Ganztagsbetreuung in Unterhaching, die nächste Runde in einer schier unendlichen Geschichte: Nun zeichnet sich ab, nach langem Hin und Her, dass doch der Südflügel vom Kubiz für 945 000 Euro umgebaut wird.
Unterhaching - Im Südflügel des Kulturzentrums sollen in den bisherigen VHS-Büros ab dem Schuljahr 2026/27 etwa 200 Kinder aus der benachbarten Jahnschule betreut werden. Nur die CSU lehnt den Kubiz-Umbau „als lediglich zweitbeste Lösung“, wie Franz Felzmann im Bauausschuss sagte, weiterhin ab. Den finalen Grundsatzbeschluss, der in der Gemeinderatssitzung am 23. Oktober getroffen werden soll, kann die CSU allein nicht mehr verhindern. „Wir stehen seit zwei Jahren am Fuß des Berges, dabei könnten wir schon im Basecamp sein“, verglich Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) die Dauerdebatte mit einer Himalaya-Expedition. Nun also soll der Gipfelsturm beginnen, denn das Zeitfenster schließt sich allmählich.
Vereinsleben wird vorverlagert
Parteiübergreifende Einigkeit besteht mittlerweile bei der Vision vom „sozialräumlichen Ganztag“, in die örtliche Vereine und Institutionen eingebunden werden sollen. „Das ist der einzig realistische Ansatz“, sagte der Chef der Bauverwaltung, Stefan Lauszat. Erstens, weil einerseits pädagogisches Personal rar ist und zugleich die Unterhachinger Kinderbetreuungsquote im bayernweiten Vergleich auf überproportional hohe Werte kommt. Zweitens, weil es schwer werde, Schulkinder nach der Ganztagsbetreuung bis 17 Uhr abends noch für Vereinsaktivitäten zu gewinnen. Somit will man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sportvereine und Musikschule sind Bestandteile des Ganztagskonzepts – und damit wird das Vereinsleben um ein paar Stunden vorverlagert. Klavierstunde oder Judotraining um 15 statt um 18 Uhr.
Bauverwaltungsleiter: „Überzeugt, dass Konzept funktioniert
Als Auffangbecken für diejenigen Kinder, die sich nicht mittels Vereinsangeboten beschäftigen lassen möchten, soll eben das zweite Kubiz-Obergeschoss dienen. Diese Lösung sei „räumlich und nutzungstechnisch am sinnvollsten“, erläuterte Lauszat, in puncto Zeitplan bestehe jetzt „die letzte Chance“, den Raumbedarf in die Wege zu leisten, und mit weniger als einer Million Euro Umbaukosten sei die Kubiz-Variante auch finanziell machbar. Immer wieder zitierte Lauszat die „Experimentierklausel“ im Gesetz, er prognostizierte eine „große Veränderung bei der Betreuung“, aber er ist „überzeugt, dass unser Konzept funktionieren wird“.
AWO als Träger wäre denkbar
Die VHS muss ihre Geschäftsstelle somit ins Kinderhaus Plus verlagern, dennoch tauchte im Bauausschuss mehrfach die Frage nach einer Doppelnutzung aus: Tagsüber Ganztagsbetreuung, abends und am Wochenende VHS-Kurse – ginge das überhaupt, Erwachsenenbildung auf Kinderstühlen? „Das hängt vom Betreiber ab. Und den müssen wir noch finden“, sagte Lauszat. Ob ein Träger oder mehrere, was Beate Gsänger (Grüne) wissen wollte, Bürgermeister Panzer skizzierte die Tendenz: „Wir brauchen einen, der den Hut aufhat.“ Er könne sich im Kubiz gut die AWO vorstellen, intensive Gespräche habe es schon gegeben. „Bis Ende des Jahres“, kündigte Panzer an, solle die Frage der Trägerschaft geklärt sein. KJR an der Sportparkschule, AWO an der Jahnschule, darauf scheint es hinauszulaufen. Sind die Zuständigkeiten geregelt, könne man sich im nächsten Schritt mit dem Thema Doppelnutzung befassen.
CSU sieht eine „vertane Chance“
Im Bauausschuss fehlte der CSU-Fraktionsvorsitzende Korbinian Rausch krankheitsbedingt, tags darauf meldete er sich per E-Mail zu Wort: „Wir hecheln in Unterhaching dem Betreuungsbedarf seit Jahren immer hinterher, ein solider Neubau hätte mehrere Chancen gegeben.“ Ein „Bildungscampus“ auf dem Gemeinde-Grundstück gegenüber der Jahnschule würde Kindern bessere Entfaltungsmöglichkeiten bieten. „Wir sehen es als große vergebene Chance, dass ein Neubau kategorisch abgelehnt und nicht einmal geprüft wurde“, betont Rausch. In seiner Funktion als VHS-Vorsitzender findet er es „bedauerlich, dass ein etabliertes Konzept nun aufgebrochen wird“ und die Institution das Kubiz verlassen muss, „aber wir akzeptieren diese Entscheidung“. Das sozialräumliche Ganztags-Konzept an sich befürworte die CSU.