Seit Dezember 2024 hat die Saurüsselalm geschlossen. So wie es aussieht, wird sich daran so schnell auch nichts ändern. Das Genehmigungsverfahren dauert an. Eine Schlüsselrolle spielt diesmal offenbar die Untere Naturschutzbehörde.
Bad Wiessee - Im September vergangenen Jahres hatte Franz Haslberger die Baugenehmigung für seine umstrittene Saurüsselalm an das Landratsamt zurückgegeben. Seither haben Naturschutzverbände – namentlich der Verein zum Schutz der Bergwelt (VzSB) und die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) –, der Eigentümer und die Behörden um Kompromisse gerungen. Der Gemeinderat Bad Wiessee positionierte sich im März dieses Jahres klar und genehmigte einen neuerlichen Bauantrag Haslbergers für die Alm im Söllbachtal mit großer Mehrheit. Wer geglaubt hatte, danach würde es schnell gehen mit einer Wiedereröffnung, sieht sich nun eines Besseren belehrt.
Mit Baugenehmigung ist nicht vor Anfang Oktober zu rechnen
Wie eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage deutlich machte, sei mit der Erteilung einer Baugenehmigung „nicht vor Anfang Oktober zu rechnen“. Da es sich nach der Rückgabe der ursprünglichen Genehmigung um einen „kompletten Neuantrag“ handle, seien auch alle Stellungnahmen der Fachbehörden neu einzuholen, erläutert die Sprecherin. „Da die Fachbehörden teilweise Unterlagen nachfordern, nimmt dieses Verfahren naturgemäß etwas Zeit in Anspruch“, heißt es in der Stellungnahme der Kreisbehörde.
Landrat hatte persönlich in dem Streit vermittelt
Bekanntlich hatte sich Landrat Olaf von Löwis (CSU) persönlich in den Streit zwischen Almeigentümer und Almgegnern eingeschaltet, um in der Sache zu vermitteln. Inzwischen gebe es zwischen dem Bauherrn und dem zuvor als Kläger aufgetretenen VzSB „weitestgehend einen Konsens, auf Grundlage dessen eine neue Baugenehmigung zu erteilen beabsichtigt ist“, schreibt das Landratsamt.
Weg von der Party-Hütte: Haslberger macht Zugeständnisse
Tatsächlich hatten sich Verbände und Almeigentümer beim Betriebskonzept angenähert: Weniger exklusive Party-Hütte, mehr klassische Almhütte soll die Saurüsselalm künftig sein. So wurde die Zahl der Hüttenabende auf 26 reduziert, Zugeständnisse machte Haslberger zudem bei den Öffnungszeiten (Schließung um 19 Uhr oder spätestens zum Sonnenuntergang) und beim Speisenangebot (almtypisch). Bei den Themen Shuttleservice und Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen driften die Meinungen dagegen weiterhin auseinander. Wie zufrieden ist man bei den beiden Naturschutzverbänden also mit dem Erreichten?
Verbände wollen Stellungnahme der Naturschutzbehörde einsehen
Eine abschließende Beurteilung der Causa Saurüsselalm möchten der Verein zum Schutz der Bergwelt und die SGT derzeit noch nicht abgeben – dies sei erst nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens und der dann vorliegenden Baugenehmigung möglich, erklärt Lorenz Sanktjohanser, Vize-Vorsitzender des VzSB, auch im Namen der Schutzgemeinschaft. Da die Alm in „einem äußerst sensiblen Naturraum“ liege, sei für die Verbände die rechtliche und fachliche Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) im Genehmigungsverfahren von entscheidender Bedeutung. Die Vereine hätten daher das Landratsamt Miesbach darum gebeten, ihnen die Stellungnahme der UNB zuzusenden.
Geschehen ist dies bislang nicht. „Die Untere Naturschutzbehörde hat bislang noch nicht abschließend Stellung genommen“, schreibt das Landratsamt. Die Fachleute dort haben offenbar weitere Informationen angefordert, nun werde die UNB erneut mit Monatsfrist an dem Verfahren beteiligt werden, erklärt die Pressesprecherin.
Untere Naturschutzbehörde erst spät beteiligt?
Wie die Naturschutzbehörde den Betrieb der Saurüsselalm beurteilt und ob sie sich möglicherweise kritisch dazu äußert, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Unabhängig davon stellt sich für die Naturschutzverbände eine weitere Frage: „Warum die Untere Naturschutzbehörde trotz ihrer offensichtlichen Betroffenheit entgegen dem üblichen Verfahrensablauf anscheinend erst spät beteiligt wurde, was nun zu den angesprochenen Verzögerungen führt, ist uns nicht bekannt“, schreibt Sanktjohanser. Locker lassen, so viel macht SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck gegenüber unserer Zeitung deutlich, wolle man jedenfalls nicht: „Wir werden keine Ruhe geben, bis wir die ausführliche Stellungnahme der UNB erhalten.“
Der Sprecher Haslbergers äußerte sich auf Nachfrage nicht zur momentanen Situation. Somit bleibt auch die Frage offen, wie die Suche nach einem neuen Pächter für die Saurüsselalm läuft und ob in diesem Jahr möglicherweise noch mit einer Wiedereröffnung der Gastronomie zu rechnen ist.
gab