"Traurig, dass alte Menschen so vom Staat im Stich gelassen werden"

Ein persönlicher Bericht über den Tod einer Angehörigen beleuchtet, wie Pflege im Alltag erlebt wird und welche Lücken das System offenbart. Der Artikel kritisiert vor allem die Unsicherheiten bei der Finanzierung und Organisation der Pflege und stellt die Verantwortung von Staat und Angehörigen zur Diskussion. In der Leserdebatte bilden sich zwei große Lager heraus: Ein Teil kritisiert die deutsche Pflegepolitik und wirft dem Staat Reformunwillen, falsche Prioritäten sowie Überforderung vor. Andererseits thematisieren viele die finanzielle Belastung durch Pflegekosten und bemängeln unzureichende staatliche Unterstützung. Hinzu kommen Debatten um die Rolle von Familien, die gesellschaftliche Verantwortung und Forderungen nach mehr Selbstbestimmung bis hin zur Sterbehilfe.

Kritik an staatlicher Pflegepolitik

Fast die Hälfte der Leser – konkret 48 Prozent – wenden sich gegen die derzeitige Pflegepolitik und vermissen wirksame Reformen in der Organisation und Finanzierung. Sie sehen insbesondere den Staat in der Pflicht, endlich bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Den Kommentierenden zufolge konzentrieren sich die Verantwortlichen zu stark auf Verwaltung und Umverteilung, während die Lage für Pflegebedürftige und deren Familien zunehmend schwieriger werde. Immer wieder taucht auch die Beschwerde auf, andere Bereiche wie Migration erhielten mehr Aufmerksamkeit und Mittel als die Versorgung der älteren Bevölkerung. Einige Nutzer bringen zudem die Frage nach der Zukunftssicherheit des Sozialstaates ins Spiel.

"Warum funktioniert Pflege und Pflegeversicherung nicht? Weil Unternehmen Gewinn erwirtschaften müssen. Schnell und viel!"  Zum Originalkommentar

"Eine Versicherung funktioniert nur, wenn mehr einzahlen, als Leistungen bezogen werden. Das wussten unsere Politiker, und trotzdem werden solche Schneeballsysteme vom Staat verordnet."  Zum Originalkommentar

Kritik an Pflegekosten und Finanzierung

Rund 21 Prozent der Leserschaft wenden sich gegen die hohe finanzielle Belastung durch die heutige Pflegelandschaft, wie sie im Artikel angedeutet wird. Geschmacklos hohe Eigenanteile, fehlende Hilfe bei der Organisation und Verwaltung der Kosten, aber auch die ungleiche Behandlung von Versicherten werden als zentrale Missstände genannt. Diskutiert wird, wie Ersparnisse und Erbe in die Finanzierung einfließen sollten und ob die heutige Form der Unterstützung wirklich zeitgemäß und gerecht ist. Manche vergleichen auch die Situation von Beamten und normalen Beitragszahlern.

"Tja, wir pflegen schon 18! Jahre im Pflegegrad 4 und hier "verweht" niemand in 6 Wochen. Eine Kraftanstrengung für die ganze Familie. Gerade in der häuslichen Pflege kommt so gut wie nichts an Hilfen an. Kurzzeitpflegeplätze, Fehlanzeige. Tagespflegeplätze, Fehlanzeige. Jetzt, neue Pflegereform, der Fokus soll auf "Vorbeugung und Prävention" liegen. Ernsthaft, im Grad 4. Quatschen kostet wenig. Wir hingegen werden vermutlich noch die mickrige Verhinderungspflege gestrichen bekommen, mit der man zumindest mal einen Tag durchschnaufen konnte. Und jetzt alle zusammen, auch in der Krankenversicherung: Niemandem wird was weggenommen!"  Zum Originalkommentar

