"Heutige Knallerei hat mit Tradition nichts mehr zu tun": Leser zu Böllerverbot

Die erneute Debatte über ein mögliches Verbot privater Silvesterfeuerwerke polarisiert deutlich. In den Leserkommentaren überwiegt die Ablehnung pauschaler Einschränkungen, zugleich wächst die Sorge über Gewalt, Umweltbelastungen und mangelnden Vollzug bestehender Regeln. Viele Leser fordern weniger neue Verbote als klare Zuständigkeiten und konsequentes Handeln von Politik und Behörden.

Kritik an Politik und Verbotskultur

Viele Leser lehnen ein generelles Verbot privater Silvesterfeuerwerke ab. Sie sehen darin staatliche Überregulierung und eine Politik, die lieber neue Verbote erlässt, statt geltendes Recht durchzusetzen. Tatsächlich erlaubt das Sprengstoffrecht Kommunen bereits heute, örtliche und zeitliche Verbotszonen auszuweisen, etwa in Innenstädten oder an sensiblen Orten. Auch der Missbrauch von Pyrotechnik ist strafbar. Kritiker bezweifeln, dass ein bundesweites Verbot diese Instrumente sinnvoll ergänzt. Sie verweisen auf bekannte Vollzugsdefizite bei Polizei und Ordnungsbehörden. Zentrale Feuerwerke gelten vielen als Alternative, scheitern aber oft an Kosten und Sicherheitsauflagen. Insgesamt richtet sich die Kritik weniger gegen Einschränkungen an sich als gegen symbolische Politik ohne konsequenten Vollzug.

"Ständige Verbotsandrohungen bewirken das Gegenteil dessen, was man eigentlich erreichen will. Dies zeigen doch bereits die diesjährigen Vorbestellungen an Feuerwerk, die sich auf Rekordniveau befinden. Die Menschen reagieren empfindlich, wenn man ihnen keine Alternativen bietet. Eine Alternative wäre z. B., dass die Städte und Kommunen zentrale Feuerwerke anbieten würden ..."  Zum Originalkommentar

"Warum sollte eine alte Tradition verboten werden? Ich genieße das Feuerwerk, weil es allein in verantwortungsvoller Weise von jedem Erwachsenen durchgeführt werden darf! Wenn Politiker Bedenken haben, haben diese die Pflicht, den gesetzlichen Rahmen Geltung zu verschaffen ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Sicherheitslage und Gewalt

Ein weiteres Lager sieht das Kernproblem nicht im Feuerwerk, sondern in gezielter Gewalt gegen Einsatzkräfte. Hintergrund sind jährlich gemeldete Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste in der Silvesternacht. Diese Taten sind strafbar. Leser argumentieren, ein pauschales Verbot ändere nichts an der Gewaltbereitschaft einzelner Täter. Stattdessen fordern sie sichtbare Präsenz, konsequente Strafverfolgung und schnelle Verfahren. Sicherheitsbehörden verweisen regelmäßig auf hohe Einsatzdichte und Personalmangel. Ein Verbot könnte Pyrotechnik reduzieren, würde aber gezielte Angriffe nicht automatisch verhindern. Die Kritik richtet sich daher gegen pauschale Maßnahmen, nicht gegen Sicherheitsziele.

"Wer genau sind denn meist die Leute, welche Raketen auf andere Menschen richten, Böller nach ihnen werfen oder grinsend ganze Magazine von Schreckschusswaffen leerballern? Man braucht sich doch nur mal die alljährlichen Berichte dazu ansehen. Es ist immer die gleiche Leier, man redet um den heißen Brei herum und traut sich nicht, die Probleme konkret anzusprechen."  Zum Originalkommentar

"Ärztekammerchef Reinhard ist für diese Funktion zu feige. Das Problem ist nicht das Feuerwerk, sondern es sind die, die schon den Kölner Dom und Polizisten beschossen haben."  Zum Originalkommentar

"Man muss halt mal Ordnung durchsetzen und diese Leute festnehmen, die Böller auf fahrende Busse oder Menschen werfen. Anders geht's nicht."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Tradition und Kulturtechnik

Ein Teil der Leser stellt infrage, ob private Silvesterfeuerwerke noch als schützenswerte Tradition gelten können. In dicht besiedelten Städten führten Lärm, Rauch und Müll zu wachsenden Konflikten. Nach Angaben des Umweltbundesamts steigen die Feinstaubwerte rund um Neujahr kurzfristig stark an. Kritiker sehen darin keinen kulturellen Wert, sondern ein überholtes Ritual. Die Einordnung als Kulturtechnik stößt deshalb auf Ablehnung. Tradition allein, so das Argument, rechtfertige keine Praxis mit regelmäßig dokumentierten Folgen. Die Kritik richtet sich weniger gegen das Feiern als gegen private Pyrotechnik im öffentlichen Raum.

