"Tattoos sind mittlerweile spießiger als ein Bausparvertrag"

Ein Berliner Gerichtsurteil zur Zulässigkeit sichtbarer Tattoos bei der Polizei hat die Debatte um Tätowierungen im Berufsleben neu entfacht. Während der Artikel vor allem die rechtliche Grauzone zwischen Persönlichkeitsrecht und Weisungsbefugnis beleuchtet, werfen die Kommentare ein vielschichtiges Licht auf das Thema. Besonders ausgeprägt sind Lager, die Tattoos kritisch sehen und diesen Ausdruck als unästhetisch oder berufsuntauglich einstufen, während andere die individuelle Freiheit betonen. Eine weitere wichtige Perspektive kritisiert arbeitsrechtliche Regelungen und fragt, wann Eingriffe in Persönlichkeitsrechte wirklich gerechtfertigt sind.

Kritik an gesellschaftlicher Akzeptanz

Mit 56 Prozent macht diese Gruppe den größten Anteil der Meinungsäußerungen aus. Viele Kommentierende debattieren über die gesellschaftliche Wahrnehmung und Akzeptanz von Tätowierungen. Kritisch wird der Trend zu immer mehr und auffälligeren Tattoos bewertet, während einzelne Stimmen auf die Wichtigkeit individueller Freiheit und des Persönlichkeitsrechts hinweisen. Es werden Fragen nach Ästhetik, Geschmack, kulturellen Bedeutungen und Berufstauglichkeit aufgeworfen. Während der Artikel die zunehmende Normalisierung betont, bemängeln viele Leser ein Übermaß an Körperkunst sowie tradierte Stigmata.

"Tattoos sind eben heutzutage und auch schon seit längerem in. Es wirkt fast schon wie ein Statussymbol. Manche schmücken sich aber wirklich mit Unsinn. Man muss halt selbst entscheiden, ob man, um es ganz extrem auszudrücken, den Mann oder die Frau das Geld am Bankschalter anvertraut, wenn diese Person bis zum Gesicht volltätowiert. Mein persönlicher Geschmack sind Tattoos nicht."  Zum Originalkommentar

"In der Produktion und Logistik ist mir das egal. In der Verwaltung kommt kein Tätowierter infrage; egal, wie gut derjenige qualifiziert ist. Früher waren Seeleute und Strafgefangene tätowiert. Das ist immer noch bei vielen drin."  Zum Originalkommentar

"Wer das schön findet, findet auch mit Spraydosen verunstaltete historische Fassaden schön."  Zum Originalkommentar

"Prinzipiell habe ich nichts gegen Tattoos, jeder muss wissen, was er tut. Was mich persönlich stört, ist diese totale Übertreibung von vielen, aber das ist lediglich meine persönliche Meinung. Wenn ich Menschen darauf anspreche, warum sie sich tätowieren lassen, kommen bei vielen keine nachvollziehbaren Gründe heraus, deshalb vermute ich, dass man einfach "dazugehören" möchte."  Zum Originalkommentar

Kritik an arbeitsrechtlichen Regelungen

Einige Leser (14 Prozent) äußern sich kritisch oder diskutieren über das arbeitsrechtliche Spannungsfeld im Zusammenhang mit Tattoos. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit das Direktionsrecht des Arbeitgebers reicht, etwa bei der Einstellung oder im täglichen Arbeitsablauf – besonders wie im Artikel beschrieben bei sichtbaren Tattoos im Staatsdienst. Einige fordern einen stärkeren Schutz der Persönlichkeitsrechte, andere sprechen sich für die Möglichkeit firmeninterner Vorschriften aus, etwa im Hinblick auf den öffentlichen Auftritt und Kundenkontakt.

""Krankschreibung wegen Tattoos: \"So wurde einer Altenpflegerin, die nach einer Tätowierung eine Infektion davongetragen hatte und einige Tage nicht arbeiten konnte, das Entgelt gestrichen.\" Frage: Warum soll ich für den Beinbruch durch Skifahren bei einem Kollegen, dessen Arbeit ich jetzt auch noch zusätzlich machen muss, über meine höheren GKV-Beiträge bezahlen. Solidarität gleich Null."  Zum Originalkommentar

"Woher kennt denn der Arbeitgeber die Diagnose?"  Zum Originalkommentar

"Tja und wer unterscheidet nun rechtsverbindlich zwischen Rassismus, Sexismus und "harmloser Kunst"?"  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber gesellschaftlicher Entwicklung

Acht Prozent kommentieren mit Fokus auf den gesellschaftlichen Wandel von Tattoos – von einstigem Tabu und Stigma bis hin zur heutigen Mainstream-Mode. In den Kommentaren werden kulturelle Bedeutungsverschiebungen kritisch beleuchtet. Einige sehen in der Verbreitung von Tattoos einen Werteverfall, während andere für komplette gesellschaftliche Akzeptanz plädieren. Auch Vergleiche zu anderen Körpermodifikationen und die Debatte um das Persönlichkeitsrecht treten auf.