"Vor 50 Jahren gab es kein Pflegeheim, keine Pflegeversicherung, keine sinnlosen, irgendwie lebensverlängernden Zwangsmaßnahmen an sehr alten Menschen. Die meisten Alten starben allein oder im Kreis ihrer Familie. Mein Vater mit 51 beim Arbeitsunfall, meine Mutter mit 69 hochdement zu Hause. Mein Opa mit 69 an Diabetes, meine Oma mit 78 an Herzversagen im Schlaf. Das, was ich jetzt in meiner Nachbarschaft erlebe, ist bezeichnend für unsere heutige Welt. Die 90-jährige Oma wird mehrmals täglich vom Pflegedienst besucht, 2-mal die Woche mit dem Krankentransport abgeholt und gebracht. Und das, obwohl Sohn, Schwiegertochter und Enkel zu Hause und motorisiert sind. Wir zahlen alle. Wichtig ist beim Nachbar nur Omas Rente zum Bezahlen des Hauses."  Zum Originalkommentar

"Gerade zufällig die Endsumme des ersten Jahres Pflegeheim einer Verwandten in der Hand gehabt: 55 TEUR für Stufe 2. Das ist mehr als ein Median-Gehalt im Jahr - brutto. Nächste Erhöhung bereits angekündigt. Irgendwas läuft gehörig schief im Land, aber das wirklich Fatale ist, dass es für eine gute Lösung längst zu spät ist und die Deutschen trotzdem weiter Ansprüche an "den Staat", also an alle anderen, stellen."  Zum Originalkommentar

Kritik an gesellschaftlichem Pflegeverhalten

Etwa ein Zehntel der Leser rücken die Rolle der Familie und des sozialen Gefüges in den Vordergrund. Viele sind davon überzeugt, dass Pflege nicht nur Sache des Staates, sondern vor allem der Angehörigen sein sollte. Gleichzeitig schwingt Unverständnis darüber mit, wie viele ältere Menschen in Deutschland heute einsam bleiben, weil Familien sich ihrer Verantwortung entziehen. Diese Stimmen betrachten Pflege nicht primär als organisatorisches Problem, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Werte.

"Es ist traurig, dass alte Menschen so vom Staat im Stich gelassen werden, obwohl sie jahrelang eingezahlt haben. Es ist aber genauso traurig, wie viele Alte einsam sind, weil die Familie Besseres zu tun hat, als sich um die Eltern zu kümmern! Ich habe als Altenpflegerin gearbeitet und viel erlebt. Nur selten Positives. Überhaupt ist diese heutige Lebensart, wie sie jetzt ist, verkommen und egoistisch!"  Zum Originalkommentar

"Die Geschichte klingt doch noch richtig gut. Schön, dass da noch Familienangehörige sind, die sich kümmern. Das kenne ich aus meiner Umgebung ganz anders. Entweder die Leute sterben einsam im Krankenhaus, oder eines Tages reagiert niemand mehr auf die Türklingel und der Schlüsseldienst macht die Tür auf. Ich denke, das ist wohl die Normalität in unserem Deutschland."  Zum Originalkommentar

"Ein jeder will es werden - alt (dann meistens leider auch noch krank und dann kommt irgendwann der Tod), doch niemand will es sein. Dazu ein angeblicher "Sozial-Staat", der noch nie mit dem Geld seiner Bürger und Steuerzahler richtig umgehen konnte. Und mittlerweile Millionen Rentner mit Mini-Renten auf Bürgergeld-Niveau. Niemand wird diese Menschen in der Zukunft 24 Stunden rund um die Uhr pflegen können oder wollen. Denn die Familien - v.a. die noch ein gutes Einkommen haben, wegen Doppelverdiener-Haushalt - müssen selbst zusehen, wie sie ihre Renten und Vermögen für die Zukunft erarbeiten. Die Boomer, die evtl. vorhandenes Vermögen haben, sollten jetzt schon zusehen, es rechtzeitig abzugeben, ansonsten kommt das Pflegeheim mit unverschämten Forderungen. Deutschland hat fertig."  Zum Originalkommentar

Unterstützung für Sterbehilfe und Selbstbestimmung

Eine nicht zu vernachlässigende Gruppe, genau genommen zehn Prozent der Diskutierenden, findet, dass ein legaler, freiwilliger Ausstieg aus dem Leben als legitime Option diskutiert werden muss. Viele fordern eine Modernisierung der Gesetzgebung, um Menschen das Recht auf ein selbstbestimmtes Lebensende zu gewähren, gerade wenn Langzeitpflege zur Belastung wird. Die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen stehen dabei verstärkt zur Diskussion.