"(...) Sinnvoller wäre es mit Blick darauf, ein Verbot von Alkohol zum Jahreswechsel zu fordern."  Zum Originalkommentar

"Die heutige Knallerei hat mit der alten Tradition zur Begrüßung des neuen Jahres nichts mehr zu tun und ist nur noch eine Vermüllung des öffentlichen Raumes mit den Resten der Böller, mit Feinstaub, Bränden und mutwilligen Zerstörungen bis hin zu Angriffen auf Personen mit Feuerwerkskörpern. Das ist überflüssig wie ein Kropf ..."  Zum Originalkommentar

"Kulturtechnik könnte ein Favorit beim Unwort des Jahres werden - da geht es wohl wieder mal um Profit. Am besten, es werden Feuerwerke jeweils von den örtlichen Feuerwehren veranstaltet - dann braucht man keine private Ballerei."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Flüchtlingsargumenten

Mehrere Kommentare wenden sich dagegen, Geflüchtete oder Traumatisierte als zentrales Argument für Einschränkungen heranzuziehen. Zwar ist medizinisch belegt, dass Knallgeräusche Stressreaktionen auslösen können. Kritisiert wird jedoch, dass dieses Argument pauschal eingesetzt wird, ohne konkrete Lösungen zu benennen. Rechtlich gilt Rücksichtnahme als Teil der Verhältnismäßigkeit, nicht als alleiniger Verbotsgrund. 

"Ach ja, die syrischen Flüchtlinge müssen jetzt also für das Böllerverbot herhalten? Sind das nicht die, die in Berlin hauptsächlich an den Angriffen auf Beamte mit Pyrotechnik beteiligt waren? Ich bin auch für ein Verbot, aber dieses Argument ist lächerlich."  Zum Originalkommentar

"Das ist ja jetzt der Gipfel der Unverschämtheit. Jetzt sollen wir wegen der Ukrainer auch noch auf Raketen und Böller verzichten ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Umwelt- und Tierschutzaspekten

Ein weiteres Lager betont Umwelt- und Tierschutz. Messungen zeigen, dass die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht kurzfristig stark ansteigt. Hinzu kommen Müll, Brände und Stress bei Tieren. Diese Folgen sind seit Jahren bekannt. Kommentatoren fordern daher strengere Regeln oder ein Ende privater Pyrotechnik. Andere plädieren für gezielte Einschränkungen besonders lauter Produkte. Kritisch sehen sie, dass Umweltargumente politisch oft selektiv genutzt werden. Unstrittig bleibt jedoch, dass Feuerwerk messbare Belastungen verursacht.

"Auch ich bin gegen das private unkontrollierte Knallen an Silvester. Immer werden Menschen verletzt. Auch die Tiere müssen leiden. Außerdem schaden die Dämpfe dem Klima. Organisiertes Knallen, zum Beispiel auf dem Marktplatz, finde ich ausreichend ..."  Zum Originalkommentar

"(...) Mich persönlich stören die Raketen, die um Mitternacht gezündet werden, nicht so sehr wie diese schrecklichen Böller. Tagelang dieser Krach ist unerträglich. Dazu müssen wir ab 2026 höhere CO2-Abgaben zahlen, um damit angeblich das Klima zu retten, und diese Umweltsauerei ist immer noch erlaubt."  Zum Originalkommentar

Unterstützung für zentrale Feuerwerke

Als Kompromiss finden zentral organisierte Feuerwerke Zustimmung. Sie könnten Risiken bündeln und Sicherheitskräfte gezielter einsetzen. In mehreren Ländern setzen Städte bereits auf solche Modelle. In Deutschland scheitert dies häufig an Kosten, Genehmigungen und Sicherheitsauflagen. Zudem bleibt offen, ob zentrale Angebote illegales Böllern verdrängen. Dennoch sehen viele darin einen Ansatz, Freiheit und Sicherheit besser auszubalancieren.

"(...) Wenn Polizei und Rettungskräfte regelmäßig und in großem Stil angegriffen werden, dann ist für mich eine Grenze deutlich überschritten und man muss über ein Verbot nachdenken. Es könnten stattdessen ja an zentralen Orten (in Städten an mehreren) organisierte Feuerwerke stattfinden ..."  Zum Originalkommentar

"Geregeltes Böllern ist okay, in Wohngebieten sollte es verboten werden."  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Dieses Lager umfasst mit zehn Prozent Beiträge, die mehreren Perspektiven zugeordnet werden könnten oder unspezifische, satirische oder schwer einordenbare Meinungen darstellen. 

"Es geht ja um Steuern"  Zum Originalkommentar

Was ist Ihnen wichtiger – das Bewahren von Silvesterbräuchen oder mehr Sicherheit und Umweltschutz? Diskutieren Sie mit: Wie stehen Sie zum Böllerverbot? Gibt es einen Weg, die verschiedenen Interessen zu vereinen?

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