- Der vollständige Artikel von Cheyenne Peters, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Olympiasieger: "Mein Sohn bekam eine Eins im Sport – ich halte das für falsch"
Ein prominenter Vorstoß des Olympiasiegers Matthias Steiner zum Thema Leistungsbewertung im Schulsport entfacht eine vielschichtige Diskussion: Im Artikel kritisiert Steiner, dass Leistungsunterschiede in der Schule zu wenig beachtet und Leistungsträger oft nicht genügend anerkannt werden. In der Leserdebatte entsteht vor allem ein Spannungsfeld zwischen jenen, die eine stärkere Leistungsorientierung fordern, und den Stimmen, die vor einer Gleichmacherei und deren Folgen warnen. Gleichzeitig werden konkrete Praxen der Benotung kritisch hinterfragt, darunter auch die Frage, wie Motivation und Fairness im Unterricht gewährleistet werden können. Deutlich wird ebenso Skepsis gegenüber sozialer Gleichstellung sowie grundlegender Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen.
Zustimmung zur Leistung im Sport
Ein großer Teil der Leser (46 Prozent) unterstützt die Forderung nach einer stärkeren Leistungsbewertung im Schulsport. Sie betonen, dass Noten notwendig seien, um Motivation, Ehrgeiz und den Umgang mit sowohl Siegen als auch Niederlagen zu vermitteln. Kritisch sehen sie jede Verwässerung von Leistungsansprüchen und warnen vor negativen Folgen für Motivation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Bezug zum Artikel ist dabei klar: Die aktuelle Gleichstellung beim Bewerten von Sportleistungen, wie sie Steiner am Beispiel seines Sohnes kritisiert, wird als demotivierend für leistungsstarke Kinder sowie die Gesellschaft insgesamt angesehen.
"Anzuerkennen, dass andere besser sind, ist der erste Schritt, besser zu werden." Zum Originalkommentar
"Wir brauchen das Leistungsprinzip, weil das im Leben so ist. Wir brauchen Benotung in der Schule und sitzenbleiben bis zur Förderschule. Der Beste führt die Klasse an und nicht alle richten sich nach dem Schlechtesten. Auch nicht, wenn der über Inklusion reinkam. Leistung in Unterricht und Sport oder Bye. An die Uni darf der Weizen und nicht die Spreu, die keinen geraden Satz ohne Fehler schreiben kann, das Abi geschenkt bekam, aber keinen Führerschein schafft." Zum Originalkommentar
"Grundsätzlich gebe ich Herrn Steiner recht. Der Leistungsgedanke ist wichtig. Wer nicht bereit ist, sich anzustrengen, wird auch keine Erfolge 'ernten' können. Ich hatte z. B. in allen Sprachfächern bestenfalls eine 4, meistens eine 5. Dabei hat es niemanden interessiert, dass ich so sehr stotterte, dass ich kaum einen Satz zustande bekam. Das Argument: 'er kann ja nichts dafür' zählte nicht und hätte ich auch nicht akzeptiert. Schriftlich hatte ich nie ein Problem, aber in allen mündlichen Bereichen war es katastrophal. Ich fand das zwar ärgerlich und demütigend, aber trotzdem OK. Ich konnte eben nicht vorlesen und verhielt mich im Unterricht möglichst unauffällig, so konnte ich auch keine guten Noten erwarten." Zum Originalkommentar
"Es liegt in der Natur der Menschen, sich über Leistung zu vergleichen. Eine Gesellschaft, die Leistung gering schätzt, ist eine untergehende Gesellschaft." Zum Originalkommentar
Kritik an Gleichmacherei im Sport
In diesem Lager (24 Prozent) herrscht Skepsis gegenüber Bestrebungen, im Schulsport Leistungsbewertungen abzuschaffen oder zu verwässern. Viele Kommentierende fürchten einen Verlust von Werten wie fairer Wettbewerb, Ehrgeiz und dem konstruktiven Umgang mit Niederlagen. Konkrete Kritik richtet sich an die Praktiken, die im Artikel angesprochen werden: Wenn Kinder unabhängig von ihrer Leistung dieselbe Note oder keine klare Rückmeldung auf ihre Anstrengung erhalten, wird befürchtet, die Motivation sinke allgemein. Darüber hinaus wird diskutiert, wie solche Entwicklungen auf gesellschaftlicher und bildungspolitischer Ebene wirken.
