Theodor Ortner war vor 140 Jahren Erdinger Bürgermeister in einer Zeit großen wirtschaftlichen Aufschwungs. Nach ihm ist auch eine Straße benannt. Eine Spurensuche.
Erding – In seiner Amtszeit erlebte Erding großen wirtschaftlichen Aufschwung: Theodor Ortner (1823-1919). Nach dem ehemaligen Bürgermeister ist auch eine Straße benannt. Wir stellen die Persönlichkeit dahinter heute in unserer Serie vor. Die ruhige Wohnstraße, die nach Theodor Ortner benannt ist, liegt im nordöstlichen Teil Erdings nahe dem Neubaugebiet „Am Poststadl“.
Der spätere Bürgermeister wurde am 1. November 1823 in Bogen bei Straubing geboren und erlernte den Beruf des Goldarbeiters (heute Goldschmied). In Erding heiratete er im Alter von 34 Jahren die Witwe Magdalena Greckl, die auch das Haus am Schrannenplatz 6 mit in die Ehe brachte. So wurde aus dem ehemaligen Greckl-Haus das Ortner-Haus, das zu dieser Zeit noch eine relativ schmucklose Fassade hatte. Erst später wurden Dekorationselemente samt Wappen und kunstvolle Fensterverzierungen angebracht.
Die Witwe Greckl brachte zwei Kinder mit in die Ehe, mit Theodor Ortner hatte sie vier weitere Kinder. Sie verstarb 1882, genau ein Jahr, nachdem ihr Mann zum Bürgermeister in Erding gewählt wurde. Der Witwer blieb die restlichen 37 Jahre seines Lebens unverheiratet.
1881 wählten die Erdinger den Goldschmied zum Bürgermeister, er blieb es 18 Jahre lang bis 1899. In seiner Amtszeit erlebte die Stadt einen bis dahin nicht vorstellbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Diese so genannte Prinzregentenzeit gilt als letztes goldenes Zeitalter Bayerns, in dem auch Erding Jahre mit tiefem Frieden, Stabilität und Fortschritt erlebte.
Eine herausragende Neuerung war der Bau des städtischen Elektrizitätswerks an der Reißermühle in Altenerding. Als erste Drehstromanlage war sie technisch eines der fortschrittlichsten Werke Bayerns, mit der die Stadt und der Kreis schnell elektrifiziert werden konnten. In Ortners Amtszeit wurde auch die erste Turnhalle gebaut, ein neues städtisches Schlachthaus errichtet und die Haushaltsschule der Armen Schulschwestern (heute Mädchenrealschule Heilig Blut) eröffnet, dazu eine landwirtschaftliche Winterschule gegründet.
Im Jahr 1900 wurde dem Bürgermeister das Ehrenbürgerrecht verliehen. Nach dem großen Aufschwung musste er dann miterleben, wie durch den Ersten Weltkrieg und die anschließende Inflation der Wohlstand wieder zunichte gemacht wurde. Theodor Ortner starb am 5. April 1919 im Alter von 95 Jahren.
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Die Goldschmiede-Tradition im Ortner-Haus hielt Ortners Sohn Theodor aufrecht, verpachtete aber schon bald das Geschäft, das noch bis in die 1970er Jahre von Fritz Matisseck geführt wurde. Heute sind im Ortner-Haus ein Internetanbieter und der Tchibo-Laden zu finden.
Auch ein Enkel des Bürgermeisters trug zur Beibehaltung des Begriffs Ortnerhaus bei. Ludwig Ortner, geboren 1896, studierte Medizin und betrieb am Schrannenplatz seine Praxis. Am Haus informierte ein Schild über die Niederlassung: „Praktischer Arzt und Geburtshelfer Dr. Ludwig Ortner“.
Der Mediziner starb im Jahr 1980. Eine Tochter des Bürgermeisters, sie hieß Elise, heiratete den Nachbarssohn Raimund Kraus und begründete die enge Verbindung der beiden Familien. Dadurch sind im Buch über die Geschichte des Modehauses Kraus am Eck von Seniorchef Hermann Kraus auch zahlreiche Informationen über die Familie Ortner enthalten. Auch im Friedhof St. Paul liegen die beiden Familien nicht weit auseinander. Das Ortner-Grab befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kraus-Grab.
An der Theodor-Ortner-Straße in Erding liegen viele Wohnblocks, die Straße zweigt als Sackgasse von der Friedrich-Herbig-Straße ab und war bis Ende der 1980er Jahre eine viel frequentierte Adresse. Dort befand sich nämlich das legendäre Tanzcafé Schranner, auch als „Club der einsamen Herzen“ bekannt. Die Kontaktanbahnung sei im Schranner sehr schnell erfolgt – und zur Not vermittelte die Chefin selbst die Tanzpartner, ist in den Sozialen Netzwerken zu lesen, wo noch mancher ehemalige Besucher der schönen Zeit nachtrauert.
Quellen: Hermann Kraus: „Ein Haus erzählt seine Geschichte“ und andere.