"Ich habe genau eine Erwartung zum Thema an den Staat: würdevolles Sterben mit einer wohlschmeckenden Pille ermöglichen, wann immer ich das für richtig halte."  Zum Originalkommentar

"Zitat: "... Überhaupt hatte sie uns früh klargemacht, dass sie Pharmazie und Medizin nicht weiter für lebensverlängernde Experimente zur Verfügung stand. ..." Dieser Satz darf wohl in keinem derart gelagerten Artikel fehlen. Er könnte unsinniger nicht sein. Ich bin Arzt und keiner meiner Kollegen wäre jemals auf die Idee gekommen, bei einer 91-jährigen alle Register der Intensivmedizin zu ziehen. Das passiert schlichtweg nicht. Natürlich hängt das auch immer von den Umständen ab. Es gibt ja auch 91-jährige, die unverschuldet einen Unfall haben - da würde man schon mehr machen. Aber in dem hier geschilderten Fall ist die Sachlage klar. Ein weiterer Gedanke kommt mir in den Sinn, während ich den Artikel lese: Ein Leben ohne Kinder ist unvollständig ..."  Zum Originalkommentar

"Deswegen... und weil nicht jeder überhaupt eine Familie hat, die sich kümmern könnte, muss das Gedöns um die Sterbehilfe erheblich erleichtert werden. Jeder, der das möchte, sollte sich beim Hausarzt rechtzeitig, solange er noch klar im Kopf ist, ein entsprechendes Medikament verschreiben lassen dürfen, das er für den Notfall bei sich aufbewahren kann. Und dabei eine Person seines Vertrauens nennen, die ihm das Mittel verabreichen darf, sollte er es nicht mehr selbst nehmen können. Meinetwegen in Anwesenheit des Hausarztes oder eines Anwalts, wie auch immer. Für mich persönlich ist der Gedanke, im Pflegeheim dahin zu siechen, das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Für mich und für meinen Sohn, und die Pflegekasse würde auch entlastet. Win-Win."  Zum Originalkommentar

"Das Einzige, was bleibt, ist eben die komplette Legalisierung der Sterbehilfe. Ich persönlich, wenn mich die Demenz holt, sage auch, ich hab nicht mein Leben lang geklotzt, um so zu enden. Dann macht Schluss mit mir..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Pflegepersonal und Einrichtungen

Mit rund sieben Prozent Anteil nehmen Leser das Pflegepersonal und den Betrieb der Einrichtungen kritisch ins Visier. Ins Zentrum rücken schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichende Bezahlung und die Kommerzialisierung der Pflege. Viele Kommentierende werfen den Einrichtungen vor, dass Rendite oftmals wichtiger sei als das Wohl der Patienten. Gleichzeitig wird aber auch reflektiert, dass das Personal unter schwierigen Bedingungen arbeitet und nicht pauschal zu kritisieren ist.