"Bin auch gegen Noten im Sport. Meine Kinder reiten und spielen Golf. Benotet werden aber Straßensportarten. Das ist unsozial!" Zum Originalkommentar
"Gefördert werden sollten der Teamgeist und die Leistung als Mannschaft. Ich finde es nicht gut, wenn bereits Kinder gegeneinander ausgespielt werden. Nicht selten werden dadurch Neid, Missgunst, Feindschaften und sonstige Konflikte erzeugt." Zum Originalkommentar
"Einige Eltern meinen, ihre Kinder wären in allem toll und gut. Das entspricht häufig nicht der Realität." Zum Originalkommentar
Kritik an gesellschaftlicher Entwicklung
Einige Leser (elf Prozent) sehen in der gegenwärtigen Entwicklung eine schleichende Abwertung von Leistung insgesamt. In den Kommentaren werden gesellschaftliche und politische Hintergründe diskutiert, die für diese Entwicklung verantwortlich seien, und die Auswirkungen auf Motivation, Wirtschaft und Bildung scharf bewertet. Das im Artikel erwähnte Problem, Erfolge ohne nennenswerte Leistung zuzuschreiben, treibt die Sorge um eine allgemeine Demotivation der Bevölkerung. Die Diskussion nimmt so über die Schule hinaus gesamtgesellschaftliche Dimensionen an.
"Im Grunde genommen ist das alles seit Rousseau bekannt. Aber das Fatale ist, dass beginnend mit 'den 68ern', eine fast nihilistische Leistungsverweigerung gepredigt wurde, die sich in einer selbstgefälligen intellektuellen Überheblichkeit dargestellt hat. Die wurmstichigen Früchte werden heute geerntet." Zum Originalkommentar
"Leistung?! LinksGrün hat dafür gesorgt, dass Leute heute nur noch fragen „Leistungen“ super, wo kann ich die beantragen!" Zum Originalkommentar
Kritik an Benotungspraxis im Schulsport
Eine Gruppe (acht Prozent) reflektiert kritisch über den aktuellen Umgang mit Benotung im Schulsport. Sie sehen Problemfelder darin, dass trotz unterschiedlicher Leistung teils dieselben Noten vergeben werden, wie vom Olympiasieger Steiner am Beispiel der Kletterstange aufgezeigt. Gleichzeitig fordern einige eine stärkere Differenzierung je nach Engagement und individueller Leistungsfähigkeit. Die Rolle der Benotung für Motivation und Fairness im Unterricht wird ausführlich debattiert. Damit steht diese Perspektive im Zentrum der von Steiner angeregten Diskussion.
"Ich gehöre zu denen, die nie ein Tau oder eine Stange hochklettern konnten. Dafür gab es keine "1" oder "2" sondern eine "5". Eine "6" hätte es bei Totalverweigerung gegeben. Das habe ich immer verstanden. Kein Verständnis konnte ich allerdings wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen aufbringen. Wenn im Musikunterricht Noten "gehört" werden sollten, auch von denen, die keinen privaten Instrumentenunterricht bekamen. Oder eben im Sport, wenn es hieß "rauf", aber niemals dafür im Unterricht geübt wurde." Zum Originalkommentar
"An sich braucht es zwei Noten. Eine für Engagement und eine für die tatsächliche Leistung. Weil der Klimmzug, die 5 m im Weitsprung, die 8 sek im 50 m Lauf für die einen immer locker zu erreichen ist, sie aber sich nie anstrengen und trotzdem die 1 bekommen und die anderen, die gerne was erreichen wollten, aber ein Klimmzug etc. unerreichbar bleibt..." Zum Originalkommentar
"Kletterstange ging zu meiner Schulzeit noch auf Zeit und nur die Schnellsten bekamen eine Eins. Ich bekam trotzdem immer eine Eins im Sport, aber ich war auch immer einer der voran geht mit Leistung im Sport." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Noten im Schulsport
Weitere Leser (sechs Prozent) sprechen sich klar gegen die Benotung im Fach Sport aus und sehen Sport eher als Hobby oder Freizeitangebot. Sie argumentieren, dass die Freude an der Bewegung und der Erwerb von Grundtechniken wichtiger seien als Noten, die gerade für weniger begabte Kinder demotivierend wirken können. Die Debatte reflektiert das von Steiner kritisierte Problem, gleichzeitig aber auch die Vielfalt individueller Begabungen und Interessen. Es werden zudem Vorschläge für alternative, weniger restriktive Bewertungssysteme gemacht.
