Die Stars bei der Sonderausstellung der Flugwerft Schleißheim sind drei Nachbauten der Junkers F13. Bei Sonnenschein erheben sich alle drei Flugzeuge zum Rundflug über München.
Oberschleißheim – Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Nur Stunden zuvor hat Andreas Züblin eine der drei Junkers aus der Schweiz über die Alpen nach Oberschleißheim geflogen. Die F13 waren dann das Highlight der Sonderausstellung am Wochenende auf der Flugwerft, einer Zweigstelle des Deutschen Museums.
In den Mittagsstunden am Samstag scheinen Züblins Mundwinkel noch immer bis an die Ohrläppchen zu reichen. Der Flug über die Alpen ist ein unvergessliches, beinah metaphysisch erfahrenes Erlebnis. Über den Wolken, hat der Barde Reinhard Mey schon 1974 geträllert: Alle Ängste, alle Sorgen, so sagt man, blieben darunter verborgen. Andreas Züblin lächelt breit.
Der 36-jährige Schweizer ist Vize von „Junkers Luftverkehr“. Der eidgenössische Verein will die 1919 erstmals geflogene F13 einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Junkers ist der erste Ganzmetallflieger mit Kabinen für Fluggäste. In den 1920ern hat die F13 bis zu 70 Prozent des Flugverkehrs in Europa bewältigt. Die letzte, noch erhaltene Maschine ist auf der Museumsinsel in München geparkt. „Fliegen tut da schon lange nix mehr“, verrät Züblin. In aufwendiger 3-D-Laservermessung hat der Verein deshalb drei flugtaugliche Nachbauten produziert.
Nach dem Mittagsmahl soll´s endlich losgehen. Alle drei F13 erheben sich zu einem Rundflug über München. Das Wetter ist prächtig. Die Flüge haben dem Verein einen stattlichen Zuwachs an Neumitgliedern beschert. Gemäß der Vereinsstatuten darf nur mitfliegen, wer „Junkers Luftverkehr“ seit 30 Tagen angehört. Als die Schweizer den Termin in Oberschleißheim bekanntgaben, standen die Telefone nicht still.
Aktion zum Tag des offenen Denkmals
Die Sonderausstellung auf der Flugwerft in Oberschleißheim war Teil einer seit Jahren anhaltenden Rückbesinnung auf die gute alte Zeit. Zum Tag des offenen Denkmals in München lud das Deutsche Museum am Sonntag zu einem Oldtimer-Treff vor dem Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf die Theresienhöhe.
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Ein paar Meter neben den F13 hantieren Udo Roßbach und Philipp Hilt von den „Bayerischen Flugzeug Historikern“ am „Flamingo“. Die Udet U12 ist ein in etwa zeitgleich mit der Junkeers F13 von der Deutschen Verkehrsfliegerschule genutztes Sport- und Schulflugzeug.
Wie Andreas Züblin von den Eidgenossen sind auch die beiden Vorsitzenden der Flugzeug-Historiker ganz verrückt nach alten Fliegern. Gleich ist es auch bei den Bayerischen Flugzeug Historikern so weit. Mal eben eine Runde mitzufliegen, ist leider nicht für jeden möglich. Nur Techniker, Piloten und Vereinsmitglieder. Man würde ja gern, meint Vize Hilt: „Versicherungstechnisch!“, schiebt er nach und hebt bedauernd die Schultern.
Dass die Schweizer mit den Junkers an diesem Wochenende auf der Flugwerft sind, freut die Jungs von den „Bayerischen Flugzeug Historikern“ ganz besonders. Im Laufe der Jahre habe man eine tolle Fliegerfreundschaft begründet, führt Roßbach aus.
Ob aus Bayern oder aus der Schweiz: Die Männer der Lüfte teilen nicht nur die Freuden einer grenzenlosen Freiheit dort oben über den Wolken. Das einmalige Erlebnis, einem Vogel gleich zu sein, öffnet einem neue Horizonte: Und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein, hat der Barde Reinhard Mey dereinst geträllert. Das ist pure Metaphysik