Kirchenbauer, Lehrer, Menschenfreund: Pfarrer Karl Herdegen hat in Moosinning Spuren hinterlassen

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Auch um das geistliche Wohl der Schulkinder kümmerte sich Pfarrer Karl Herdegen – im Bild 1928 mit den ersten beiden Klassen der Jahrgänge 1921/22. Rechts hinten: Lehrerin Elisabeth Schnecker. © Gemeindearchiv Moosinning/Repro: Clarissa Höschel

Moosinnings sechster Pfarrer Karl Herdegen hat im Ort weithin sichtbare Spuren hinterlassen. Er war Kirchenbauer, Menschenfreund und Ehrenbürger. Seit mehr als 40 Jahren erinnert eine nach ihm benannte Straße an den Geistlichen.

Moosinning – Bis 1883 gehörte St. Emmeram als Filialkirche zur Pfarrei Aufkirchen, erst 1884 wurde Moosinning selbst zur Pfarrei erhoben. Mit dem aus Großhesselohe stammenden, 41-jährigen Karl Herdegen (1880-1962) kam 1921 der sechste Pfarrer nach Moosinning und sah sich sogleich mit der Notwendigkeit eines Kirchenerweiterungsbaus konfrontiert.

Kirchenweihe zum 25. Priesterjubiläum

Bereits sein Vorgänger Adolf Eckel (1914-1921) hatte sich vehement dafür eingesetzt, nun sollte Herdegen dieses Unterfangen zu einem erfolgreichen Ende führen. Der Weg dahin war allerdings ein steiniger: Angefangen von verschiedenen vorgelegten, dann verworfenen Bauplänen über die Fragen der Finanzierung bis hin zu unterschiedlichen Ansichten in der Bevölkerung reichten die Stolpersteine, die das Vorhaben immer wieder hinauszögerten.

Dabei war mit dem Münchner Architekten Franz Xaver Huf der beste Planer längst gefunden. Huf zeichnete 1923 verantwortlich für den Umbau der Moosinninger Pestkapelle in eine Kriegergedächtnisstätte und lieferte die Pläne für den 1929 vollendeten Erweiterungsbau von St. Emmeram.

Pfarrer Karl Herdegen auf einem Porträt des Erdinger Künstlers Benno Hauber (1924-1994). Als Kirchenbauer und Ehrenbürger ist Herdegen bis heute in der Gemeinde präsent.
Pfarrer Karl Herdegen auf einem Porträt des Erdinger Künstlers Benno Hauber (1924-1994). Als Kirchenbauer und Ehrenbürger ist Herdegen bis heute in der Gemeinde präsent. © Clarissa Höschel

Als 1926 Kooperator Josef Gammel nach Moosinning kam, fand Herdegen in dem jungen Neupriester tatkräftige Unterstützung. Gammel übernahm nicht nur die Betreuung der Eichenrieder Notkirche, sondern stand Herdegen auch als passionierter Schriftgelehrter und Chronist zur Verfügung. So konnte Pfarrer Herdegen, in seiner Eigenschaft als Vorstand der Katholischen Kirchenverwaltung, einen Abriss zur Moosinninger Kirchengeschichte verfassen, der bei der Grundsteinlegung am 29. Juli 1928 in einer Kupferkassette für die Nachwelt eingemauert wurde.

Auch die Kirchenweihe, die Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber am 28. Juni 1929 zelebrierte, war für den Geistlichen ein doppelter Anlass zu Freude und Dankbarkeit: Am 29. Juni 1904 in Freising zum Priester geweiht, fiel die Kirchenweihe exakt mit seinem 25. Priesterjubiläum zusammen.

Trotz dieser Erfolge wurden die Zeiten nicht besser, im Gegenteil: Politische und wirtschaftliche Krisen ermöglichten das Erstarken der Nationalsozialisten, eine auch für Seelsorger schwierige Zeit. Sie unterstanden als Geistliche dem seit 1871 bestehenden Kanzelparagraphen, der es ihnen bis 1953 verbot, sich öffentlich (von der Kanzel aus) zu weltlichen und insbesondere zu politischen Fragen zu äußern. Gleichzeitig waren Kirche und Geistlichkeit den Machthabern ob ihres Einflusses auf die Gläubigen zunehmend ein Dorn im Auge, was sich in immer neuen Verboten katholischer Zusammenschlüsse und Aktivitäten niederschlug.

Im Herbst 1939, der Krieg hatte gerade begonnen, verließ Pfarrer Herdegen die Pfarrei, in der er seit 18 Jahren gewirkt hatte, übrigens als zu diesem Zeitpunkt dienstältester Pfarrer überhaupt. Seine neue Wirkungsstätte war Deining im Landkreis Wolfratshausen. Dort erlebte er die Kriegszeit ähnlich wie sein Nachfolger Anton Felber in Moosinning: Immer häufiger wurde in das kirchliche Leben eingegriffen, etwa durch die aufoktroyierte Verlegung von Fronleichnam auf den Sonntag. Prozessionen im Freien waren allerdings ebenso verboten wie Bittgänge und Wallfahrten.

Zum 70. Geburtstag wird er Ehrenbürger

Im weiteren Kriegsverlauf kam es immer wieder zur Beschlagnahme von Kirchenglocken – sie wurden als Rohstoff für Rüstungsgüter eingeschmolzen. Hinzu kamen die menschlichen Dramen, die sich aufgrund von Nazi-Diktatur und Kriegsgeschehen abspielten. Schon allein durch die Spaltung der Gemeinden – und nicht selten auch von Familien – in Unterstützer und Opfer des Systems, in menschenverachtende Gewinner und gedemütigte, oft zu Unrecht denunzierte Verlierer. Zu Letzteren gehörten vielfach Kriegsgefangene, die die im Felde stehenden Arbeitskräfte ersetzen mussten. Für sie hielten die Pfarrer immer wieder eigene Gottesdienste ab.

Nach Kriegsende waren sie es zuerst, die von dieser entmenschlichten Zeit berichteten, so auch Pfarrer Karl Herdegen, der selbst spontane Standgerichte erleben musste.

Trotz seines Weggangs sind Herdegens Verbindungen nach Moosinning nie abgerissen, und auch die Gemeinde hatte ihn nicht vergessen, im Gegenteil: Im Jahr 1950, zu seinem 70. Geburtstag, wurde Herdegen, in Würdigung seiner zahlreichen Verdienste als Seelsorger, Lehrer, Menschenfreund und Kirchenbauer zum Ehrenbürger ernannt.

Zwölf Jahre später starb Herdegen in Deining. In Moosinning erinnern nicht nur St. Emmeram und die Priestergedenkstätte an ihn, sondern seit mehr als 40 Jahren auch eine nach ihm benannte Erschließungsstraße südlich der Andreas-Kaiser-Straße. Auch sie ist nach einem Ehrenbürger benannt.

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