musste. Sie fragt: „Wie kann die Gemeinde sicher sein, dass junge Familien sich die Miete leisten können?“ Der größte Markt seien junge Familien, die eine größere Wohnung brauchen, erklärt Pethe. „Diese Klientel werden die Investoren sicherlich ansprechen wollen.“ Die Grund- und Mittelschule ist groß genug, um alle Kinder aus dem Neubaugebiet unterzubringen. Aber drei Krippen- und Kindergartengruppen sowie vier Hortgruppen braucht das neue Quartier. Betreutes Wohnen bis hin zur Pflege gehören mittenrein, so Hörmann. „Das Quartier ist nur attraktiv, wenn wir für alle Lebensphasen vom Baby bis zum Greis alle Einrichtungen mitdenken.“ Sobald im Januar der Vorentwurf des Bebauungsplans steht, können Bürger und Behörden ihre Meinungen mitteilen.

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