"Sport ist kein Fach. Die Teilnahme muss fakultativ sein. Er kann als Angebot vor der ersten Stunde oder nach der letzten Stunde angeboten werden." Zum Originalkommentar
"Sport ist Hobby, kein Fach. Noten haben da nichts zu suchen. Im Lehrplan hat das nichts verloren." Zum Originalkommentar
"Ich bin ganz gegen Noten in Sport oder Musik und Kunst - außer in der Oberstufe im Leistungskurs. Der Erfolg motiviert auch so. Umgekehrt werden die weniger Begabten durch Noten extrem und unnötig demotiviert. Bei diesen Fächern kommt es aber m. E. darauf an, den Spaß an der Sache und bestimmte Grundtechniken zu vermitteln. Sie vermitteln nicht primär Qualifikationen für Beruf oder Universität. Im Übrigen hat Herr Steiner natürlich recht: Wenn Noten, dann müssen die auch die Leistung abbilden. Grundsätzlich bin ich darum für ein 3-Noten-System: Außerordentlich gut, Anforderungen erfüllt, Anforderungen nicht erfüllt. Dann kann man die dritte Note in Sport oder Musik denen geben, die sich nicht einmal Mühe geben. Auch das würde die Demotivation mindern." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber sozialer Gleichstellung
Die übrigen fünf Prozent richten ihren Blick auf Aspekte der sozialen Gleichstellung und Inklusion im Bildungssystem. Sie kritisieren, dass gleiche Noten für unterschiedliche Leistungen zu Ungerechtigkeiten führen und benachteiligen damit motivierte oder leistungsstarke Kinder. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob Gleichbehandlung immer fair ist oder individuelle Förderung und Leistung stärker gewürdigt werden sollten, wie es auch Steiner im Artikel anspricht. Die Debatte um die Verantwortung von Eltern und Schule wird dadurch zusätzlich aufgeladen.
"Jeder bekommt eine 1, und niemand wird benachteiligt. - So die 'soziale' Denkweise. Andererseits, wenn jeder eine 1 bekommt, werden die 'Guten' extrem benachteiligt, weil: Ihre Leistungen werden nicht 'gewürdigt' und schon gar nicht gefördert. Das ist nicht nur im Sport so. Gerade 'gute' Schüler werden regelmäßig am Lernen gehindert. - Es soll ja keiner besser sein als der Rest. Es soll ja auch keiner 'zurückgelassen' werden. - So die 'soziale' Denkweise. Am Ende sind alle 'gleich dumm'. - Das 'soziale Ziel' ist erreicht." Zum Originalkommentar
"Selbstwirksamkeit gibt es nur mit Leistung. Aus Fehlern lernen schafft nicht nur Wissen und Fähigkeiten, sondern auch Resilienz. Ja, die Voraussetzungen für die Kinder sind sehr unterschiedlich. Dafür können sie nichts, aber die Eltern. Der Staat kann nicht alles auffangen, könnte aber vieles besser machen, zum Beispiel für alle Schüler, kostenlosen ÖPNV, der Bolzplätze und Schwimmbäder. Dann könnten diejenigen, die wollen und es trotz Eltern schaffen, sich zu motivieren, wenigstens weiterkommen. Aber Noten abschaffen und Leistung abwerten, sorgt nur für noch größere Probleme in der Zukunft." Zum Originalkommentar
Die Frage bleibt: Wie sollte der Schulsport in Deutschland bewertet werden – mit strengeren Noten, mehr Fokus auf Motivation oder völliger Freiwilligkeit? Diskutieren Sie mit: Wie kann Schule Talente fördern und dennoch fair bewerten? Teilen Sie Ihre Sicht zur Leistungsdebatte im Schulsport jetzt in den Kommentaren!