Verzicht und innere Einkehr: Das bedeutet Fasten für Gläubige und gesundheitsbewusste Menschen.
Landkreis – Die Fastenzeit ist eine Zeit des Verzichts und der Besinnung. Manche Christen rühren jetzt weder Süßigkeiten noch Fleisch an, reduzieren ihren Alkoholkonsum. Doch auch außerhalb der religiösen Tradition wird wieder öfters gefastet. Im Trend liegt „Digital Detox“, also digitales Entgiften, indem man auf Smartphone und Co. verzichtet. Ganz egal, was man weglässt: „Die Fastenzeit bietet eine gute Gelegenheit, um innezuhalten“, meint Renate Emehrer, Seelsorgerin am Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen.
Die Pastoralreferentin will in den kommenden 40 Tagen zwar keine Schokolade essen, deutlich wichtiger seien aber Exerzitien für sie. Täglich nimmt sich die Katholikin eine halbe Stunde Zeit für das Gebet. „Es geht darum, in der Stille zu reflektieren, sich zu fragen, wo man eigentlich steht.“ In diesem Jahr geht die Fastenzeit bis 30. März.
Es gebe zwar immer noch feste Regeln, aber gerade jüngere Leute kennen oft nicht mehr den Sinn dahinter, weiß Christian Marcon, Diakon im Pfarrverband Maria Dorfen. „Es geht nicht um den Verzicht an sich, sondern um die Umkehr und die innere Einkehr – darum, wieder Christus, den Erlöser, im Blick zu haben.“ Diese Tage gelten nämlich als Vorbereitung auf das Osterfest, auf die Auferstehung, „ein spirituelles geistliches Geschehen“ ergänzt der Dorfener Stadtpfarrer Stephan Matula.
Jede Weltreligion kennt eine Fastenzeit, arbeitet allerdings mit eigenen Riten. Amira Khaled kommt aus Syrien, für die Muslimin ist es auch in ihrer neuen Heimat Erding selbstverständlich, im Fastenmonat Ramadan, der heuer am 10. März beginnt, von Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang nichts zu sich zunehmen. Es wird allerdings nicht nur auf Essen und Trinken verzichtet. „Auch reden sollte man nur das Nötigste, kein Parfum benutzen, nicht rauchen und keinen Sex haben“, zählt die Übersetzerin auf. „Wir nehmen das noch sehr ernst – wesentlich ernster als die meisten Christen, die ich kenne.“
Bei allem religiösen Hintergrund weist Dr. Ludwig Rudolf auf die positiven Effekte für den Körper hin: „Wer in diesen Tagen Zucker und Alkohol reduziert, schützt seine Gesundheit. Durch den Verzicht fühlt man sich meist mental stärker.“ Der Gastroenterologe aus Dorfen fastet regelmäßig in mehreren Intervallen, allerdings über das Jahr verteilt. „Das tut gut.“
Für Lisa Bönisch, Sozialarbeiterin bei der Caritas in Erdig, ist die Fastenzeit ein Ansporn, mehr Sport zu treiben. Dieser Vorsatz habe bei ihr ebenfalls weniger mit dem Glauben zu tun. „Das ist ein begrenzter Zeitraum – nach Fasching bis Ostern“, findet die 27-Jährige. Wer durchhält, wird mit einem richtig guten Gefühl belohnt.
Darauf hofft auch Sue Schönemann (23): „Ich faste in diesem Jahr erstmals auf soziale Medien“, bekennt die Dorfenerin. Kein Instagram, kein Facebook, kein TikTok –das ist der Plan der Studentin. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Smartphone mich beherrscht und nicht umgekehrt.“ Viele ihrer Kommilitonen würden sich gerade ebenfalls „digital entgiften, um wieder zu sich zu kommen“. Auch Joshua Wandner aus Dorfen schaltet immer öfter das Handy ab, um lange Spaziergänge ohne das permanente „Pling“ zu genießen.
Schon während man seinen Fasten-Vorsatz durchhält, wird man mit einem guten Gefühl belohnt. Das hat den Künstler und Kunsttherapeut Albin Zauner auch motiviert, während der Fastenzeit im vergangenen Jahr auf das Auto zu verzichten. „Das war gar nicht so einfach, denn ich musste mit den Öffentlichen nach Taufkirchen zur Arbeit fahren“, erzählt der Dorfener. Oft sei der Bus unpünktlich gewesen, manchmal stand er auch an der Haltestelle und wartete vergebens auf den Transfer in die Nachbargemeinde: „Stress pur“, sagt er und bekennt lachend: „Heuer faste ich einmal auf genau gar nichts.“