"Die Pflege gehört auf den Prüfstand, aber gewaltig. Primär geht es dabei um die Einrichtungen, aber auch das Personal gehört hinterfragt und man sollte es nicht immer aus der Pflicht nehmen. Das Personal ist der Motor, der dieses fragwürdige System hierzulande am Laufen hält, egal bei welcher Einrichtung oder welchem Pflegedienst. Menschenwürde hat keinen Platz in diesem Milliardengeschäft, keinen. Das fängt schon bei der häuslichen Pflege an. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren, ganz klar. Aber, nach unseren persönlichen Erfahrungen, haben wir genauer hingeschaut, und es ist fürchterlich, wirklich fürchterlich. Oma Ilse hat Glück gehabt. Wir haben uns heute schon bewusst dazu entschlossen, dass wir unter keinen Umständen jemals in so eine Einrichtung gehen werden."  Zum Originalkommentar

"Korrekt beschrieben! Es gibt so viele Probleme in diesem System, die keiner richtig und konsequent anpackt! Angefangen von Betreibern, die ihren Aktionären eine Dividende bescheren müssen, bis zu wenig Fachpersonal, welches auch noch schlecht bezahlt wird. Selbst karitative Betreiber sind nicht immer mit Nächstenliebe ausgestattet."  Zum Originalkommentar

"Was das Pflegesystem wert ist, habe ich bei meiner Mutter gesehen, ihr Pflegeheim war in erster Linie darauf bedacht, Geld zu verdienen, die Pflege der alten Menschen höchstens zweitrangig, erkennbar an fast ungenießbarem Essen in Portionen, die gerade so reichten, um nicht zu verhungern, oder mit schmutzigen Zimmern und Toiletten, die nur unzureichend gereinigt wurden. Wer in Deutschland in ein Pflegeheim muss, ist wahrhaftig zu bedauern."  Zum Originalkommentar

Kritik an Pflege-Alltag und Belastungen

Vier Prozent der Leser nehmen den Alltag von pflegenden Angehörigen in den Fokus. Sie berichten offen von der eigenen Erschöpfung, der hohen Belastung und dem Gefühl, von Ämtern und Kassen im Stich gelassen zu werden. Speziell die Bürokratie und die mangelnde Anerkennung durch die Gesellschaft sind dabei wiederkehrende Themen.

"Pflege selber meine demente Mutter seit sechs Jahren - alleine, das eigene Leben komplett zurückgestellt, bin darüber krank geworden. Weitere Angehörige gibt es nicht. Jetzt bleibt nur noch das Pflegeheim. Seit April warte ich auf einen Platz. Die Finanzierung des Pflegeheimplatzes ist kompliziert - Rente, Pflegekasse, Wohngeld, Sozialhilfe, sobald das Schonvermögen erreicht ist. Die Sozialämter kommen nicht hinterher. So muss man auf die Kulanz der Pflegeheime hoffen. Am meisten ärgert mich, dass jeder Zugereiste besser, unkomplizierter und selbstverständlicher unterstützt wird - koste es, was es wolle, während unserer Bevölkerung mit Einsparungen in der Pflege und im Sozialversicherungsbereich gedroht wird."  Zum Originalkommentar

"So ist es, wenn die Pflege zum Selbstbedienungsladen wird. Pflegt die Familie selbst, ist es ein Selbstbedienungsladen für die Ämter und Behörden, die das nötige Geld verweigern, verschleppen und unmögliche Dinge verlangen. Ganz lausig wird es, wenn es keine Patientenverfügung gibt und von Amts wegen ein Vormund bestellt wird, der dann über Besitz und Vermögen frei verfügt. Das ist wie mit Geldscheinen bei Frost heizen. Aber auch Pflegefirmen langen für nichts zu. Alten- und Pflegeheime sind allerdings in ihrer dreisten Gier nur von den amtlichen Vormündern zu überbieten. Insgesamt ist es aber nur die Fortsetzung des überteuerten Gesundheitssystems in Deutschland. Warum sollten die Pflegepreise den Medikamentenpreisen nachstehen."  Zum Originalkommentar

Wie kann Pflege besser gelingen? Pflege geht uns alle an – doch wer soll das System reformieren, und wer trägt am Ende die Verantwortung? Diskutieren Sie mit: Was müsste Ihrer Meinung nach zuerst geändert werden, damit Pflege in Deutschland wieder würdevoll und finanzierbar wird?

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Der Tod von „Oma Ilse“ lehrt mich Wichtiges über unser Pflege-System
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