"Früher trugen nur Seefahrer und Kriminelle Tattoos, heute läuft jeder Zweite damit rum, ich halte das für eine große Unsitte."  Zum Originalkommentar

"Tattoos sind mittlerweile spießiger als ein Bausparvertrag. Jeder Depp hat eins und meint rebellisch oder "individuell" zu sein. Lachhaft ..."  Zum Originalkommentar

"Soll doch jeder sich verschandeln, wie er mag. Persönlichkeitsrechte? Es gibt für fast alles eine Ausrede! Was sich manche da stechen lassen, das lässt an geistiger Reife zweifeln!"  Zum Originalkommentar

"Putzig, wie man schon an den Beiträgen zu diesem Thema sieht, welchen Geistes Kind hier die meisten sind...."  Zum Originalkommentar

"Die Freiheit des Einzelnen ist unantastbar. Somit, lasst uns in der Realität ankommen. Tattoos sind vollkommen in Ordnung. In jeder beruflichen Situation. Kein Wenn und Aber. Wer heute noch so denkt wie vor 20, 30 oder 40 Jahren, sollte sich in einer Dose einsperren lassen."  Zum Originalkommentar

Kritik an gesundheitlichen Risiken

Sechs Prozent der Leser beschäftigen sich kritisch mit gesundheitlichen Risiken von Tattoos, wie sie auch im Artikel erläutert werden. Die Nutzer sprechen unter anderem Allergien, Infektionen, langfristige Entzündungen und ein erhöhtes Krebsrisiko an. Die Verantwortung für Aufklärung, Folgen für die Arbeitsunfähigkeit und die Debatte über Solidarität im Gesundheitssystem rücken dabei in den Mittelpunkt.

"Jedem das Seine... Aber beim Tätowieren gelangt Farbe tief in die Haut, doch nicht alles bleibt dort. Während die flüssige Tinte zum Großteil während der Wundheilung ausgeschieden wird, setzen sich feste Pigmente dauerhaft im Körper ab. Diese können über die Lymphbahnen in andere Organe gelangen, wo sie vom Immunsystem nicht als Fremdkörper erkannt werden. Das Problem: Chronische Entzündungen durch diese Partikel können auf lange Sicht das Krebsrisiko erhöhen. Neben dem erhöhten Krebsrisiko gibt es noch weitere Gesundheitsgefahren: Allergische Reaktionen / Infektionen / Komplikationen bei der Entfernung"  Zum Originalkommentar

"Ich werde nie verstehen, wieso Fußballvereine ihren millionenschweren Einkäufen diese gesundheitliche Selbstverstümmelung nicht untersagen."  Zum Originalkommentar

"Wer sich tätowieren möchte, darf dies tun. Aber teilweise sehe ich Mitmenschen, welche m. E. mit der Tätowierung übertreiben. Und da greift bei bestimmten Berufen richtigerweise das Arbeitsrecht. Und, über die ggf. gesundheitlichen Spätfolgen ist derzeit wenig bekannt."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Tattoo-Entfernungskosten

Weitere Leser (drei Prozent) widmen sich skeptisch der Frage nach Entfernungsmöglichkeiten und -kosten von Tattoos. Dabei stehen die Schmerzhaftigkeit, die hohen Kosten und die Unsicherheit über das endgültige kosmetische Ergebnis im Mittelpunkt, so wie im Artikel ausführlich dargestellt. Lesende stellen die Praktikabilität einer Entfernung ebenso infrage wie mögliche Folgeschäden für die Haut.

"Ich finde Tattoos bei Männern schon prollig, aber bei Mädchen ist es ein absolutes No-Go. Die meisten machen sich keine Gedanken, wie das mal aussieht im Alter - wegmachen ist nicht nur extrem schmerzhaft, es funzt auch nicht überall und wenn es gut gemacht werden soll, kostet es richtig Geld. Tattoos und Piercings - fürchterlich."  Zum Originalkommentar

"Noch mag es gut aussehen, noch! Kommt mal ins Alter, dann habt ihr überall schwarze Flecken, die Farben vermischen sich und ergeben dunkle große Flecken, feine Striche werden zu dicken Balken! So Mitte 50 geht es los, mit 65 seht ihr aus wie der letzte Depp!!"  Zum Originalkommentar

Sonstiges Stimmen

Trotz eines Anteils von dreizehn Prozent lassen sich diese Beiträge keinem klaren Meinungsbild zuordnen. Die Kommentare reichen von allgemeinen Rechtsfragen über Vergleiche zu anderen Körpermodifikationen bis hin zu persönlichen Sichtweisen, die mehrere Themen gleichzeitig berühren.

"Wie verhält sich das denn bei Zungenpiercings?"  Zum Originalkommentar

""Dieser begründete die fehlende Lohnzahlung damit, dass die Angestellte mit der Tätowierung einer Körperverletzung zugestimmt." Wie war das damals eigentlich mit Manuel Neuer, der mit seiner Idee Ski zu fahren, bewusst ein erhöhtes Unfallrisiko eingegangen ist?"  Zum Originalkommentar

""Dieser begründete die fehlende Lohnzahlung damit, dass die Angestellte mit der Tätowierung einer Körperverletzung zugestimmt." Oh. Guter Aspekt. Lustig. Aber fair. Ich hatte mich schon gefragt, wo der Unterschied zu "normalen" Hobbys liegt. Ich lag schon mal zwei Wochen im Krankenhaus - wegen Fußball. Aber der Körperverletzung habe ich nicht zugestimmt."  Zum Originalkommentar

Wie ist Ihre Sicht: Sollte ein Tattoo ein Kriterium für den Arbeitsplatz sein – oder ist dies längst überholt? Diskutieren Sie mit!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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