Seit Dezember ist Florian Meier (CSU) Bürgermeister in Aschheim. Im Interview spricht er über seinen Start im Amt und erste Herausforderungen.
Mehr als 2000 Aschheimer haben Florian Meier (39) am 15. Dezember 2024 ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk gemacht. Sie wählten ihn zu ihrem neuen Bürgermeister. Der CSU-Gemeinderat stieg zum Rathauschef auf und musste direkt loslegen: Zwölf Stunden nach der gewonnenen Stichwahl hatte er seinen ersten Arbeitstag. Vor den Weihnachtsferien bekam er an den ersten Arbeitstagen schon eine Kostprobe, was ihn in den nächsten rund siebeneinhalb Jahren erwartet. Im Interview spricht Meier über seinen Start an der Spitze des Rathauses, die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und die Herausforderungen seiner Amtszeit.
Herr Meier, was war Ihr erster Termin am Montagmorgen nach der Stichwahl?
Eine Gratulation zum 80. Geburtstag gleich um 9 Uhr. Um 8 Uhr war ich im Rathaus, bekam die ersten Einweisungen und bin gleich losgefahren.
War es denn sehr ungewohnt, als „Herr Bürgermeister“ begrüßt zu werden?
Ja, da muss man sich erst einmal dran gewöhnen (lacht). Man gewöhnt sich gerne und schnell daran. Aber ich habe Respekt vor dieser Aufgabe.
Sie waren bisher als Landwirt ja eher ein Einzelkämpfer. Jetzt haben Sie eine nette Sekretärin, die Ihren Terminkalender füllt. Wie anders ist das?
Wir haben den Hof als Familie gemeinsam bewirtschaftet. Trotzdem hatte ich natürlich die letzten Jahre einen anderen Arbeitsablauf. Vor der Tätigkeit als Landwirt war ich aber schon als Geschäftsführer tätig und habe daher auch Erfahrung mit Personalführung. Die Firma war aber natürlich kleiner als die Gemeindeverwaltung Aschheim.
Sind Sie überrascht, wie viele Termine ein Bürgermeister hat?
Nein, ich war überrascht, dass nicht noch mehr Vereinsweihnachtsfeiern anstanden. Die meisten waren in der ersten Dezemberhälfte. Am ersten Arbeitstag hatte ich gleich eine Aufsichtsratssitzung der AFK. Intern hatte ich Besprechungen über die großen Projekte von 2025.
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War das eher ein lockeres Informieren oder mussten Sie schon Entscheidungen treffen?
Es war beides. Und es ist tatsächlich etwas ganz anderes, die Verwaltung von Innen zu sehen. Im Bau-Bereich hatte ich schon tiefe Einblicke als Mitglied des Bauausschusses. Bei Personalthemen muss ich mich erst einmal einlesen.
War das Personal nett zu Ihnen?
Oh ja, ganz lieb. Ich bin super empfangen worden und habe alle zu einem Umtrunk eingeladen. Da waren auch der Zweite Bürgermeister Robert Ertl und Dritte Bürgermeisterin Marion Seitz dabei.
Hatte der neue Bürgermeister rund um die Feiertage gleich zwei Wochen Urlaub?
Das Rathaus war mit Brückentagen bis einschließlich 1. Januar geschlossen. Ich hatte durch Betrieb, Hausbau und Wahlkampf 2024 nur vier Tage Urlaub. Eine Woche Abschalten tat mir gut. Seit 2. Januar bin ich wieder da, weil die Kämmerei den Jahresabschluss macht.
Laufen die wesentlichen Projekte wie Rathaus, Schulcampus oder Münchner Straße weiter wie bisher geplant?
Bei der Münchner Straße haben wir aus dem ersten Bauabschnitt gelernt und müssen jetzt frühzeitig mit der Verkehrsplanung beginnen. Grundschule und Schulcampus laufen gut. Beim Rathaus hoffen wir auf eine baldige Baugenehmigung.
Am ersten Arbeitstag hatten sie schon eine AFK-Sitzung. Die Bürger sehen die AFK derzeit sehr kritisch. Wie haben Sie sich in der Sitzung verhalten?
Wir als Aschheimer sehen da besonders hin, weil der Impuls zur Geothermie-Bohrung von Aschheim ausging. Geschäftsführung und Aufsichtsrat müssen zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden. Auch die drei beteiligten Bürgermeister müssen das große Ziel vor Augen haben, die Gesellschaft im Sinne ihrer Gemeinden in die Zukunft zu führen.
Nach der Kommunalwahl 2020 uferten die Emotionen aus. Zuletzt unter Zweitem Bürgermeister Ertl herrschte ein guter Ton. Machen Sie sich schon Gedanken über ihre ersten Gemeinderatssitzungen?
Nach der Wahl hörte ich viele konstruktive Worte. Wir haben uns im Gemeinderat zuletzt Lösungen mit großer Mehrheit erarbeitet. Meine Hand ist an alle Gemeinderatsmitglieder ausgestreckt. Nun liegt es an ihnen, weiter konstruktiv mitzuarbeiten. Die Bevölkerung erwartet das.
Freuen Sie sich auch nach den ersten Bürgermeistertagen auf die rund sieben㈠einhalb Jahre im Amt?
Ja, natürlich. Aber ich bin in einer sehr herausfordernden Zeit Bürgermeister geworden, in der es gilt, trotz wirtschaftlichen Abschwungs in Deutschland, dysfunktionaler Migrationspolitik und zunehmender politischer Spaltung die Gemeinde und ihre Bürger in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Ich bin Optimist und die Voraussetzungen sind gut in unserer Gemeinde.
Einige Leute haben Sie gewählt, weil Sie jung sind und das Amt lange machen können. Planen Sie eine Ära Englmann?
Das kann man jetzt noch nicht sagen. Man muss sehen, ob es mir Spaß macht und ob die Bürger mir das Vertrauen schenken. Das alles wird sich mit der Zeit zeigen.