Berglerner Teerweiher: „Hier gibt‘s kein Remmidemmi“

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Sehr natürlich ist dieser Teil des Ufers: Der Kiesbereich, in dem die Gäste ihre Handtücher ausbreiten können, ist vergleichsweise schmal.  © Klaus Kuhn

Die Badegäste am Teerweiher bei Berglern hatten eine ganz große Bitte an unsere Zeitung: „Bloß nichts über den Weiher schreiben, sonst kommen noch mehr hierher!“ Diesem Wunsch können wir leider nicht nachkommen, in unserer großen Serie darf dieses Badegewässer freilich nicht ausgespart werden.

Berglern – Es handelt sich um das offizielle Badegewässer der Gemeinde Berglern, eine ehemalige Kiesgrube in der Nähe der Straße Richtung Freising, in Fahrradentfernung von Mitterlern. Es ist zu zwei Dritteln an einen Fischereiverein verpachtet, das letzte Drittel an die Gemeinde, die 2022 erst den Pachtvertrag mit der Eigentümerfamilie verlängert und bei der Gelegenheit auch den ganzen Badebetrieb dort neu geregelt hat. Und wie zu fast allem heute hat die Gemeinde dafür auch einen Rechtsanwalt gebraucht. Es handle sich um „ein weitgehend natürliches Badegewässer“.

Keine Spur mehr von Wild-Campern

Irgendwelche Infrastruktur? Fehlanzeige! Keine Stege, keine Badeinsel, keine sanitären Anlagen, Bootsbetrieb verboten, keine Aufsicht, kein Kiosk. Wohl aber ist ein Teil des Ufers sehr natürlich, der Kiesbereich, wo die Gäste ihre Handtücher ausbreiten können, ist vergleichsweise schmal. Parkplätze gibt es auch keine. Geparkt wird, wo Platz ist, zumeist am Rand der Zufahrtsstraße, die aber auch breit genug ist. Das Fehlen von Infrastruktur hat Vorzüge: „Hier gibt es kein Remmidemmi“, sagt Franz Wenger aus Moosburg, der mit Frau Hilde genau deshalb hierher kommt. Hilde Wenger erzählt, dass es vor allem die Berglerner selbst seien, die den Badeplatz so erhielten, wie er ist.

Vor wenigen Wochen war es noch Thema im Gemeinderat gewesen: Wohnmobile im Bereich des Badegewässers, und die haben dort einfach nichts zu suchen (wir berichteten). „Das war mal ein echtes Problem, aber das hat aufgehört. Die sind von den Leuten hier angesprochen worden, und denen ist gesagt worden, dass das verboten ist“, erzählen die Wengers. Offenbar mit Erfolg, wilde Camper sind auch beim erneuten Besuch unserer Zeitung Fehlanzeige. Auf die Frage, ob es eine funktionierende soziale Kontrolle gebe, nicken beide energisch. „Da waren ja früher Betonringe, da konnte man Feuer machen. Da ist dann auch alles rein geflogen. Die sind aber weggekommen“, erinnern sich die Wengers.

Was die beiden nicht wissen können: Der Vertrag der Gemeinde enthält auf Wunsch der Verpächter wegen Brandgefahr vor allem im Sommer ein Verbot von offenem Feuer. Nach 2022 wurden besagte Betonringe entfernt. Nun stehen Papierkörbe da, die nach Beobachtungen des Ehepaars regelmäßig geleert werden. Sie loben die Sauberkeit an diesem schönen, natürlichen Ort. „Die Leute nehmen ihren Müll wieder mit, oder sie tun ihn dahin, wo er hin gehört.“

Franz Wenger erzählt, dass der Abfluss immer wieder von Bibern regelrecht zugebaut wird. Die Folge: „Dann steigt der Wasserspiegel, und dann ist der ganze Badeplatz unter Wasser. Da reicht dann ein Anruf bei der Gemeinde, und dann kommen die mit einem Frontlader und machen das wieder frei. Das geht dann ruck-zuck!“

Sein Daumen geht nach oben, während etwas weiter weg drei Jugendliche, den Taschen nach alle beim SV Eintracht Berglern, eine interessante Entdeckung machen: „Da ist ein kleiner Frosch!“ Augenblicklich haben sich die drei um den kleinen Kerl, der sich direkt am Einstieg ins Wasser zwischen Gras und Steine geduckt hat, versammelt. Es handelt sich um einen noch häufig vorkommenden Teichfrosch, den der Badebetrieb offensichtlich nicht stört.

Teerweiher Berglern Frosch
Der Frosch, den die Berglerner Kinder beobachtet haben, lässt sich von dem Trio und vom Badebetrieb nicht stören. Zu sehr genießt er die ansonsten in Ruhe gelassene Natur und Ruhe am Teerweiher. © Klaus Kuhn

Woher sein Name kommt

Dass solche Natur am Teerweiher erlebt werden kann, ist so selbstverständlich längst nicht mehr. Apropos: Warum heißt der eigentlich Teerweiher? Das weiß Vize-Bürgermeister Otmar Lerch: „Der heißt Teerweiher, weil dort früher eine Asphalt-Mischanlage gestanden hat. BAM hieß die Firma aus Niederbayern geheißen. Die hat da 20 Jahre lange den Kies abgebaut und auch diese Anlage betrieben. Dann ist sie weggekommen.“ Übrig blieb ein Badegewässer, das bei allem offiziellen Charakter für viele Menschen ein lieber geheim gehaltenes Fleckerl Erde beziehungsweise Wasser ist.

Auf einen Blick

Sanitäre Anlagen gibt es nicht, auch keinen Kiosk.

Aufsicht/Rettungsdienst: auch hier Fehlanzeige

Parkplätze: wenige, entlang der Zufahrtsstraße

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