Die CSU-Bürgermeisterin (62) von Garmisch-Partenkirchen liebt ihren Beruf – und möchte trotz vieler Anfeidnungen weitermachen.
Garmisch-Partenkirchen – Die Katze sprang recht leise aus dem Sack. Eigentlich eher untypisch für Elisabeth Koch. Diesen entscheidenden Satz am Ende ihrer Rede bei der Ortsversammlung der CSU fasste sie knapp und bescheiden: „Dann bleibt mir nur zu sagen: Wenn Ihr mich wieder haben wollt, dann würd‘ ich wieder antreten.“ Man merkte dem Saal an, dass es fast ein bisserl überraschend kam. Es dauerte, bis die Ersten verstanden, was die Bürgermeisterin da gerade ausgesprochen hatte. Als Erster reagierte Hubert Höck, der Ortschef der CSU. „Ich werde dich unterstützen“, rief er Koch zu. Applaus brandete auf.
Koch: „Ich kenne bisher nichts anderes als Krise“
Koch machte sich die Entscheidung nicht leicht. Ein Schnellschuss sollte es auf keinen Fall werden. Im vergangenen Herbst hatte sich die 62-Jährige immer wieder Bedenkzeit erbeten. „Ich habe mir mein Leben lang immer selber die Zeit gegeben, mir vertraut, dass der Zeitpunkt kommt, an dem ich weiß, was ich mache.“ Nun ist er da. Koch kommt raus aus der Deckung, sie hat noch nicht genug. „Ich mache keine halben Sachen“, sagt sie. Im kommenden Frühjahr aufzuhören, das würde sich für sie genauso anfühlen. Viele Projekte sind jetzt angestoßen, die Sanierung der Schulen, die Entwicklung des Campus, die möchte sie weiterführen. „Ich kenne bisher nichts anderes als Krise“, betont sie. „Viele andere Berufskollegen und ich sind damals, 2020, bereits im Krisenmodus gestartet.“ Corona, das Zugunglück, G7 mit all den Verhandlungen, der Krieg mitsamt der neuen Migrationswelle, die Konjunkturschwäche – „da galt es, den Kopf über Wasser zu halten und auch voranzugehen“. Das proklamiert Koch sehr wohl für sich. „Diesen Weg zu gehen, trotz aller Widrigkeiten und teilweise übelster persönlicher Angriffe, das muss mir erst einmal einer nachmachen.“
Koch selbstbewusst: „Ich glaube, dass ich es kann!“
Ein zähes Ringen mit sich selbst sei es am Ende nicht gewesen, sich für die Kandidatur auszusprechen. Auch ein Schlüsselerlebnis brauchte sie nicht. Was am Ende den Ausschlag gab, fasst sie recht einfach zusammen: „Es ist die Liebe zur Sache. Und ich glaube einfach, dass ich es kann, und dass ich das bewiesen habe.“
Gerade an diesem Punkt wird speziell ihre Erfolgsbilanz oft angezweifelt. Ein Thema, das die Bürgermeisterin ärgert. „Vielleicht sollte ich mehr durchs Dorf gehen und mich selber loben. Das will ich aber nicht“, stellt sie klar. „Mir wird ja vorgeworfen, ich hätte keine Visionen. Ich denke, mich hat noch nie jemand danach gefragt.“ In Zeiten der Krisenbewältigung aber ein schwieriger Ansatz.
Leifheit-Wohnprojekt steht auf der Habenseite
Koch ging nicht naiv in ihr Amt. „Ich habe vorher gewusst, wie es läuft.“ Dass Hindernisse wie Bürokratie vieles ausbremsen – kein Neuland. „Als Anwältin war ich das gewohnt, auch Gerichte arbeiten langsam.“ Diese Periode stehe im Zeichen der Pflichtaufgaben, der beiden Schulen. „Und dazu haben sich zu Beginn auch alle einstimmig bekannt.“ Obendrein seien Projekte wie das Leifheit-Seniorenzentrum umgesetzt worden. „Dort haben wir sehr wohl Wohnraum geschaffen.“ Neue Vorhaben zu verwirklichen, scheitere immer an denselben Problemen. „Die, die immer fordern, sollen erst einmal das Geld bringen, wir haben keine Grundstücke, und sollen wir allen Ernstes das größte Kapital, das dieser Ort hat, die Natur, den Grüngürtel anpacken? Dann schaffen wir Bezugsfälle, dann ist er zerstört.“ Ein großes Wohnbauprojekt steht in den Startlöchern, sobald das Vinzenzheim aufs Campus-Areal umziehen kann. „So lange haben wir 168 eigene Wohnungen und müssen uns um sie kümmern, die sind jahrzehntelang vernachlässigt worden.“
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Koch versteht ihr Amt als Problemlöserin. „Ich bin nicht diejenige, die ständig im Trachtenjanker oder im Dirndl rumrennt, sich Häppchen gönnt. Meine Arbeit findet am Schreibtisch in meinem Büro, im Sitzungssaal oder bei unzähligen Telefonaten statt. Das ist Arbeit, harte Arbeit.“ Und ihren Auftrag sieht sie noch nicht als erfüllt an.
Gespannt auf die Konkurrenz: Schimmer gilt als gesetzt
Gespannt ist sie, wer sich noch um das Amt an der Rathausspitze bewirbt. „Ein Kollege hat sich ja schon halbwegs geoutet.“ Sie spielt auf Daniel Schimmer von den Freien Wählern an. Wer darüber hinaus seinen Hut in den Ring wirft, Koch wartet ab. „Das ist Demokratie, ich sag‘ nur einem jedem, der Interesse hat, dass er wissen muss, was ihn erwartet, was er tut.“
Auch braucht sie erst einmal das Votum der CSU-Basis. Ist ihr bewusst. Sie sieht das sehr pragmatisch. „Ich mache das gerne für meinen Ort, in dem ich aufgewachsen bin und wahrscheinlich mal eingegraben werde. Aber wenn die Wähler sagen, jetzt langt’s mit der Kochin, dann ist es so.“ Im Wahlkampf durch die Straßen zu ziehen, das wird es nicht geben. „Das überlasse ich anderen. Ich glaube, dass ich den Leuten Besseres tue, wenn ich im Rathaus schaue, dass der Laden läuft!“
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